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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
vorwerfenlassenmuss,mitderGeldanlagenicht-nachhaltigeoderunmoralische
Wirtschaftsweisen zu unterstützen. Indemman öffentlich erklärt, dass man
derartige Aktivitäten nicht finanzierenwill, trägtman dazu bei, das Problem
bewusster zumachenund eineöffentlicheDebatte darüber zu führen,warum
einebestimmtewirtschaftlicheAktivitätgenerellunterlassenwerdensollte.Und
wenn Unternehmen die Finanzierung entzogen wird, können sie ungleich
schwerer ihr Geschäftsmodell aufrechterhalten. Es ist allerdings zu berück-
sichtigen,dassinderPraxiseinkompletterBoykottnicht-nachhaltigagierender
Unternehmen nur schwer durchzusetzen ist. Kritiker wenden ein, dass Aus-
schlusskriterien nur der Gewissensberuhigung dienen und sich amVerhalten
der Unternehmen nichts ändert, weil den Unternehmen in der Regel ja kein
Kapital entzogenwird, sonderndieUnternehmensanteile aneinenanderen In-
vestor weiterverkauft werden.Wer nicht in Rüstungsunternehmen investiert,
verhindert damit in derRegel nochnicht, dassweniger geächteteWaffenpro-
duziertund inUmlaufgebrachtwerden.Erstwenneseinenweitgehendenoder
zumindest von einer kritischenMasse der Investorenmitgetragenen Boykott
gibt, kann das Auswirkungen auf die Finanzierungskosten vonUnternehmen
haben. Auch wenn Ausschlusskriterien nicht immer eine direkte (Fi-
nanz-)Wirkung entfalten können, sollteman die indirekteWirkung vonAus-
schlusskriteriennichtunterschätzen:wenigerNachfrageführtfürgewöhnlichzu
sinkenden Aktienkursen und ein öffentlich kommunizierter Ausschluss kann
demImagevonUnternehmenSchadenzufügen.Ausschlusskriteriensindauch
ein Statement gegen soziale und ökologischeMissstände und tragen damit zu
jenemKulturwandelbei, denes fürnachhaltigeWirtschaftsweisenbraucht.
Viele Investierende setzen auf Positivkriterien. Dabei steht nicht die Ver-
meidungvon, sonderndieUnterstützung fürbestimmteUnternehmenimVor-
dergrund. Abgezielt wird dabei auf jene Unternehmen, die einen besonderen
Beitrag für einenachhaltigeEntwicklung leisten.MitdemBest inClass-Ansatz
könnendabeiauchnochjeneUnternehmenbevorzugtwerden,die imVergleich
zuihrenMitbewerbernausNachhaltigkeitssichtdieNasevornhaben.Damitsoll
einWettbewerb fürmehrNachhaltigkeit unterdenUnternehmen initiiertwer-
den. Der Vorteil von Positivkriterien liegt auf der Hand: die Finanzströme
werden in Richtung nachhaltiger Wirtschaftsweisen gelenkt. Der Best in
Class-Ansatz kann für UnternehmenAnreize liefern, ihreNachhaltigkeitsper-
formance stetig zuverbessern–zumaldas auchzueinembesseren Imagebei-
tragenkann.Viele Investoren stellt derBest inClass-Ansatz aber vordasPro-
blem,dasssiezwar indiebestenUnternehmeneinerBrancheinvestieren,nicht
alle Branchen aber per se als nachhaltig bezeichnet werden können. Um zu
vermeiden,dassmanindie„nachhaltigsten“Rüstungskonzerneinvestiert,wird
derBest inClass-Ansatz inderPraxismitAusschlusskriterienkombiniert.
KlausGabriel644
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik