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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
einewachsendeZahl anPolitikerInnen, „die fähig sind, in einenechtenDialog
einzusteigen, der sichwirksamdarauf ausrichtet, die tiefenWurzelnundnicht
den äußerenAnscheinderÜbelunsererWelt zuheilen“ (EG205). Eine sover-
standenePolitik sieht er als „eine derwertvollstenFormenderNächstenliebe,
weil siedasGemeinwohlanstrebt“ (EG205).
Schließlichbeschreibterden„soziale[n]DialogalsBeitragzumFrieden“(EG
238), wobei er besonders drei Bereiche benennt, in denendieKirche „präsent
sein muss, um einen Dienst zugunsten der vollkommenen Entwicklung des
MenschenzuleistenunddasGemeinwohlzuverfolgen“:Zumeinenden„Dialog
mitdenStaaten“,desWeiterenden„DialogmitderGesellschaft–derdenDialog
mitdenKulturenunddenWissenschafteneinschließt“unddrittensden„Dialog
mitanderenGlaubenden“(EG238).DabeihabedieKirche„dasEvangeliumvom
Frieden“ (Eph 6,5) einzubringen, und danach zu suchen, „wie man in einer
Kultur,diedenDialogalsFormderBegegnungbevorzugt,dieSuchenachEin-
vernehmenundÜbereinkünftenplanenkann,ohnesiejedochvonderSorgeum
einegerechteGesellschaft zu trennen,die erinnerungsfähig istundniemanden
ausschließt“ (EG239).
Der erstewichtigeDialogpartner, die Staaten, sollten sich entlang der sozi-
alethischenPrinzipienvonSolidarität undSubsidiarität imSinne eines politi-
schenDialogsfürKonsensbildungengagieren.ImDialogmit ihnenverstehedie
KirchesichalsBegleiterininderOrientierunganderWürdedesMenschenund
amGemeinwohl, aber nicht als Lehrmeisterin, dieüber Lösungen für alleDe-
tailfragenverfügenwürde (EG241). ImzweitenDialog,demzwischenWissen-
schaft und Glaube, plädiere die Kirche – einen einseitigen Szientismus und
Positivismuszurückweisend–füreineSynthese,welchesowohldieErkenntnisse
empirischerWissenschaften als auch der Philosophie, der Theologie und des
Glaubenseinbeziehtundso„demDenkenneueHorizonteöffnetunddieMög-
lichkeitenderVernunfterweitert“(EG242).ImdrittenDialog,demmitanderen
Glaubenden, beschreibtFranziskuszunächstdenökumenischenDialogals ein
wechselseitiges Beschenken (EG 246). DenDialogmit dem Judentumhebt er
eigenshervorundbeschreibt ihn zumal angesichts antisemitischerVerfehlun-
genvonChristInnen in derGeschichte als unverzichtbar (EG248). Besondere
Bedeutungmisst derPapst auchdeminterreligiösenDialogbei:TrotzHinder-
nissen und Schwierigkeiten, „besonders der Fundamentalismen auf beiden
Seiten“ sei er „notwendigeBedingung für denFrieden inderWelt unddarum
einePflichtfürdieChristenwieauchdieanderenReligionsgemeinschaften“(EG
250).Durchden„DialogdesLebens“(denanderen„gegenüberoffenzuseinund
dabei ihreFreudenundLeidenzu teilen“)undden„Dialog, indemesumden
sozialen Frieden und die Gerechtigkeit geht“ gelange man „über das bloß
Pragmatischehinaus […]zueinemethischenEinsatz, der neue sozialeBedin-
gungen schafft“ (EG 250). Dabei warnt der Papst vor einem oberflächlichen
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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik