Seite - 521 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Bild der Seite - 521 -
Text der Seite - 521 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
unterschiedlicher Weise religiös geprägten bzw. mit engen Religion-Poli-
tik-Verknüpfungen ausgestatteten politischenGemeinwesen. Zwar gab es hier
FormenderToleranz, aber eswar eineToleranz imSinne einerDuldung oder
einesopportunenGewährenlassensvonReligionen,dievomjeweils etablierten
Bekenntnis abwichen. Dementsprechend „säkularistisch“, alsomit einer aus-
drücklichenundnachdrücklichenSkepsis gegenüberderReligionausgestattet,
entwickeltesichdannderkontinentaleuropäischeLiberalismusinsbesonderein
Folgeder französischenRevolution.AusdurchausgutenGründen,nämlichum
das offenkundig unruhestiftende Potential der Religionen einzuhegen, wurde
nachundnachdiesäkularistischeoderlaizistischeTendenzderVerdrängungder
Religion aus derÖffentlichkeit entwickelt. Deshalbwar bzw. ist etwa im fran-
zösischen Laizismus die Angst vor und die Intoleranz gegenüber Religionen
besonders ausgeprägt, was etwa imVerbot des Niqab und inweitreichenden
Kopftuchverboten zum Ausdruck kommt. In den USA dagegen konnte sich
–ohnedenhistorischenBallast derReligionskriege europäischenAusmaßes –
eineTraditionder religiösenPluralität entwickeln.Diese ist einerseitsmit der
Separation von Religion und Politik verbunden, lässt andererseits aber weite
Spielräumefür religiöseOrientierungenundPraxis.DieFrage,umwelche reli-
giösenOrientierungenessichjeweilshandelt,tritt–jedenfallsgrundsätzlich–in
denHintergrund. „Die Idee, dass politischeGrundsätze nicht zugunsten einer
Religiondie anderenvernachlässigen, sonderngleichenRespekt für alle bezei-
gen sollten, funktionierte in den amerikanischen Kolonien viel besser und
letztlichauch inderneuenNation.“4Nussbaumleugnetnatürlichnicht,dasses
eineDiskriminierungvonKatholikenundanderenreligiösenDenominationen
in den USA gab und gibt; sie befürwortet aber das in den USA favorisierte
PrinzipdesgleichenRespektsgegenüberdenunterschiedlichenReligionenund
sieht in ihmauchdenSchlüssel fürdieLösungdesgegenwärtigenProblemsder
religiösen Intoleranz.Deshalb sieht sie inderBewältigungdiesesProblemsdie
USAaufeinembesserenWegalsEuropa–unddiesnochvorderZunahmeder
populistischenVerwerfungen in der europäischen Politik seit 2015, allerdings
auchvor demAntritt der Trump-Administration. „Heutewissenwir, wie gute
politischeGrundsätze aufdemFelddes religiösenRespektsundderGleichheit
aller Menschen aussehen. In den USA, aber viel uneinheitlicher in Europa,
werdendieseGrundsätze inGesetzundöffentlichemLebenbeachtet.Doch sie
bleibeninZeitenderAngstfragil.“5EsliegtaufderHand,dasssichdieSituation
inzwischenverschärfthat.DieAngriffevorallemgegendenIslamsindschärfer
geworden,UngleichbehandlungensindnichtnurinEuropaausgeweitetworden,
sondernkonntenauch indenUSAzumpolitischenProgrammwerden.
4 Nussbaum,Dieneuereligiöse Intoleranz,S. 196.
5 Nussbaum,LibertyofConscience,S. 197 (eig.Übers.).
ReligionspolitischeTransformation inÖsterreich? 521
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik