Seite - 669 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Bild der Seite - 669 -
Text der Seite - 669 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
lichste Entwürfe für alternative Systeme einer Post-Wachstums-Ökonomie
knüpfen.Wohlnochnie,seitwirdasZeitalterderIdeologienhinterunsgelassen
haben,wardieSuchenachdemganzanderenEntwurf„richtigen“Wirtschaftens
soausgeprägtwieheute.
1. DieverlorengegangeneZentralperspektive
Über einen längerenZeitraumhinweg herrschte nach der so genannten „Ost-
öffnung“ eine deutlich optimistischere Sicht auf kommende globale Entwick-
lungen.DasEndedes SystemdualismusvonMarkt- undPlanwirtschaft schien
tatsächlich ein von Francis Fukuyama postuliertes „Ende der Geschichte“ im
SinneeinerweltgeschichtlichenEntscheidung fürdiedauerhafteÜberlegenheit
desMarktmodellsunddiemitihmverbundenendemokratisch-zivilisatorischen
Standardseinzuläuten.4
Drei Jahrzehnte später zeigen sichwesentlichnüchternere, höchst fragmen-
tierte Bilder einesGeschehens, das sich – einer BeobachtungPeter Sloterdijks
folgend – nicht mehr in eine globale Zentralperspektive fügenwill.5Anstelle
eineskonvergierendenWeltbildesnehmenwirgewissermaßeneinWimmelbild
der Welt wahr, das sich aus höchst unterschiedlichen Szenen und Entwick-
lungsstufen zusammenfügt, die nochdazu einer disruptivenVeränderungsdy-
namikunterliegen.
So verlockend es war, dieWelt-Ökonomie nach demZusammenbruch der
kommunistischen Planwirtschaften über einen einzigen System-Leisten zu
schlagen, sowenig entspricht dieseWunschvorstellung der heutigen Realität.
– In Europa stehen beeindruckenden Wachstumserfolgen und dem Wohl-
standszuwachs invielendermittlerweile der EUbeigetretenen StaatenMittel-
undOsteuropasdeutlicheDefizite indererhofften sozialenKonvergenzgegen-
über. Die Binnenglobalisierung als zentrale Folge derWirtschafts- undWäh-
rungsunion zeitigt auch nachteilige Folgen auf den Arbeitsmärkten für den
traditionellenMittelstand.
–IndennachwievorunterrussischemEinflussstehendenNachfolgestaatender
ehemaligenSowjetunionzeigensichmassiveFolgeproblemeeinerungeordneten
Systemkonversion.Oligarchische Strukturen,mangelndeDurchsetzbarkeit in-
dividueller Rechte, demokratiepolitische Defizite undmediale Monopole mit
begrenzterMeinungsfreiheitbehindernvielfachdieEntwicklunghinzubreite-
4 FrancisFukuyama,TheEndofHistoryandthe lastMan,London1992.
5 PeterSloterdijk imGesprächmitMartinWalser, in:Cicero11/2013,S. 126f.
Wirtschaftsordnung–Wertschöpfung–Schöpfungsverantwortung 669
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Titel
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Untertitel
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Autoren
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Herausgeber
- Peter G. Kirchschläger
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Ort
- Wien
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Recht und Politik