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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Vagheit, dieses Fehlen einer präzisen normativenVision–welche die stärkste
Seite deshabermasianischenAnsatzes ist –wirdzueiner echten theoretischen
undpraktischenHerausforderung für die russische Interpretation der Postsä-
kularität. Sie erweist sich als zu schwachgegenüberVersuchen seitens kirchli-
cherAkteure, dieTheorie derPostsäkularität für bestimmte ideologischePro-
jekte zuvereinnahmen.
3. InstrumentalisierungderPostsäkularität inRussland
ImrussischenKontext sindvageAppelle andievermeintlich „religionsfreund-
liche“Verfasstheit imNamenderpostsäkularenGesellschaftzueinemwichtigen
Argument fürdieStärkungderBeziehungenzwischentraditionellenreligiösen
Organisationenundrussischenstaatlichen Institutionengeworden. JedeKritik
andieserAnnäherungwirdalsVersuch interpretiert, anveraltetenFormendes
Säkularismusfestzuhalten.Die„postsäkulareKritik“wirdauchalsArgumentim
RahmenvonDebattenüber die StellungderReligion im russischenBildungs-
system verwendet, zum Beispiel zur Legitimation für die Einführung von
Theologie anUniversitätenundReligionsunterricht an Schulen.WichtigeKir-
chenführerwieMetropolitHilarionhabensichaufdenBegriffderpostsäkularen
Gesellschaftbezogen,umdieAufnahmereligiöserThemenindieLehrpläneder
öffentlichen Schulen zu rechtfertigen. PatriarchKirill verweist auf die Postsä-
kularität imSinne einer „neuenpostsäkularenEpoche“, inder „der starreund
aggressive Säkularismus dominante Positionen im sozialen und kulturellen
Leben verliert“. Man könnte fast sagen, dass der Begriff der „postsäkularen
Gesellschaft“ Teil der offiziellen Rhetorik der RussischenOrthodoxen Kirche
geworden ist.
EsistkeinWunder,dassderBegriffPostsäkularitätindiesemZusammenhang
aufscharfeKritikstößt.EinigeGegnerkritisierendieTheoriederPostsäkularität
als ideologisches Instrument, das die sehr schwachen Fundamente des russi-
schen säkularen Staates erschüttert. In der Logik dieserKritik führt die post-
säkulareDekonstruktiondesSäkularismuszunichtsNeuem.Anstattmehrde-
mokratischeGleichheit oderneueLegitimität zubringen, führt sie zurZerstö-
rung wichtiger Errungenschaften der säkularen Moderne – Wissenschaft,
weltlicherStaat, „zivilisierte“Religion,Liberalismus.DiepostsäkulareTheorie,
sowarnen die Kritiker in Russland, ist nur eine Strategie zurNeuinstallation
einerautokratischenOrdnung.17
17 AntonN.Dannenberg(1^c_^5Q^^V^RVaT),Cd`Y[Y ’@_bcbV[d\pa^_T_’.þ_SVZiYVEY\_b_e-
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OrthodoxeTheologieundpolitischePhilosophie:Postsäkularität inRussland 501
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik