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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
tragenwurden, sindkeineOrdensleutemehrsichtbar.DerAuftragwirdseinzu
überlegen, wie ohne diese sichtbare Präsenz das, wofür die Ordensgemein-
schaftenstehen,weitergeführtwird.
DieseVeränderungbetrifft aber nicht nurdieOrden,die als Sozial-Kongre-
gationenim19. JahrhundertalsReaktionaufvielfältigeNötegegründetworden
sind.EsgibtaucheinenRückzugvontraditionellenOrdenausvielenStandorten,
diesie teilweise jahrhundertelanggeprägthaben.Undhierkommenwirnunzu
einerweiterenGrenz-Veränderung:VieleOrdensprovinzen sind inden letzten
Jahren zusammengelegt worden; ganzMitteleuropa ist inzwischenmeist eine
einzigeProvinz: Franziskanermit ganzÖsterreichundSüdtirol;Dominikaner
mit Süddeutschland undÖsterreich; bei den Kreuzschwestern (auch „Ingen-
bohl-Schwestern“genannt)wurdendieProvinzen2007ausÖsterreich,Ungarn,
Bayern sowie dasVikariat Slowenien zur Provinz EuropaMitte zusammenge-
führt. Zugleich konzentriert man sich auf wenige Orte und auf spezifische
Aufgaben–die immerseltener inderPfarrseelsorge liegen.
Damit sindwir bei einemzweitenUmbruch –nämlich jenem inderPfarr-
seelsorge. InÖsterreichhat sich seit der josefinischenReformeine sehr klein-
teiligePfarrstrukturentwickelt.JedersollteinseinemNahraumeinePfarrkirche
haben–undnatürlichaucheinenzuständigenPfarrer.DiesesPfarrsystemist in
denvergangenen JahrenausverschiedenenGründen inBewegunggekommen.
Einer der wichtigsten Gründe: Die Diözesen haben nicht mehr genügend
Priester,umdievorhandenenPfarrenmit jeeinempastorpropriuszubesetzen.
VieledermomentanenStrukturüberlegungenderDiözesenhabenmitdiesen
Veränderungenzu tun.EinBlick indieGeschichte zeigt, dassdiePfarrgrenzen
eingeführt wurden, um den Unterhalt der Seelsorger durch die zugehörigen
Pfründe abzusichernundumdieZuständigkeit fürdie Sakramentenspendung
klar zu regeln.Diese EinführungderGrenzen ging nochvon einer relativ im-
mobilenGesellschaftaus.PolitischeundkirchlicheGrenzenwarenzumeistmit
ökonomischen Interessenverbunden. ImmittelalterlichenEuropagabeskeine
Freizügigkeit der Bewegung – die meisten Menschen waren auf Gedeih und
Verderb andasHerrschaftsgebiet ihresGrundherren, häufig auch des kirchli-
chenGrundherren,gebunden.16MitdersteigendenIndustrialisierungwurdees
zugelassen, dass immermehr Arbeitskräfte in die Städte und ihr Umfeld ab-
wanderten. Die staatlichenGrenzen kontrolliertenweiterhin Zu- undAbwan-
derung.Aber seitherhaben sichdiekirchlichenGrenzen imErlebenderMen-
schenvorallemimstädtischenBereich immermehraufgelöst.
UndwieauchderStaatmittlerweilevieleseinerDienstleistungenprivatisiert
hat, wie z.B. Bahn, Post, Gesundheit etc., so geht es auch den traditionellen
Kirchen: Sie sindverstärkt dem„Marktdruck“ ausgesetzt. Sie sindnichtmehr
16 Vgl.dazuNäheres in:Komlosy,Grenzen.
Thesen fürdieZukunft kirchlichenHandelns 449
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik