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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
–Wasmotiviert?Motive sind höchstpersönlich und hängenmit der tiefen
eigenenEinstellung, also demGlauben zusammen.Mich leitet die theologisch
begründeteÜberzeugung,dasseskeinedoppelteWahrheitüberdenMenschen
gebenkann:einerseitseinemedizinischeundandererseitsdazuimWiderspruch
eine ethische. SollteHeilung nurmit unethischenMittelnmöglich sein?Mich
leitet die christlich begründeteHoffnung, zeigen zu können, dass das ethisch
Richtige sich langfristig auch als dasmedizinischRichtige, sozialVerträgliche
und im Solidarsystem langfristig auch Finanzierbare erweist. Diese ständige,
mühsame undunabschließbareÜbersetzungsarbeit zwischen den verschiede-
nen angesprochenen Ebenen bedarf einer starken Motivation. Sie wird im
TiefstendurchdieGlaubenseinsichtgeleitet,dassjedeVerletzungderWürdedes
Menschen eine Verletzung Gottes selbst ist, wie die lateinamerikanische Bi-
schofssynode von Puebla formulierte (Nr. 306). Damit sindwir bei der Frage
nach der tiefenhermeneutischen Begründung der Menschenwürde und der
daraufaufbauendenMenschenrechtegelandet.
3. KritischeSchlussüberlegungenzumZusammenhangvon
MenschenbildundGottesbild
Warum tun sich manche Religionen mit den Menschenrechten so schwer?
Warum taten sich auch die christlichen Autoritäten lange Zeit mit denMen-
schenrechten so schwer? IngeborgGabriel hat einleuchtendeGründe in ihrem
eingangs zitierten Artikel genannt. Haben diese verschiedenen Gründe aber
vielleichteinegemeinsameWurzel,dienochtieferliegtalsdievonihrgenannten
Aspekte Säkularität, Anthropozentrik, Individualismus und Pflichtvergessen-
heit?MenschlicheEinsichtenundHandlungenhabenvieleEbenen,wobei eine
jeweils auf die anderedahinterliegende verweist.DerMensch ist ein sehr viel-
schichtigesWesen.
„Woran glaubt, wer nicht glaubt?“13, hat KardinalMartini einmal in einem
DialogbuchmitUmberto Eco gefragt. In diesemwie in vielenDialogen zeigte
sichimmerwiederdieBedeutungdersog.negativenTheologie,dieernstnimmt,
dass Gott immer größer ist, als unsere Gottesbilder. „Wenn du ihn verstehst,
dann ist es sicher nicht Gott“, hat schonAugustinus formuliert. Voreilig be-
haupteteGlaubenssätze, die immer aufAnalogien beruhen, können leicht zur
Ideologiewerden, sienehmendieTranszendenzGottesnicht ernst.
Dennochwill derMenschüberdasSein-Gebende-Geheimnis amGrunddes
Daseins auch nachdenken und sprechen. Dies ist immer nur in Analogien
13 CarloMariaMartini,UmbertoEco,Woranglaubt,wernichtglaubt,Rom1996.
Menschenrechte imProzess 409
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik