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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
aufgeschrieben Textes (Joh 21,24). Darauf folgt eine zweite Schlusspassage,
welcheklaraufdieerstebezogen ist.
„Esgibtaberauchviele andere(Dinge),die (der) Jesus tat,welche,wennsie ineinem
[„entlang einem“ – in einemZug] (auf)geschriebenwerden, auch nicht derKosmos
selbst umgreifen / aufnehmen / erfassen könnte, die geschriebenen Bücher / die zu
schreibendenBücher.“ (Joh21,25)12
SprichtdieersteSchlusswendungvomText,deralldieZeichennichtumfassen,
sodiezweitevomKosmos, der sienichtumgreifenkann.„Entlangeinem“,d.h.
linear, könneman all die Zeichen und Dinge, die Jesus getan hat, nicht auf-
schreiben, sie fügen sich keiner schon gegebenenOrdnung, sondern eröffnen
eineVielfaltdergeschriebenenundderzuschreibendenBücher.Diesbedeutet
einenichtkontrollierbare,unvorhersehbareanarchischeÖffnungderbiblischen
Botschaft auf andereErzählungenreligiöserundnicht-religiöserArt.
3)WelcheBücherkönnensichdadurchangesprochenfühlen?Inallgemeiner
Weise könnten es die religiösenundnicht-religiösenBücher sein, die vonder
geistigen, d.h. nicht instrumentalisierbaren und nicht-funktionalisierbaren
DimensionderWelt erzählen, derenWahrnehmungdas Johannes-Evangelium
immerneu einübenmöchte.Dazu gehörenTexte ausdenReligionen, derPhi-
losophie,derPoesie,derLiteratur…InspezifischererWeisekanndieerwähnte
Öffnung auch als ein Tor zumQu’ran verstandenwerde, in welchem in ver-
schobenerWeisedasBildvomEndedes Johannes-Evangeliumswiederauftritt:
„WenndasMeerTinte fürdieWortemeinesHerrnwäre,würdedasMeerwahrlichzu
Ende gehen, bevor die Worte meines Herrn zu Ende gingen, auch wenn Wir als
Nachschubnocheinmal seinesgleichenhinzubrächten.“ (Qu’ran18,109)13
Gesteht man zu, dass sich Bibel und Qu’ran an dieser neuralgischen Stelle,
welche ihreÜberschreitung zumAusdruckbringt,überkreuzen,wären christ-
liche undmuslimische Interpretationenauf denheiligenText der anderenRe-
ligionverwiesen,umihreneigenenTextindessenLichtzulesen.Diesichdaraus
ergebenden Fragen könnten folgendermaßen eine erste suchende Gestalt er-
halten:
„1)WorinbestehtauschristlicherSichtdieheilsgeschichtlicheBedeutungdesQu’rans?
Wasbedeutetes,auschristlicherSichtdenQu’ranalsOffenbarungGottesanzusehen?
Welche Auswirkungen hat dies theologisch? 2)Wie ist ausmuslimischer Sicht eine
Annäherung an eine authentische Bedeutung der biblischen Schriften jenseits des
12 FürdieÜbersetzungdanke ichAlfredDunshirn.
13 NavidKermanisprichtvoneinerÄhnlichkeitdesGleichnissesimQu’ranzumWortausdem
Johannes-Evangelium, vgl. Navid Kermani, Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des
Koran,5.Aufl.,München2015,S. 214.IchhabeandieserStelledieauchvonKermanizitierte
ÜbertragungvonFriedrichRückertverwendet.
InterreligiöserDialog,öffentlicherRaumundÄsthetik 165
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik