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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
3. Ausblick:DialogalsKommunikationsform,Stilleund
kenotischerDialog
3.1. Debatte–Diskussion–Dezision–Dialog
Sowohl von Ingeborg Gabriel als auch von Papst Franziskus wird der Begriff
„Dialog“oft synonymzu„Gespräch“, „Debatte“oder „Diskussion“verwendet.
FüreineweiterführendesystematischeAuseinandersetzungmitderBedeutung
desDialogs im sozialethischenKontext könnte es sich –GabrielsHinweis auf
eine mögliche Differenzierung aufgreifend – als hilfreich erweisen, unter-
schiedlicheKommunikationsformenzuunterscheidenundsie auf ihreStärken
und Schwächen in verschiedenen kommunikativen Settings hin zu befragen.
Wann istDialog angemessen?WelcherVoraussetzungenbedarf er undwas ist
von ihm zu erwarten?Unter welchenUmständen braucht esDiskussion oder
Debatte,wannvielleichtsogareinedasGespräch(vorläufig)beendendeundins
Handeln führendeDezision?
ImAnschluss anPapst Franziskus’Aufforderung zum transversalenDialog
fand imSommer2018die ersteDIALOPSummerSchool32 statt, bei derChris-
tInnen und SozialistInnen aus ganz Europa gemeinsam Perspektiven auf das
Thema„EuropeasaCommon“erarbeiteten.AusgehendvondiesenErfahrungen
schlage ichmit Thomas Stuke33 folgende Systematisierung vor, die in einem
gemeinsamenForschungsprojektweiter vertieftwird.Dievierpolaren Idealty-
penakzentuierendabeiinGesprächsformenstetspräsenteOrientierungsmuster.
SiebietensomiteinanalytischesRaster,umKommunikationzuorientierenund
den jeweiligenSchwerpunkt zu identifizieren.
Die Notwendigkeit einer solchen Systematisierung ergibt sich u.a. aus der
Erfahrung, dass Dialogfähigkeit in einer Zeit undKultur, die stark durch die
KommunikationsformensozialerMedien,durch„fakenews“undmachtbasierte
Interventionenmitgeprägt ist, nicht automatisch vorausgesetzt werden kann,
sonderngleichermaßenderEinübung,derReflexionüberdenkommunikativen
Kontext sowiederbewusstenEntscheidungbedarf.Mit anderenWorten:Es ist
immer wieder gemeinsam die diskursive Frage zu stellen, in welchem Qua-
drantendesAchsenkreuzes gerade gesprochenwirdbzw.werden soll undwo-
32 Zu Programm, Inhalten und Vortragenden vgl. https://summer-schools.aegean.gr/EAAC
2018(letzterZugriff: 30.07.2019).
33 Die untenstehende Systematisierung stammt von Thomas Stuke. Sie wird in einem ent-
sprechendenBeitragmit demTitel „OnDialoguebetweenChristians andMarxists: Expe-
riencing the ,Otherness‘ onaGreek Island“ausführlicherbegründetund2020 indenPro-
ceedingsderSummerSchool erscheinen.Vgl. grundlegenddazuauch:ThomasStuke,Mit
Werten führen?Weiterbildungsmanagement zwischen externen Ansprüchen und indivi-
duellenVorstellungen,BadHeilbrunn2015,S. 30–37.
PetraSteinmair-Pösel152
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik