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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
beiseinenBesucheninderEGEimmerwiederdaraufhingewiesen,dassermit28
(nach dem Brexit nur mehr 27) Kommissaren im selben Raum, in demwir
arbeiteten, einen Konsens erzielen muss. Er erwartet daher auch von seiner
Ethikberatergruppe ein ausgewogenesKonsensdokument und ersuchte uns so
langezudiskutieren,bisallewichtigenAspekteinunsereroftmehrals100Seiten
umfassenden Opinion kompromisshaft berücksichtigt sind. Bei der Men-
schenwürdegibt esaberkeineKompromisse.
GleichbeidererstenOpinion,beiderichinderEGEmitwirkendurfte,bekam
ichGewissensschwierigkeiten.EsgingumdiePatentierbarkeitvonErfindungen
mitembryonalenStammzellen,diealsodieZerstörungembryonalerMenschen
zurVoraussetzunghaben. EinMitglied schiednach einigen Sitzungen aus, als
klar wurde, dass die Gruppe bei der Patentierbarkeit nicht adäquat zwischen
adultenundhumanenembryonalenStammzellen zuunterscheidenbereitwar.
IchentschiedmichinderEGEweiterzuarbeitenundnahmzumSchlussalserster
inderGeschichtederGruppe,die1993vomdamaligenEU-Präsidenten Jaques
Delors insLebengerufenwurde,meineZuflucht zueinerdissentOpinion,d.h.
ichunterzeichnetedieOpinion16erst,nachdemichmeineGründeformulierte,
warum ausmoralischenGründen Erfindungenmit Stammzellen, die die Ver-
nichtung embryonaler Menschen zur Voraussetzung haben, in Europa nicht
patentierbar sein sollen. Diesen Schluss habe ich mit der Interpretation der
Biopatentrichtlinie,umdieinderEUca.10 Jahregerungenwurde–sindPatente
doch eine wichtige „Währung“ in derWelt und ein enormer Anreiz für die
ForschungundForschungsrichtung–begründet. InderEGEwurdemeine In-
terpretation der Richtlinie akzeptiert und meine Argumente bei der Presse-
konferenzmitdemgleichenGewichtdargestelltwiedieMehrheitsposition(einer
gegen elf damals). DerMut zurKritik aus theologischerMotivation, abermit
einer einleuchtenden InterpretationderBiopatentrichtlinie formuliert,machte
sichbezahlt.DasEuropäischePatentamtbatmich,ineinem„amicicuriae“Brief
meine Argumente noch ausführlicher darzustellen. Nach einigen Jahren und
zähenVerhandlungenhatsichdasEuropäischePatentamtmeinenArgumenten
angeschlossen. Nach einemneuerlichenVersuch, ein Patentmit embryonalen
Stammzellenanzumelden,hat sichauchderEuropäischeGerichtshof in letzter
InstanzmeinenArgumentenangeschlossen.
DieForschungistnichtzuletztdeswegenaufderSuchenachAlternativenmit
sog. induzierten pluripotenten Stammzellen, d.h. rückwärtsentwickeltenKör-
perzellen, bereitsmit den ersten vonEthikkommissionen geprüftenHeilungs-
versuchenunterwegs.Mit embryonalenStammzellenkonntenachnegativ ver-
laufenenTierversuchenaus verschiedenenGründennochkeinHeilversuch an
Menschenbewilligtwerden.DiekonstruktiveKritikhat sichalsonichtnegativ
aufdieForschungausgewirkt, sondernsiegeradezuvorangetrieben.
GünterVirt408
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik