Seite - 288 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Bild der Seite - 288 -
Text der Seite - 288 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
genabstimmbar seinkann.Dasbetrifft vor allemdenSchutzderWürde jedes
Menschen als nicht abstimmbare Grundlage eines menschenrechtlich orien-
tiertenZusammenlebens.DarinliegteineChancezurStärkungundanwaltlichen
Vertretung der Rechte undAnliegen besonders verletzlicher Akteure der Ge-
sellschaft – z.B. Kinder,Menschen, die hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität
nicht den gesellschaftlich akzeptiertenNormvorstellungen entsprechen,Men-
schenmit einer Beeinträchtigung,Menschenmit einer Demenzerkrankung –
sowie im Hinblick auf Menschen / Gruppen, die von demokratischen Ent-
scheidungenbetroffen sind, ohnedass sieüberhauptMöglichkeitenderBetei-
ligunghaben–z.B.MenschenohneBürgerstatusoderAngehörigezukünftiger
Generationen.
Zweitens: Das Recht auf Religionsfreiheit schützt Religionsausübung als zivil-
gesellschaftliche Ressource und Potential für demokratisches Lernen und De-
mokratieentwicklung.
OhneZweifel sindEinwändegegenüberdernicht-demokratischenVerfasstheit,
einemMangelanPartizipationsrechtenundrechtlicherKulturgegenübereinem
religiösen Akteur wie der römisch-katholischen Kirche berechtigt. Dennoch
–oder vielleicht geradedeswegen– scheintmirderHinweiswichtig, dass sich
auch in einem solchen institutionell-religiösen Zusammenhang beachtliche
ÜbungsfelderfürdemokratischePraxenentwickelnkönnen.SowirdimKontext
religiöser Jugend-, Sozial- und Frauenverbände nicht nur ein in anderen ge-
sellschaftlichenBereichenkaumerreichtesMaß an sozialemEngagement frei-
gesetzt, sondern es werden auch basisdemokratische Praxen entwickelt und
eingeübt. InDeutschland,wodaskatholischeVerbändewesentraditionell stark
gewesen ist, hat eine erhebliche Zahl (ehemals) religiös gebundener Politike-
rInnen ihre „politische Sozialisation“ in kirchlichenVerbänden erfahren und
schöpft aus dieser Ressource im politischen Engagement. Nebenbei bemerkt
erwächstdarausaucheineaufdas InnerederReligionsgemeinschaft gerichtete
Dynamik:DenndiesesPotential bildet zugleich eine starkeRessourceder kri-
tischen Begleitung und Entwicklung der Kirche selbst, insofern die politisch
sensibilisierten,demokratieerfahrenenAkteure ihreneigenen institutionell-re-
ligiösenBackgroundmit einer hohen Sensibilität für Freiheits- undPartizipa-
tionsdefizitewahrnehmenundsichentsprechendartikulieren.
Drittens: Das Recht auf Religionsfreiheit bildet ein Korrektiv gegenüber der
Versuchung(identitäts-)politischer InstrumentalisierungvonReligion.
WennpolitischesEngagementmit religiöserVerwurzelungeinhergehtundsich
u.U. daraus nährt, kanndaspositiveWirkungen zeitigen. Es kannaber in de-
mokratischenKontextenauchzueinerGratwanderungwerden.Daswirdimmer
dannderFallsein,wennderreligiöseImpetusaufderEbenedesStaatshandelns
MarianneHeimbach-Steins288
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik