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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
ständigeGruppefürdieurbaneAbfallproblematiknichtvollständig.Stattdessen
blieben sie abhängig vomVerkauf der verwertbarenMaterialien anZwischen-
händlerInnen.
MitHilfederbundesweitenOrganisationMNCRund inengagierterZusam-
menarbeitmit lokal tätigenNGOsundKommunalregierungenkonntensichdie
MaterialsammlerInnen aber auch in die Weiterbildung der Bevölkerung zur
Abfallthematik einbringen. Dafür organisieren sie ein internesAus- undWei-
terbildungsprogramm, das neben demBeitrag zur sozialen und ökologischen
Nachhaltigkeit auch auf politischeWeiterbildung der SammlerInnen setzt. Es
gelangüberdie Jahre, einerseits das SelbstvertrauenderBeteiligten zu stärken
und andererseits das gesellschaftliche Bild vonMaterialsammlerInnen zu ver-
ändern. Diese werden zunehmend nicht mehr als obdachlose Hilfsbedürftige
(oder gar „Störenfriede“) wahrgenommen, sondern ihreDienste für denUm-
weltschutzalspositiverBeitragzurGesellschaft registriert.
Soziale Innovationverband imFallderSammlerInnenvonrecyclingfähigem
Material die inhaltliche Dimension der Verbesserung der Lebensumstände
–seitensgesellschaftlichBenachteiligterundseitensderGesellschaft –mitder
Prozessdimension des Etablierens von Demokratie. Dadurch kam es zu Er-
mächtigung(Empowerment).DasBeispiel zeigtaberauchdieProzesshaftigkeit
sozialerInnovation,dadieVeränderungennichtvonheuteaufmorgen,sondern
über einen längeren Zeitraum vonstattengingen. Ursprünglich initiiert von
christlichenNGOs und später auch von staatlicher Seite begleitet und unter-
stützt, konnten die Betroffenen Strukturen gemeinschaftlicher Selbst-Organi-
sationetablieren.
5. Soziale InnovationundKatholischeSoziallehre
Soziale Innovation als komplementäreAntwort der Zivilgesellschaft auf drän-
gende soziale Probleme, die der (Sozial)Staat nicht oder nur ungenügend be-
antwortet, behält ihreAmbivalenzen. Trotzdemkönnen in einerquasi archäo-
logischen Vorgehensweise anhand des beschriebenen Projekts der Material-
sammlerInnen Linien sichtbar gemachtwerden, die denGrundprinzipien der
KatholischenSoziallehreentsprechen.Auffallendist,dassvielesozialinnovative
Projekte ihrenUrsprung in christlichenOrganisationenbzw. kirchlichenWir-
kungsfelder haben. Insofern die Katholische Soziallehre – in ihrer Korrek-
tiv-Funktion – immer Antworten auf die drängenden sozialen und gesell-
schaftspolitischen Fragen ihrer Zeit sucht, wird vielÜbersetzungsarbeit der
SoziallehreindieSozial-PraxisderKircheinengagierten(Pfarr)Gemeindenund
christlich inspiriertenOrganisationengeleistet. Besondersdie imvorgestellten
ProjektdeutlicheDimensiondesEmpowermentsollhervorgehobenwerden:aus
ZurErneuerungdesSozialstaats:Soziale InnovationundkatholischeSoziallehre 631
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik