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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Gleichzeitig istdieSchwelle imGegensatzzurTür,zurWand,zurMaueroder
zumStacheldrahtdocheineehersymbolischeTrennlinie,dasie janichtnurder
Trennung,sondernvorallemderErmöglichungdesÜberschreitensderGrenze
dient,alsodemnichtzufälligen,sondernbewusstenHineingehenineinenneuen
Raum.
Wenndas„Dahinter“einerSchwelleunbekannt ist, istmitderSchwelleauch
eine gewisse „Schwellenangst“ verbunden: DasÜberschreiten bedeutet eine
möglicheGefährdung.Manweißnicht,was einendahinter erwartet –unddies
gilt für dasÜberschreiten in beide Richtungen. Und wie sehr Grenzen und
SchwellenmitÄngstenverbundensind,habennichtzuletztdieletztenJahreund
diepolitischenSpielemitdenGrenzengezeigt.
SchwellenundGrenzenzuüberschreiten,bekannteWegezuverlassen–das
gehört nun von seinenUrsprüngen an zumWesen des Christentums. Und ist
nichtderganzeRitualschatzdazuda,SchwellenundÜbergängegutzubegleiten
undzugestalten?IstnichtderKernderchristlichenReligiondasÜberschreiten
derabsolutenSchwelle schlechthin–nämlichdesTodes?
So berichtet bereits die Apostelgeschichte mehrfach von der krisenhaften
Entwicklungder frühenKirche.Beispielhaft seihieraufApg.10verwiesen:Der
heidnischeHauptmannKorneliusschicktnachSimonPetrus,umsichtaufenzu
lassen.PetrushateineVision,durchwelche ihmklarwird,dass ereineGrenze
überschreitenmuss.Gottzeigt ihmunreineTiereundmacht ihmdeutlich:Was
ich für rein erkläre, erkläre dunicht für unrein. Damit berichtet Apg.10 vom
Übergang des einen Kirchenverständnisses zu einem anderen – von der rein
judenchristlichenKirchehin zur gemischtenKirchemit denHeidenchristen.11
Was hier geschildert wird, ist eine Schwelle, einÜbergang – und dasÜber-
schreitendieserSchwelle.Undeswirddeutlich,dassdiesesÜberschreitenMut
braucht, Vertrauen in den Geist Gottes (bzw. in die Kirchen-Visionen), das
Eingehen auf die (geänderten) Bedürfnisse, die vondenMenschen her an die
Institution(welchehierdurchPetrusrepräsentiertwird)herangetragenwerden,
unddie Energie, diesen Schritt jenen gegenüber zu begründenund zu vertei-
digen,dienochvordieserSchwellestehen(wieesbeispielhaftamApostelkonzil
erfolgt ist).
Das Christentum steht im Dienst solcher Grenzüberschreitungen und ist
gewissermaßen„Schwellenkunde“–undesstehtselbstimmerwiederansolchen
GrenzenundSchwellen, vondenen ich imFolgendeneinigebenennenmöchte
mit ihrenmöglichenChancen fürdieZukunft.
11 Vgl. dazu Näheres u.a. bei Klaus Kliesch, Der revolutionäre Schritt des Urchristentums:
Petrus unddieHeidenmission (Apg10,1–11,18), in: Bibel undKirche 55/2/2000, S. 74–78.
Thesen fürdieZukunft kirchlichenHandelns 445
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik