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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655 Zu bedenken ist auch, dass Abhängigkeit und Freiheit keineswegs eine Al- ternative seinmüssen. Paradoxerweise kannnämlichdie LeugnungvonHilfs- bedürftigkeit zur Einschränkung der persönlichen Freiheit führen, ihreAner- kennungdagegenzueinemneuenFreiheitsgewinn.BeispielBewegungsfreiheit: DenRollatoroderRollstuhlabzulehnen,bedeutetfürBetroffenemöglicherweise eineEinschränkungihrerMobilität.Anzuerkennen,dassmankünftigaufeinen Rollstuhlangewiesenist,erhöhtdieMobilität.DieserFreiheitsgewinnistfreilich auchmit einerVerlusterfahrung und einemAbschiedsschmerz verbunden. Er setztvorauszuakzeptieren,dassbestimmteMaßnahmenderRehabilitation,die daraufzielen,dassdiePersonwiederselbständiggehenkann,erfolglosbleiben. ÄhnlicheBeispiele lassensichauchfürandereAktivitätendes täglichenLebens finden, z.B. bei Inkontinenz. Selbstverständlich geht es zunächst darum, eine bestehendeInkontinenzdurchgeeigneteMaßnahmenzubeseitigen.Soferndies aber nicht gelingt, kann die Verwendung von Inkontinenzmaterial oder eines Dauerkathetersdazubeitragen,dassdiebetroffenePersonwiedermobilerwird –z.B.sindlängereAusflügemöglich–undinderNachtbesserschlafenkannals zuvor. Dass dieAnerkennung vonAbhängigkeit oderHilfsbedürftigkeit einen Freiheitsgewinn ermöglicht, bedeutet selbstverständlich nicht, vorschnell alle Versucheabzubrechen,diezurDiskussionstehendeAbhängigkeitzubeseitigen oder zu verringern. Die ethische Aufgabe besteht vielmehr darin, in jedem konkreten Einzelfall auszuloten, wie lange der Einsatz gegen eine verstärkte Abhängigkeit imInteressederpflegebedürftigenPersonsinnvoll istodernicht. Die Situation vonHilfsbedürftigkeit undHilfeleistung hat stetsmitMacht- fragen zu tun. Sie treten auch in dermedizinischenVersorgung, Pflege, Psy- chotherapieundBetreuungvonMenschenmit erworbenenHirnschädigungen auf. Die Hilfsbedürftigkeit ist durch Schwäche und Abhängigkeit bis hin zur Ohnmacht charakterisiert. Zwischen Helfenden und Hilfsbedürftigen besteht eine asymmetrische Beziehung,über die z.B. auchdie Leitvorstellung der Pa- tientenautonomienichthinwegtäuschenkann.Eswäreverfehlt, dasPhänomen derMacht inMedizin, PsychotherapieundPflege, aber auch inderErgo-oder Physiotherapie, überhaupt leugnen oder ablehnen zuwollen.Wer heilen oder helfenwill,will schließlichzugunstenderPatientinoderdesPflegebedürftigen die Situation verändern und verbessern. Dazu bedarf es derMacht, Verände- rungen bewirken zu können, und der heilendenKräfte, die vonMedizin und Pflege ausgehen. Es lassen sich aber zwei Formen der Macht unterscheiden, nämlich einerseits einederMedizinoderderPflege innewohnendeMacht, die demPatienten oder der Patientin zurWiedererlangung von Selbstständigkeit verhelfenwill,undeineFormderMacht,dieZwangundAbhängigkeitzumZiel hat.8 8 Vgl.Körtner,Pflegeethik,S. 76ff, imAnschlussanPatriciaBennerundCarolGilligan. Verantwortungsethik inMedizinundPflege 555 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Titel
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Untertitel
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Autoren
Irene Klissenbauer
Franz Gassner
Petra Steinmair-Pösel
Herausgeber
Peter G. Kirchschläger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
Ort
Wien
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1165-5
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
722
Kategorie
Recht und Politik
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