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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 4/2018
Seite - 158 -
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158 Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18 Janine Schemmer | Grenzraum in Bewegung Zwischen den Dörfern – Die Landschaft erlaufen und erfahren Ich fahre in die Täler und treffe mich dort mit Donatella Rutar, Mitbegründerin und Kurato- rin der Stazione Topolò, zum Interview. Wir sind bei ihr zuhause verabredet. Sie lebt in einer der Gemeinden nahe Topolò. Donatella ist etwa 50 Jahre alt, Architektin, Kulturschaffende und als Lehrerein an einer zweisprachigen Schule im größten Ort der Täler tätig. Sie bietet mir zunächst Kaffee an, und fragt mich dann, ob wir das Gespräch auch bei einem Spaziergang führen könnten. Gerne willige ich ein, die Gegend etwas genauer kennenzulernen. So gehen wir die asphaltierte Straße entlang, entfernen uns von ihrem Haus und bewegen uns bergauf, in Richtung des Dorfes, aus dem ihr Vater kommt, wie sie betont. Auf dem Weg gehen wir an mehreren Ansiedelungen von Häusern vorüber. Die meisten sind zumindest äußerlich in einem guten Zustand, stehen aber fast das ganze Jahr über leer, weil viele Eigentümer nicht mehr kommen, erklärt Donatella. Die Topographie lässt den früheren harten Alltag in der räumlichen Abgeschiedenheit vermuten. Auch Donatella zog es als junge Frau aus den Dörfern hinaus. Für das Architekturstudium verließ sie damals ihren Herkunftsort und ging nach Venedig. Eine Rückkehr konnte sie sich nicht vorstellen, wie sie erzählt. Verbindungen in die Täler blieben aber immer bestehen, da sie schon als junge Frau einen Kulturverein dort leitete. Sie sagt, es seien viele Zufälle gewesen, die ihre damalige Entscheidung beeinflusst hätten, sich wieder in den Dörfern niederzulassen. Einer der Beweggründe war das Festival Stazione Topolò, das sie mit ihrem damaligen Partner und weiteren Freunden 1993 ins Leben rief. Die Dörfer in den Tälern des Natisone sind verbunden durch alte Straßen und Fußwege. Diese alten Straßen sind wichtig, da sie die Dörfer auf direktem Wege verbinden und man so schnell von einem ins nächste kommt. Früher verkürzten sie die Arbeitswege der Menschen, die vor allem von Landwirtschaft lebten. Viele der Wege sind inzwischen von Pflanzen und Bäu- men überwuchert und wurden über die Jahrzehnte, in denen sie kaum benutzt wurden, von der Natur eingenommen. Einige sind mittlerweile wieder bereinigt, von der Vegetation befreit, die die Wege in Folge der Entvölkerung wieder übernommen hatte, und führen erneut über die Hügel, die Wiesen und durch die Wälder. Inzwischen sind wir bei unserem Spaziergang im Dorf Brida angekommen, von wo aus sich ein überwältigendes Panorama über das Tal bietet. Dort machen wir eine Pause und erfrischen uns am örtlichen Brunnen. Die Häuser und Gärten dort sind sehr gepflegt, hier leben viele Menschen das ganze Jahr über. Donatella schlägt vor, nicht auf der asphaltierten Hauptstraße weiter zu gehen, sondern in einen der alten Fußwege abzubiegen, um wieder nach unten zu gelangen. Bernhard Tschofen beschreibt das Gehen als Kulturtechnik und »bewusst eingesetzte Bewe- gungskompetenz«, die unter anderem Rückschlüsse auf die kulturelle Orientierung zulässt und »einen wesentlichen Anteil an der Inszenierung des Selbst gewinnt« (Tschofen 2013, 65f.). Die körperliche Bewegung, das Erlaufen der alten Straßen und Wege und damit der Landschaft und ihrer Geschichte ist ein zentraler Aspekt im Alltag der Täler. Das vermittelt mir Donatella immer wieder während des Gesprächs und durch unseren Spaziergang. Durch das gemeinsame Gehen, bei dem mir die Interviewpartnerin die Landschaft nicht nur physisch, sondern vor allem auch in ihrer historischen Gewordenheit zugänglich macht, weist sie sich als Kennerin und Expertin und legitime Sprecherin darüber aus. Auch touristisch wird ein Teil der Wege seit einigen Jahren immer mehr genutzt. Zwar gibt es kaum touristische Infrastrukturen, aber
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 4/2018
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
4/2018
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2018
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
182
Kategorien
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