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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 144 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis Ein heute in Salzburg nicht mehr nachweisbarer DruckMaurizioCazzatis (1616–1678),Motetti a ot- to voci (Bologna 1669)68, wurde von Johann Jakob Rott zu einem großen Teil in Stimmenhandschrif- ten kopiert69, die dabei entstandenen Stimmensätze von ihm größtenteils zu einem späteren Zeitpunkt durch je einenweiteren Stimmensatz erweitert. Ob derGrund dafür eineÄnderung in denBesetzungsge- pflogenheitendesDomchoreswaroderdieMaterialien verliehen oder verlegt gewesen sein könnten, ist heute nichtmehr zu rekonstruieren.70Die vonRott kopier- tenMotetten im alten Stil sind unter anderem für die Hochfeste Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfings- ten,Weihnachten und das Fest der hl. drei Könige geschrieben,wurden also anFesta Pallii verwendet. SchonErnstHintermaier71 undThomasHochrad- ner72 haben aufgrund vonGebrauchsspuren undEin- tragungen vonRestaurierungen in denChorbüchern vermutet, dass das alteRepertoire nicht nur aus den Stimmenabschriften, sondern auch aus denChorbü- chern selbstweiterhin gepflegtwurde73: DieseVermu- tung lässt sich nun anhand derNotizen einesMitglie- des desDomchores (→ S. 17), die zwischen 1822 und 1836 angelegt wurden, aber auch spätere Hinweise enthalten, erstmals belegen.74 „AmFrohnleichnamstage selbstwirdnach demAmtdasSanctissimumvomTabernackl auf demAltar gesetzt, incensirt, dann into- nirt derErzbischof denHymnusPange lin- qua, und der Chor singt den Hymnus aus demHymnenbuch pro danda benedictione 68Giorgi, Paolo (Hrsg.):Maurizio Cazzati (1616–1678).Mu- sicoGuastallese: Nuovi Studi e ProspettiveMetodologiche, Guastalla: Assoc. Culturale Giuseppe Serassi, Ist. Per la RicercaMusicologica 2009, (Studi e ricerche per la storia dellamusica aGuastalla, 1), S. 167. 69AES,A-Sd,A220a,A220b,A220c,A220d,A221a,A221b, A 221c, 221d, A 1427, A 1428, A 1517, A 1520; CH-E, 430,1; 429,13; 429,9; 430,2; 429,10; 436,10; 429,13; 429,12; 430,5; 429,14; 430,4. ZurÜberlieferung SalzburgerQuellen inEinsiedeln vgl.Neumayr/Laubhold: „DieQuellen der SalzburgerDommusik“. 70Beide Stimmensätze, oft gemischt, sind jedoch in derRegel imDommusikarchiv bzw. imMusikalienarchiv derBenedik- tinerabteiMariaEinsiedeln vorhanden. 71Hintermaier:Katalog (1992), S. 16. 72Hochradner: „ZwischenHöhepunkten“, S. 243. 73Diese Praxis ist für das 18. Jahrhundert beispielsweise auch inWien belegt (Riedel, FriedrichWilhelm:Kirchen- musik amHofe Karls VI. (1711–1740). Untersuchungen zumVerhältnis von Zeremoniell und musikalischem Stil imBarockzeitalter,Münchenu. Salzburg:Katzbichler 1977, S. 73). 74Vgl. auch ab S. 17. contrapunct ganz aus; nach diesembeginnt erst dieProcession.DerChorregent hat also zu sorgen, daß der Organist und Kalkant bis nach diesemSegen dableiben, und noch die Prozession zum letzten Segen in Dom ebenfalls wieder gegenwärtig seyn. Wenn die Procession inDomwieder zu- rückkommt, und derDomchor in derMitte derKirche unter derKuppel geht, singt er aus demPangeLinguaBüchel die Strophe TantumergoSacramentumetc.währenddie- semkommtderErzbischof zumHochaltar, und incensirt das Sanctissimum, undwenn deroChormit demTantumergo fertig ist, ist derVers u.Oratio de Sacramento, dann der Seegen [!], wobey derErzbischof dasGe- nitoriGenitoque intonirt, und derChor aus demHymnenbuch denHymnus pro danda benedictione contrapunct aussingt,mit dem Amen.“75 DiesePassage zeigt dieVerwendung einesChorbu- ches noch im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts: Während es sich bei dem erwähnten „PangeLingua Büchel“ um Stimmenabschriften gehandelt haben dürfte, die jedes Mitglied des Domchores bei Pro- zessionen zurHand hatte – in einemExemplar des CatalogusMusicalis76 sind „40Pange LinguaBüchl“ erwähnt –, dürfte bei demangesprochenen „Hymnen- buch“ einChorbuch gemeint sein,mit großerWahr- scheinlichkeit dasChorbuchW.b.XVII.77, das 1649 entstand, Hymnen Tomás Luis de Victorias in Be- arbeitungenAbrahamMegerles beinhaltet und 1802 restauriertwurde. Für einige derWerke aus diesem Hymnenbuch gibt es in der Sammlung Stimmenab- schriften, derHymnus zumFronleichnamstag findet sich jedochnichtdarunter.FolglichweistdieTatsache, dass Stimmenabschriften existieren, zwar darauf hin, dass dasRepertoire derChorbücher im 18. und auch im 19. Jahrhundert nachwie vor gepflegtwurde, um- gekehrt ist aber dasFehlenvonAbschriftennochkein Beweis dafür, dass dasRepertoire eines bestimmten Chorbuches obsolet gewordenwäre. 75Notizen, S. 57–58. 76Catalogus „Gatti“, S. 176. 77Zu diesem Chorbuch vgl. Hintermaier: Katalog (1992), S. 18–21. 144
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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