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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
sozialen Zwängen und eigentlicher Unterdrückung ausgeliefert werden.40Der
Staat darf nicht neutral bleiben, weil vormoderne, althergebrachte Privilegien
undDiskriminierungensonstnichtbeseitigtwerdenkönnen.SohabederStaat
auchinderprivatenSphärezuintervenieren,wennerdieGrundrechtewirklich
umsetzenwolle.41 In diesemZusammenhang ist hinsichtlich der tatsächlichen
DurchsetzungdesGleichstellungsauftragseineAnalysederRollederGerichte42
anzuregen.Auf dieReligionsfreiheit bezogenheißt das, dass indenReligions-
gemeinschaften die korporative Religionsfreiheit Grundrechtewie dieGleich-
stellungderGeschlechteraußerKraft setztoderdochstark reduziert.43
UmdieprivatenAngelegenheitendesEhepaaresnichtbeurteilenzumüssen,
hatderStaatüberJahrhundertebeiderThematikderVergewaltigunginderEhe
Zurückhaltunggeübt.DiesesVerhaltendesStaatesbedeutete faktischeinePar-
teinahmefürdenVergewaltiger inderEhe.InZukunftwerdenstaatlicheOrgane
auch bei Vergewaltigung und Diskriminierungen in den Religionsgemein-
schaftennichtmehrwegschauenkönnen.Die sexuellenÜbergriffe indenKir-
chen und Religionsgemeinschaften durch Religionsdiener, die klar auch eine
FormvonMachtmissbrauch sind, habendiesmit allerDeutlichkeit gezeigt. So
wirdz.B. bereits verstärktder völkerrechtlicheRechtsschutz, insbesonderedie
Kinderrechtskonventionvon1989derVereintenNationen,beiderBeaufsichti-
gung der religiösen oder weltanschaulichen Privatschulen durch staatliche
Stellenherangezogen.44
40 DieAbtreibungquaGeschlecht ist z.B. in Indienseit 1996ausdrücklichverbotenundwer-
dendenElterndarfdasGeschlechtoffiziellnichtmitgeteiltwerden,vgl.https://www.nzz.ch/
panorama/abtreibung-weiblicher-foeten-indien-hat-zu-wenig-maedchen-und-kuenftig-
zu-wenig-frauen-ld.131607 (letzter Zugriff: 01.04.2019). DieRechtsdurchsetzung funktio-
niert aber trotzdesvorhandenenGesetzesnicht.
41 Vgl. SusanMollerOkin, Justice,GenderandFamily,NewYork1989,S. 116f.
42 Vgl.UteSacksofsky,DieGleichberechtigungvonMannundFrau–besseraufgehobenbeim
Europäischen Gerichtshof oder beim Bundesverfassungsgericht, in: Charlotte Gaitanides
(Hg.), Europa und seine Verfassung. Festschrift fürManfred Zuleeg zum 70.Geburtstag,
Baden-Baden,2005,S. 323–340;vgl.auchKonradSahlfeld,AspektederReligionsfreiheit im
Lichte derRechtsprechungder EMRK-Organe, desUNO-Menschenrechtsausschusses und
nationalerGerichte,LuzernerBeiträgezurRechtswissenschaft 3,Zürich2004.
43 Es istmitkeinemWortgesagt, „dassetwaeinGleichstellungsgesetzund,vielwichtiger,die
verfassungsrechtlich geschützte Gleichstellung vonMann und Frau automatisch auf eine
öffentlich-rechtlichverfassteKirchekeineAnwendung finden sollte. EinegerichtlicheKlä-
rung dieser Frage erschienewünschenswert.“ [Sahlfeld, Aspekte, S. 187f.]. FelixHafner /
DeniseBuser, FrauenordinationviaGleichstellungsgesetz?DieAnwendbarkeit desGleich-
stellungsgesetzesaufdieDienstverhältnisseinderrömisch-katholischenKirche,in:Aktuelle
juristischePraxis10/1996,S. 1207–1214,hier: S. 1207.
44 Vgl.dazudie sehrumfangreichen irischenUntersuchungsberichte:CommissiontoInquire
intoChildAbuse,Report,Vols. I–V,GovernmentPublications,Dublin 2009 (Ryan); Com-
mission of Investigation, Report into the Catholic Archdiocese of Dublin, July 2009,
GovernmentPublications,Dublin2009(Murphy);CommissionofInvestigation,Reportinto
theCatholicDioceseofCloyne,GovernmentPublications,Dublin2010 (Cloyne); vgl. auch
FriedlichesZusammenleben ineinerpluralistischenGesellschaft 483
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik