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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Anliegenverfolgten,demDiskursüberGerechtigkeitBodenhaftungzuverleihen
und ihn inVerbindungmit den sozioökonomischenGegebenheitenmoderner
Gesellschaftenzubringen.
3. SozialeGerechtigkeit:NormativeTheoriemitBodenhaftung
GustavSchmollerwiderspricht in seinemEssayzurGerechtigkeit inderpoliti-
schenÖkonomiederKonzeption,die imUnterschiedzwischenArmundReich
nur einNaturereignis sieht. Er argumentiert, dieseVerteilungwerde–obwohl
durchdieunsichtbareHanddesMarkts(„AngebotundNachfrage“)vermittelt–
letztlichnicht von„Naturphänomenen“bestimmt.DieVerteilungsmusterwer-
denvielmehr vondenvorherrschenden Institutionenbestimmt.Diese Institu-
tionen sind kein Produkt blinder Kräfte, sondern ein historisch kontingentes
Produkt ausmenschlichen Gefühlen undGedanken, ausmenschlichemHan-
deln,menschlichenGesetzenundSitten,wieSchmollerbetont.11LautSchmoller
liefertdieseErkenntnis eineBasis fürdieAntwortaufdie seinerMeinungnach
zentraleFrage imHinblickaufdieRollederGerechtigkeit12.
Schmoller geht es vor allemumFolgendes: (Soziale)Gerechtigkeit ist kon-
zeptionell relevant für die Diskussionmoderner Institutionen und sie ist der
normative Dreh- und Angelpunkt einer Sozialpolitik, die weder eine techno-
kratischeUmverteilungnocheinestatischeEinbettungderMärktebedeutet.Der
Fortschritt in Bezug auf die institutionelle Realisierung ethischer Normen ist
Schlüssel für den allgemeinen Fortschritt und Gedeihen. In den kulturellen
BereichenvonReligionundEthos (nicht inTechnologie undÖkonomie)wird
dasPotenzial derMenschheit in einemaufstrebendenStadiumzuerst sichtbar.
IdealerweisesindEthosunddamiteinhergehendeinstitutionelleArrangements
angesichtsder jeweiligenhistorischenPhaseaufderHöhederKulturaufgaben.
In der gegenwärtigen Zivilisationsphase regulieren öffentliche Institutionen
(insbesondereauchderStaat)dieKräfte, die inderMarktwirtschaft freigesetzt
werden.DieseInstitutionenregelnsomitdieEinkommensverteilung. Indiesem
SinneistdieMarktwirtschaftkeinenatürlicheOrdnung.Marktvergütungensind
nicht „natürlich“, da sie vonmenschlichen Artefakten (Institutionen) beein-
flusstwerden.SchmollersiehteinedialektischeDynamikinderEntwicklungder
Individualität, die sich zusammenmit einer immer gerechteren öffentlichen
Ordnung entwickelt. Fortschritt impliziert, dass soziale Interdependenzenmit
immerwenigerzwanghaftenundmachtbezogenenMittelnvermitteltwerden;es
11 GustavSchmoller,TheIdeaof Justice inPoliticalEconomy, in:TheAnnalsof theAmerican
AcademyofPolitical andSocialScience4/1894,S. 1–41,hier: S. 22.
12 Ebd., S. 3.
RichardSturn512
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik