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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655 II. Nimmtman die Zurückhaltung wahr, die der liberaleMultikulturalismus al- lenthalben gegenüber einer politischenAffirmation religiöserVielfalt zeigt, so kommt damit indirekt in den Blick, dass esmit der Religion doch etwas Be- sonderesaufsichhabenkönnte.Woranliegtes,dassz.B.WillKymlickaalseiner der prononciertestenVerfechter einerPolitikdesmultikulturellenPluralismus einegleichgeartetePolitikdesmulti-religiösenPluralismusablehnt?8Insolchen VorbehaltendürftenverschütteteBegründungsmomente für politischeSäkula- rität wirksam werden, die sich im Rückblick auf deren europäische Entste- hungsgeschichtevergegenwärtigen lassen. Die zentrale Frage amBeginnder europäischenModernewar,wie die kon- fessionelle Spaltung politisch verarbeitet werden sollte. Die Herausforderung war nicht eine Vielfalt kultureller Identitäten, sondern der Konflikt zwischen unvereinbarenWahrheitsansprüchen, die auch die Rechtfertigung politischer Herrschaft selbstbetrafen:NochkonntepolitischeHerrschafteinerseitsnur im GesamtzusammenhangmitderVerwirklichungeines göttlichenHeilsplans für dieChristenheitbegriffenwerden,andererseitsaberwarklargeworden,dassdie tiefgreifende Entzweiung über die göttlichen Vorgaben hiefür nicht mehr überwunden werden konnte. Gegenüber der möglichen und anfangs auch weithinrealgezogenenKonsequenzdespolitischenReligionszwangslautetedie andere, innovative Alternative zunächst „Toleranz“. Sie sollte sich als die zu- kunftsweisendeherausstellenundbildeteinewesentlicheGrundlagefürdas,was nachspätererBegriffsbildungheuteunter„(politischer)Säkularität“verstanden wird. WennMichel de l’Hipital 1665unterdemEindruckder französischenReli- gionskriegepostuliert,dieFrageseinicht,wasdierichtigeReligionsei, sondern wieman zusammen leben könne, so artikuliert sich darin ein fundamentaler Paradigmenwechsel, denmanmitDavidHeydmit demBegriff Gestalt-Switch aus derWahrnehmungspsychologie inVerbindung bringen kann:9Die politi- sche Durchsetzung des für richtig gehaltenen religiösen Heilsplans und die politische Zulassung religiösen Irrtums bilden Standpunkte, zwischen denen man „switchen“ kann, die aber nicht zugleich eingenommenwerden können. ImInteressederErhaltungderMöglichkeit politischenZusammenlebenswird dererste Standpunkt zugunsten des zweiten zurückgesetzt. In der politischen Toleranz der frühen europäischen Neuzeit artikuliert sich die Bereitschaft, dieFrage der Begründbarkeit unvereinbarer religiöser Geltungsansprüche als 8 WillKymlicka,MulticulturalCitizenship,Oxford1995. 9 DavidHeyd,Introduction,in:Ders.(Hg.),Toleration:AnElusiveVirtue,Princeton1996,S. 3– 17. StefanHammer296 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Titel
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Untertitel
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Autoren
Irene Klissenbauer
Franz Gassner
Petra Steinmair-Pösel
Herausgeber
Peter G. Kirchschläger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1165-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
722
Kategorie
Recht und Politik
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