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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
sellschaftliche Erfordernisse im Sinne einer Nachhaltigkeitsberichterstattung
immermehrindenVordergrund,dieErfolgnichtnurinökonomischenGrößen,
sondernauchanhandvonsozialenundökologischenAuswirkungendarstellen
soll.
Ich sehe diese Entwicklung als Gegentrend zur im wahrsten Sinne des
WortesgrenzenlosenGlobalisierungderWirtschaft,dieseitMittedesvorigen
JahrhundertseineZunahmeüberregionalerVerflechtungenundeineStärkung
international agierender Unternehmen zulasten nationalstaatlicher Wirt-
schafts- undSozialpolitikbedingt.5DurchdieseneuentstandenenMachtver-
hältnisse drängt rein gewinnorientiertes Handeln als einzig gültige Unter-
nehmensmaxime6 eineÖkonomie, die sich der Ressourcen- und Bedürfnis-
gerechtigkeit verpflichtet fühlt, immermehr indenHintergrund7. Die rasant
aufgehendeScherebeiderEinkommensverteilungunddiewachsendeArmut
einer großen Bevölkerungsmehrheit bei gleichzeitigemAnstieg des Vermö-
gens einer verschwindendenMinderheit8 verlangt nach neuenAnsätzen der
Wirtschaftswissenschaften zur gesellschaftlich optimalen Ressourcenalloka-
tion.Gewinn inphilosophisch-ethischemSinn sollte nicht inmonetäremEr-
tragminusAufwendungen, sondern als einMehr anmenschlicher Lebenser-
füllungberechnetwerden.9
Bereits Aristoteles erkennt die Untrennbarkeit von moralischem, wirt-
schaftlichem und politischem Handeln. Für ihn ist ein über die familiären
Notwendigkeiten hinausgehendes Streben nach Reichtum und Gewinnmaxi-
mierung ethisch nicht zu rechtfertigen.10 Seine Unterscheidung zwischen der
widernatürlichen Erwerbskunst der Chrematistik als Kunst des Gelderwerbs
und der natürlichen Erwerbskunst derÖkonomik als lebensdienliche Haus-
wirtschaft11prägtenbisinsMittelalterdieislamischeundchristlicheAuffassung
5 ArminvonBogdandy,GlobalizationandEurope:How toSquareDemocracy,Globalization
andInternationalLaw, in:EuropeanJournalofInternationalLaw15/2004,S. 885–906,hier:
S. 888;KatharinaJ.Srnka,Marketing.Ethik&Kultur,Wirtschafts-undUnternehmensethik
12,München2005,S. 1.
6 MiltonFriedman,CapitalismandFreedom, in:40thanniversaryeditionChicago,Chicago-
London2002,S. 133.
7 ElisabethGöbel,Unternehmensethik, 3.Aufl.,Trier2013,S. 181ff.
8 Michael F. Förster, EinkommensverteilungundArmut imOECD-Raum, in:Dimensionsof
Inequality intheEU(DimensionenderUngleichheit inderEU),WorkshopsProceedingsof
OeNBWorkshops16,ÖsterreichischeNationalbankEurosystem,2008.
9 WalterKerber, Sozialethik,GrundkursPhilosophie13, Stuttgart-Berlin1998, S. 117, S. 138.
10 Aristoteles, Nikomachische Ethik, Stuttgart 1997; Christian A. Conrad,Wirtschaftsethik:
EineVoraussetzungfürProduktivität,Wiesbaden2016,S. 17,AnnemariePieper,Einführung
indieEthik, 6.Aufl.,Basel 2007,S. 66ff.
11 KarlPolanyi,AristotleDiscovers theEconomy, in:GeorgeDalton(Hg.),Primitive,Archaic
andModernEconomies,EssaysofKarlPolanyi,NewYork1968.
TueGutesundBerichtedarüber 605
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik