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Mobile Culture Studies The Journal
Mobile Culture Studies - The Journal, Band 4/2018
Seite - 162 -
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162 Mobile Culture Studies. The Journal 4 2o18 Janine Schemmer | Grenzraum in Bewegung indem die ehemalige Grenze selbst durch unterschiedliche Performances bespielt und immer wieder neu auf ihre gegenwärtige Wirkung befragt wird. Es geht den Initiatoren darum, dass Künstler und Besucher das Dorf und seine Gegend mit allen Sinnen erfahren. Man begreift die natürliche Umwelt durch die Augen, die Nase, die Ohren und die Beine. Spaziergänge über Wiesen, Wälder und durch Bäche und Installationen entlang dieser Wege sind elementarer Teil der Veranstaltung. Diese leibliche Erfahrung ist zen- tral für die künstlerisch-kreative Auseinandersetzung und Annäherung an das Gelände in und um Topolò. Dazu kommt die Bedingung, sich dort dem natürlichen Rhythmus anzupassen. So folgen die Performances keinem strengen Zeitplan, sondern finden bei Sonnenuntergang, jeden zweiten Nachmittag oder täglich am Morgen statt. Imaginationen und künstlerische Praktiken Topolò wurde schnell zu einem wichtigen und bekannten Begegnungsraum in den Tälern. Und das gesamte Dorf zu einem Experimentierfeld. Situationistische Ideen und Strategien prägten die künstlerischen Herangehensweisen seit den Anfängen. Ein Künstler spann die Idee eines Bahnhofs und urbaner Zentren weiter und legte damals das Konzept eines Flughafens vor, den ersten Flughafen in Topolò. Eine seiner Bekannten, so seine Erzählung, recherchierte in Kassel in Archiven über den Flughafen Topolò und stieß dort auf reichhaltiges Material über diesen. Im Ersten Weltkrieg, so stand es in den fiktiven Archiv- materialien geschrieben, fungierte der Flughafen als wichtiger Stützpunkt. Das Besondere daran war seine Position: er war in Hanglage gebaut und befand sich genau auf der heutigen Grenze zu Slowenien. Die außergewöhnliche Geschichte wurde dem Publikum von vier Performern dargeboten. Untermalt wurde die Performance mit Fundstücken aus fiktiven Tonarchiven und dem Dröhnen der Flugzeugmotoren. Zudem wurden Bilder der Flugzeuge und der Gebäude gezeigt. Auch die deutsche Wissenschaftlerin war anwesend und erläuterte ihre Erkenntnisse. Doch die Performance beschränkte sich nicht nur auf diesen Abend. Ein Künstler verarbei- tete die Idee und publizierte in renommierten italienischen Kunstzeitschriften Texte über den fiktiven futuristischen Künstler Marino Filipic, der aus Topolò stammte, vom Fliegen fasziniert war und sich daher auch an diesem Flughafen aufhielt. Diese Geschichten, so Donatella, wur- den abgedruckt, als seien es historische Tatsachen gewesen. Durch ihre Publikation fanden sie so weitere Verbreitung. Res Ingold, Konzeptkünstler und Professor an der Akademie der Bil- denden Künste München, der damals an seinem zentralen Werk, den Ingold Airlines, arbeitete, organisierte mit seinen Studenten eine Recherche über Kriegsflughäfen im Ersten Weltkrieg. Zufällig stolperte er über den vermeintlichen Flughafen in den Tälern und nahm Kontakt zu den Kuratoren des Festivals auf. Auch er spann diese Gedanken weiter und nahm mit Lichtin- stallationen, die die Silhouetten des ehemaligen Flughafens nachzeichneten, am Festival teil. Nicht mehr das Aufsuchen historischer Schauplätze, sondern neue Formen der Erzählungen über das Geschehene und über den gegenwärtigen Umgang mit Grenzen und Grenzziehungen stehen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Auch junge Künstler wie Cosimo Miorelli, der in seinen Live-Paintings die Kriegsgeschichte des ersten Weltkriegs nachzeichnet, beschäftigt sich auf neuartige Weise mit der Geschichte.1 Zu sehen ist seine Performance auch im multime- 1 Miorelli, Cosimo. 2017. Website „cosimomiorelli, Caporetto • Kobarid 1917-2017 @SMO, 23.10. 2017, <http://www.cosimomiorelli.com/caporetto-%e2%80%a2-kobarid-1917-2017-smo/>
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Mobile Culture Studies The Journal, Band 4/2018
Titel
Mobile Culture Studies
Untertitel
The Journal
Band
4/2018
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Ort
Graz
Datum
2018
Sprache
deutsch, englisch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.0 x 29.7 cm
Seiten
182
Kategorien
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