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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
vonHausausaufbereitsbegangeneHandlungenundderenFolgen,soimpliziert
er als ethischerBegriff auchdieNotwendigkeit künftigerRechenschaftspflicht.
DiemoralischeVerantwortungdesArztesoderderPflegekraft bestehtnicht
nurgegenüberVorgesetzten, sondernauchgegenüberdemPatientensowiege-
genüberdemeigenenGewissen; füreinenreligiösenMenschenauchgegenüber
Gott. ImberuflichenAlltag stellensichganzhandfesteFragen:
– Wemgegenüber fühle ichmich inmeinemBerufmoralischverantwortlich?
– Wieverhält sichmeineVerantwortung,die ich imrechtlichenSinnehabe, zu
meinermoralischenVerantwortung?
– IstmeinHandelnschonalleindadurchethischgerechtfertigt,dassichmichan
gesetzliche Vorschriften oder an die Anweisungen vonVorgesetzten halte?
– LassensichFälledenken, indenenRechtundMoral inKonflikt geraten?
– Gibt esGewissensentscheidungen, bei denen ausmoralischenGründengel-
tendes,bestehendesRechtmissachtetwerdendarfoder sogarmuss?
– Wo fühle ichmich immoralischen Sinne allein verantwortlich, womitver-
antwortlichundwonichtverantwortlich?
– WelcheTaktiken gibt es, der eigenenVerantwortung auszuweichenoder sie
aufandereabzuschieben?Wieweithabe ichdasselbst schongetan?
– InwelchenSituationenhabe ichmichalsOpferderartigerVersuchegefühlt?
Wie gehe ichmit solchenSituationenum?Mitwemkann ichdarüberoffen
sprechen?
Recht undMoral bzw. Ethik als Theorie der Moral können im Einzelfall in
Konfliktgeraten.MandenkenurandieVerabreichungvonPsychopharmakabei
trauerndenoderverängstigtenPatientenoderandiemedikamentöseSedierung/
Fixierung von „umtriebigen“ Demenzpatienten. DieWahrnehmung von Ver-
antwortung kann unter Umständen bedeuten, Verordnungen aus Gewissens-
gründen zu verweigern. Eine solche Handlungsweise setzt allerdings voraus,
dassdiePflegepersonihrVerhaltengründlichreflektierthatundauch fähig ist,
eine ethisch fundierte Begründung oder Rechtfertigung des eigenen Tuns zu
geben.
ImBegriffderVerantwortungstecktdieVokabel„Antwort“.Sieweistdarauf
hin, dassdieMoralfähigkeit desMenschenmit seinemPersonseingegeben ist.
Vor allem der dialogische Personalismus (Martin Buber, Franz Rosenzweig,
FerdinandEbner)hatdenUmstandzuBewusstsein gebracht, dass esPersona-
litätnurals intersubjektivesPhänomengibt.DieExistenzvonPersonenistalso
grundlegendansprachlicheKommunikationgebunden,ohnedochinihrvöllig
aufzugehen.ZumIchwirdderMenschnur,wennerals einDuangeredetwird.
PersonaleKommunikation aber impliziert denAnspruch aufAchtung dessen,
dermich als Du anspricht. Dieser Anspruch auf Achtung bzw. Anerkennung
kannimEinzelfallmissachtetoderzurückgewiesenwerden.Er istabermitdem
UlrichH.J.Körtner552
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik