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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
schichte derMystik ist durchaus passend, wie etwa dasWerk vonEdith Stein
zeigt,die ihninihrerAnalysederMystikvonJohannesvomKreuzverwendet.22
Umwelche intellektuellen Visionen, umwelches geistige Schauen geht es bei
ChiaraLubich,wenndanachgefragtwird,wiedieVerbindungvonGottundWelt
verstandenwirdund inwieferndie (mystische)Gottesbeziehung immer schon
einebestimmteBeziehungzurWelt23miteinschließtundbegründet?
4. DieVerschränkungvonGottundWelt imParadies ’49
4.1. DasBildderStrahlen–derAusgangs-undZielpunkt imVater
In einerAufzeichnung vom23. Juli 1949, eineWoche nach der Erfahrung des
Eintretens in den „Schoß des Vaters“, erscheint erstmals das Bild von den
Strahlen.DerText lautet folgendermaßen:
„DasHimmelreichistimVater.DerVaterbringtsichnachaußenhinzumAusdruckwie
in auseinanderstrebendenStrahlenundnach innenwie inStrahlen, die sich imZen-
trum sammeln, in einem Punkt, der die Liebe ist: Gott im unendlich Kleinen, das
,Nichts-Alles‘derLiebe,dasWORT24!
DieauseinanderstrebendenStrahlensindJesus:DurchJesusgelangtderVaterzuallen
Kindern,dieaußerhalbvonihmsind,anwelchemPunktauchimmersiesichbefinden.
Sienähernsicheinander indemMaßean,wie sie sichGottnähern, indemsie sich in
seinemWillenbewegen(weil sie Jesus sind).
DieStrahlen,die sich imHerzenderSonne, imVater sammeln, sindWortGottes; sie
sammelnsichalsWORTimWORT…
22 Edith Stein, Kreuzeswissenschaft – Studie über Johannes vom Kreuz, Gesamtausgabe
Band18,4.Aufl.,Freiburg2013,S. 58f,wosieschreibt:„Zudem,wasderVerstandmitHilfe
deräußerenund innerenSinnewahrnimmt,kommenreingeistigeMitteilungen: siebieten
sichdemVerstandohnejedeVermittlungeinesäußerenoder innerenSinnesundohnesein
eigenesZutun,klarundbestimmtaufübernatürlichemWeginreinemEmpfangendar,d.h.
die Seele unternimmt nicht dasMindeste und trägt ihrerseits nichts dazu bei, wenigstens
nicht selbständig undwie aus Eigenem‘. Johannes unterscheidet geistigeVisionen, Offen-
barungen,AnsprachenundEmpfindungen, fasstaberallevierzusammenunterdemNamen
intellektuelleVisionen,weilbei alleneingeistiges Schauenvorliegt.“
23 Der BegriffWelt steht in diesemText für das Ganze der Schöpfung, unter Einbezug des
Menschenunddessen(Mit-)GestaltungdieserWelt.
24 IndenAufzeichnungendesParadies ’49wirdwechselweise entweder vonParolaoder von
Verbo gesprochen,wobeiParola sowohl das Schriftwort als auchChristus alsWortGottes
meinen kann,währendVerbo immer das (inner-)trinitarische Sein der zweiten göttlichen
Personmeint, dengöttlichenLogos. InderdeutschenÜbersetzungwirddieseUnterschei-
dung zumAusdruck gebracht, indem letzteresmit der GroßschreibungWORTwiederge-
gebenwird.
StefanTobler130
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik