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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
einschließlicheinesSelbstbestimmungsrechts.Geradedieseshat indenbeiden
letztenDezennien inder Straßburger JudikaturdeutlichereKonturenerhalten.
In diesemZusammenhang ist auch auf die oben erwähntenGuidelines for
Review of Legislation Pertaining to Freedom of Religion or Belief des Exper-
tenbeirats fürReligions-undGlaubensfreiheitbeiderOSZEzuverweisen.
3.Antidiskriminierungsmaßnahmen (Art. 10undArt. 19AEUV).Durch13
EGVdesVertrags vonAmsterdam, der inArt. 19AEUVübernommenwurde,
wareserstmalszueinerausdrücklichenErfassungderreligiösenDimensiondes
Lebens in einem Gründungsvertrag gekommen, ohne dass es vermittelnder
Umwegeüber andereBestimmungendes Primärrechts bedurfte. Im religions-
rechtlichen Kontext ist vor allem auf die auf der Grundlage dieser Ermäch-
tigungsnorm ergangenen Gleichbehandlungsrahmen-Richtlinie 2000/78/EG
(Antidiskriminierungs-Richtlinie) und Antirassismus-Richtlinie 2000/43/EG
sowie das inderenUmsetzung indenFolgejahren jeweils ergangenemitglied-
staatliche Gleichbehandlungsrecht hinzuweisen. Die ersten Urteile des EuGH
zum Antidiskriminierungsrecht im religionsrechtlichen Kontext wurden mit
besonderer Spannung erwartet,35 und prompt wurde bereits in den unter-
schiedlichen Zugängen zumTragen eines islamischen Kopftuchs amArbeits-
platz in den Schlussanträgen der jeweils befassten Generalanwältinnen die
Bandbreiteder religionsrechtlichenGrundfragen fassbar.36
Ergänzend ist hier auch auf die Tätigkeit der bei der OSZE eingerichteten
Abteilung für Toleranz und Nichtdiskriminierung zu verweisen, die sich
schwerpunktmäßig auchmit Religions- undWeltanschauungsfreiheit befasst.
4. Im Sekundärrecht finden sich verschiedene Rechtsvorschriften, die ent-
weder ein spezielles Diskriminierungsverbot enthalten, für einzelne religions-
rechtlicheMaterieneinSonderrecht schaffenoderauchmittelbareAuswirkun-
genaufReligionsgemeinschaftenalsTeilnehmeramWirtschaftslebenhaben.
35 EuGH14.3.2017,C-157/15,SamiraAchbita&Centrumvoorgelijkheidvankansenenvoor
racismebestrijding /G4S Secure SolutionsNVundC-188/15, AsmaBougnaoui undAsso-
ciation de d8fense des droits de l’homme (ADDH) / Micropole SA, vormals Micropole
UniversSA,vgl.dazudenKommentar vonRichardPotz in.öarr65/2018,S. 180–212.
36 Schlussanträge GA J. Kokott vom31.05.2016 (Samira Achbita)mit einem „laizistischen“
Zugang, vgl. http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=179082&doc
lang=DE(letzterZugriff: 19.06.2019);SchlussanträgeGAE.undSharpstonvom13.6.2016
(Asma Bougnaoui) mit einem die öffentliche Sichtbarkeit von Religion in ausgewogener
Weise berücksichtigenden Zugang, vgl. http://curia.europa.eu/juris/document/document.
jsf?docid=181584&doclang=DE (letzter Zugriff: 19.06.2019). Der Gerichtshof hat sich
dannallerdings indenbeidenEntscheidungenumeineHarmonisierungbemüht.
RichardPotz336
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik