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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
BruchliniewirdinHinkunftauchnichtmehrzwischendenKonfessionenliegen
–sonderneher zwischen jenen,diebewusst, entschiedenundmitEngagement
ihrenGlaubenleben(z.B.einesteigendeZahlvonFreikirchlichen);undaufder
anderenSeitejenen,dieaktivundmilitantgegenReligionenvorgehenunddiese
mit ihrenSymbolen,RitenundRechten ausderÖffentlichkeit verbannt sehen
möchten.
Zugleich hat Thomas Großbölting für Deutschland eine Entwicklung be-
nannt,diesoauchfürÖsterreichgilt:21EsgibteineunaufhaltsameVeränderung
derMenschenhin zukirchenunabhängigen religiösenEinstellungen.DieReli-
gionsgemeinschaftenhaben inderGeschichte einengroßenAnteil anderEnt-
wicklung des Landes. Aber auch hier gilt, dass siemittlerweile „eine Stimme
untervielen[sind](…)undkeineexklusivenAnsprücheentwickelnkann“22.Die
christlichenKirchenhabenkeinMonopolmehraufdieDeutungderWelt.Nicht
zuletzt durch dieMigration und die Globalisierung haben auch andere Reli-
gionen(allenvoranderIslam)beiunsFußgefasstundwerdenweiterwachsen.23
Aberauchfür siegilt,dassdieMenschenbewusster ihreReligionwählen–und
diese Religion auch individuell gestalten, unabhängig von Vorschriften der
KirchenoderReligionsinstitutionen.
DieseEntwicklungensindernst zunehmen.DieVision liegt darin, dassder
Anstoß vonaußendazu führt, das „Eigene“bewusster zumachen. Es gehtum
eine Entwicklung weg von einem Traditionschristentum hin zu einem Ver-
ständnis christlichenLebens,dasbewussterchristlich ist.
Die katholische Kirchemuss sich angesichts der Veränderungen die Frage
nach ihrem„Kerngeschäft“ stellen. Theologisch steht sie imDienst desWach-
sens des Reiches Gottes und hat keinen Selbstzweck. Gerade der aktuelle Zu-
kunftsprozess in vielen österreichischenDiözesen kann hier dazu dienen, ge-
wachsene Strukturen dahingehend zu analysieren und zu verändern, dass sie
besser diesemKerngeschäft entsprechen: dem Leben und Glauben derMen-
schen zu dienen; Seelsorge anzubieten; sich denArmen, Ausgestoßenen und
VerliererndergesellschaftlichenEntwicklungenzuzuwenden;denGottesbezug
unddieGottesfrage inder jeweiligenZeitwachzuhalten.
DasKerngeschäft wurde in der katholischenKirche zumeistmit der Spen-
dungder Sakramente beantwortet – diese gehören natürlich zu den zentralen
HeilsmittelnderKirche.ZumzentralenAuftraggehört jedoch immerauchdie
Mission, die Sendung indie jeweiligeZeit, die gegenwärtig nicht zuletzt durch
21 Vgl. ThomasGroßbölting, Der verloreneHimmel. Glaube inDeutschland seit 1945, Göt-
tingen2013,besondersKap.3.
22 Großbölting,Der verloreneHimmel, S. 271.
23 Vgl. Karl Vocelka,MultikonfessionellesÖsterreich: Religionen inGeschichte undGegen-
wart,Wien 2013. Er zeigt auf, wie sehrÖsterreich auch im Laufe der Geschichte bereits
geprägtwardurchunterschiedlicheReligionenundKonfessionen.
JohannPock452
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik