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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
sichtbargeworden ist, auchalsKatalysatorenwirken fürpartizipativeProzesse
wirtschaftlicher,sozialerundpolitischerReformen.ZudemistmitderArbeitder
MaterialsammlerInnen eine ökologische Zielsetzung impliziert, die die Per-
spektiveaufnachhaltigenUmgangmitRessourcenwiederFragederSorgeum
dieorganischeMitwelt eröffnetund indenpolitischenDiskurs einbringt.
6. Schlussfolgerungen
DieKatholischeSoziallehreistgutmitsozialerInnovationvereinbarbzw.werden
dadurchdie sozialethischenGrundwertepotenziell gefördert.Dievorangehen-
den Ausführungen würdigen das hohe Potential sozialer Innovationen zur
qualitativenVerbesserungdes SozialstaatesundzurStärkungdes sozialenZu-
sammenhalts innerhalb einer Gesellschaft. Dieses kann v.a. gehoben und
wirksamwerden bei einer entsprechenden institutionellen Absicherung, Ein-
bettung und Förderung von Projekten sozialer Innovation seitens staatlicher
Sozialpolitik imSinnedesbeschriebenen„bottom-linked“-Ansatzes.
Wenn das Konzept sozialer Innovation dagegen als Argument für die Ent-
lassung der öffentlichenHand aus ihrer sozialpolitischen Agenda verstanden
wird,drohenzahlreicheGefahren,daspositivePotential sozialer Innovationim
SinnederKatholischen Soziallehre zuneutralisierenoder gar insGegenteil zu
verkehren:AlsBeispielseidiemiteinerPrivatisierungsozialerDienstleistungen
imSinnedes sozialenUnternehmertumseinhergehendeGefahrdesAbsenkens
von Leistungsstandards unter ökonomischemKonkurrenz- bzw. Kostendruck
genannt. Wenn unter sozialer Innovation die Auslagerung sozialstaatlicher
Leistungen auf soziale Dienstleistungsunternehmen verstandenwird und dies
zur Zurückdrängung des sozialen NPO-Sektors führt, verliert das in der Ka-
tholischenSoziallehre anGewicht gewinnendePrinzipderGeschenkhaftigkeit
und Unentgeltlichkeit sozialer und wirtschaftlicher Leistungen38 zugunsten
einerwachsendenÖkonomisierungmenschlicherundgesellschaftlicher Inter-
aktion. Schließlich darf die (auch symbolische)Rolle des Sozialstaats als poli-
tisch „organisierte und institutionalisierte Solidarität“39 für den gesellschaftli-
chenZusammenhalt nicht unterschätzt werden.Wenn soziale Innovation ein-
fachalsChancezumRückbaudes traditionellenSozialstaats(miss-)verstanden
wird, drohtdieGefahr einesweiterenZerfalls der großengesamtgesellschaftli-
chen Solidarität in viele, einander u.U. sogar konkurrierende oder gar be-
38 Vgl.BenediktXVI.,Caritas inveritate,Art. 38.
39 Katholische SozialakademieÖsterreichs (ksoe), Solidarisch ausgestalten. Zur Aktualisie-
rungdesSozialstaats,ksoeDossier06/2015,vgl.https://www.ksoe.at/dl/uLtsJmoJKMMJqx4
KJKJKJKkomLm/Dossier_2015_06.pdf (letzterZugriff 21.06.2019).
ZurErneuerungdesSozialstaats:Soziale InnovationundkatholischeSoziallehre 633
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik