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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
kursivenundpräsentativenSymbolen.17Währenderstereeinenklarangebbaren
Bezugsgegenstand aufweisen, haben präsentative Symbole keine feststehende
Eigenbedeutung,weilsichdieseimmernurausdemjeweiligenKontextergibt.So
kannetwaeineGlühbirneauf einemSchalterdiesenalsLichtschalterkenntlich
machen und das Symbol der Glühbirne für „Licht“ stehen, in einem anderen
Kontext jedochSymbol für InnovationundKreativität, IdeeoderLösung sein.
Dieselbe Kontextabhängigkeit lässt sich bei religiösen Symbolen erkennen.
Nichtnur,dass sieGültigkeitprimärnur innerhalbder Interpretationsgemein-
schaft(z.B.einerReligionsgemeinschaft)besitzen,selbst indieserundimLaufe
derZeitkönnensienochmalsunterschiedlicheDeutungsvariantenerfahren.
Gerade dieDiskussionen umdie Bedeutung und damit auch denGrad der
VerpflichtungHijab,Burka,Niqab,Chador, JilbabbeziehungsweiseBushiya zu
tragen, lassen dies besonders deutlich erkennen. Verneinen doch bereits die
außer- und innerislamisch kontrovers geführtenDiskussionen, vor allemaber
die ungeheure Breite an Interpretationen und Varianten des islamischen
Schleiers innerhalb jener Gruppierungen, die zumindest dahingehend über-
einstimmen,dassdasTragenvonSchleiernunterschiedlicherArtausreligiösen
Gründen geboten ist, dieMöglichkeit dieses Symbol als Träger einer einzigen
Bedeutungzu interpretieren.
EbenweildiesenSymbolenaberein festgelegterBedeutungsgehalt fehltund
ein solcher auch nicht objektiv, vergleichbar einermathematischen Formel,18
hergeleitet werden, sondern immer nur in einem konkreten Kontext und das
heißt letztlich inund für eineGruppe (d.i. Interpretationsgemeinschaft) „fest-
gelegt“werdenkann, könnenHijab, Burka,Niqab,Chador, Jilbabbeziehungs-
weiseBushiya(ebensowieandereSymbole)theoretischsowohlalsreinreligiös,
als auch als rein politisch oder auch als beides zugleich oder auch in einer
anderenWeisegedeutetwerden.Wie imFolgendenzumindest skizzenhaft auf-
gezeigtwerdenwird, sind inderPraxisdieGrenzendabeimeist fließend.
17 SusanneK.Langer,PhilosophieaufneuemWege:dasSymbolimDenken,imRitusundinder
Kunst,übers.AdaLöwith,Frankfurta.M.1984;vgl.hierzuauch:Symbols; symbolism, in:
John Bowker (ed.), The Oxford Dictionary of World Religions, Oxford-New York 1997,
S. 934–935.
18 Vgl. HansGeraldHödl, Kopftuch, Kreuz undMenora: Der Beitrag der Symboltheorie zu
aktuellen Debatten, in: feinschwarz.net – Theologisches Feuilleton am 23.07.2018, vgl.
https://www.feinschwarz.net/kopftuch-kreuz-und-menora/ (letzterZugriff: 25.01.2019).
IreneKlissenbauer382
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik