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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
des Sufismus imWesten, die mit dem Begriff Universaler Sufismus treffend
erfasstwird.2SiewurdevondemindischenSufi-LehrerHazrat InayatKhanvor
rund100JahrenindenWestengebracht,undgibtseitdamalsfürvieleMenschen
des ,westlichen‘KulturraumesunddarüberhinauseinespirituelleWegweisung
desGlaubensundLebens.3Ichmöchtehier insbesondereihrenpotentiellenund
realenBeitragzumFriedendarstellen.
Diese pazifistische Intention einer Reihe von neureligiösen Bewegungen
wurde in derVergangenheit oft durchproblematischeAspekteüberlagert, die
innerhalb einigerGruppierungen auftraten. In der zweitenHälfte des vergan-
genen Jahrhunderts entstand hinsichtlich einiger Gruppen der Verdacht, sie
„würden ihreMitglieder inpsychische, sozialeund finanzielleAbhängigkeiten
führen, jadurchGehirnwäsche eingliedern“,4undvonsolchenGruppierungen
könnemankaumannehmen,dass sie einenBeitrag zumFrieden leistenkönn-
ten.5 In vergleichbarerWeise wurde eine ähnliche Problemstellung auch hin-
sichtlich solcher religiöser Minderheiten, die nicht neureligiöse Bewegungen
sind,sondernzugroßentraditionellenReligionengehören,jedochinnerhalbder
neuenLebensumgebungeineMinorität darstellen, konstatiert.6Dieseanfängli-
che Sicht sollte jedochnicht vonder „Entdeckung vonFriedenspotenzialen in
neuen religiösenBewegungen“ abhalten, wenngleich auch in Einzelfällen par-
tielle Gründe dafür vorlagen.7 Solche problematischen Entwicklungen waren
jedoch eher in Gruppierungen anzutreffen, die gegenüber der Gesamtgesell-
schaft stark abgeschlossenwaren, als inuniversalistischenBewegungen, deren
MerkmaldieOffenheitfürandereReligionenundKulturenist,unddievoneiner
Einheit derReligionenausgehenund fürdenFriedenzwischenReligionenund
dadurchzumgegenseitigenVerstehen innerhalbderGesellschaftundzwischen
den Völkern beitragen wollen. Der vorliegende Beitrag möchte sich primär
solchenTendenzen innerhalbderneureligiösenGruppierungenzuwenden.
2 HendrikusJ. Witteveen, Universaler Sufismus: Die Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan,
Heilbronn1998.
3 Vgl. JohannFigl, Mitte der Religionen. Idee und Praxis universalreligiöser Bewegungen,
Darmstadt 1993, bes. S. 89ff. Dieses Buch wird zurzeit für eineÜbersetzung in Englisch
vorbereitet.MitdieserBewegungunddemSufi-Orden imWestenhabe ichmichseit Jahren
beschäftigtundbin ihrenRepräsentantenundweiterenMitgliedernwiederholtbegegnet.
4 Heinz Streib, Friedensbildung und neue religiöse Bewegungen, in: Werner Haußmann /
Hansjörg Biener / Klaus Hock / ReinholdMokrosch (Hg.), Handbuch Friedenserziehung:
interreligiös– interkulturell – interkonfessionell,Gütersloh2006,S. 164-167,hier: S. 164.
5 Ebd.
6 Vgl.dazuHans-MartinBarth/ChristophElsas (Hg.),ReligiöseMinderheiten:Potentiale für
KonfliktundFrieden,IV.internationalesRudolf-Otto-Symposion,Marburg,Schenefeld2004.
7 Vgl. Streib,Friedensbildung,S. 167.
JohannFigl226
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik