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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 152 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis wird,weil sich ihrDiminutivdazu eignet, das kleinere Modell zu benennen.“108 Die SalzburgerVioletta erweist sich allerdings auf- grund der für entsprechende Stimmen imDommusik- archiv vorgeschriebenen Schlüsselungen gerade nicht als ein sichzuAltoderTenorkonvergentverhaltendes Mittelstimmeninstrument, sondern nimmt jeweils die demCantus analoge(n)Oberstimme(n) imStreicher- chor ein (ungeachtet, dass in einigen Fällen ein zu- sätzlichesViolinenpaarbesetzt ist).DienachSchmids Modell derVioletta (als „kleinerBratsche“) zukom- mendeRollewirdvon Instrumentenübernommen,die mit entsprechender Schlüsselung alsViolen angespro- chen sind.109 DieterminologischeAbgrenzunggegenüberdenVio- linen und denViolen legt eine nachwie vor bestehen- de instrumentenbauliche Unterscheidung nahe, die jedoch nicht derDifferenzierung derAlt/Tenor-Lage diente, sondernaufein instrumentalesÄquivalentzum Cantus zielte, für das dieViolinen nicht inBetracht gezogenwurden, obwohl sie zurVerfügung standen. Eine solcheAnnahme stündegut imEinklangmit der vonKurtBirsak beschriebenenGruppe von „Armvio- len“110 für dieMittellage, in der sich in Stimmlage, Spielhaltung und Bauweise Elemente von Viola da gambaundViola da braccio begegnen unddie in den Viole d’amore in Salzburg einen charakteristischen Seitenzweigausgeprägthat.Dieverschiedenen inSalz- burg nachgewiesenen, zurViersaitigkeit umgebauten Viole d’amore könntenAusdruck einer solchen anzu- nehmenden SalzburgerVioletta-Tradition und deren Fortführung im 18. Jahrhundert sein: Instrumente in Bratschenstimmungmit relativhohenZargen, flachen Böden und sehr variabel hinsichtlich derKorpusum- risse. Währendangesichts derüberauskleinenQuellenba- sis allenAnnahmenüber dieGestalt (odermögliche Gestalten) der für dieAusführung vonmit „Violetta“ 108Schmid: „Zur Genese des vierstimmigen Streichersatzes“, S. 370. 109EineAusnahmebildet nur das schon erwähnteOffertorium „Quoprogrederis“AndreasHofers (A1239),woalle amCol- la parte-Satz beteiligten Streichinstrumente als „Violetta“ bezeichnet sind. 110Birsak,Kurt: „Gambe–Cello –Kontrabass“, in:KarlEh- renfellner (Schriftleitung):Gambe –Cello –Kontrabass undKatalog der Zupf- und Streichinstrumente imCarolino Augusteum. Jahresschrift [des SalzburgerMuseumsCaroli- noAugusteum] 42 (1996), Salzburg:CarolinoAugusteum 1996, S. 5–71, hier: S. 51–57. bezeichneten Stimmen verwendeten Instrumente ein spekulativer Zug bleibt, scheint die Funktion derVio- letta alsOberstimme eines kompakten, häufig colla partemit denVokalstimmen geführtenBegleitsatzes mit größerer Sicherheit angenommenwerden zu kön- nen.Die frühenQuellen deuten ausnahmslos in diese Richtung.Das gilt auch für denBegleitsatz einer an- onymenLitanei (A 1229), die aus der Zeit nach 1735 überliefert ist.HiererscheintdieVioletta letztmalig in derbeschriebenenForm,allerdingsnichtmehralsTeil einesViolenchores.Vielmehrwird inderKomposition durch drei identische Stimmenmit derBezeichnung „Violetta“ eine nicht genau zu bestimmendeZahl an unisono geführten Streichinstrumenten verlangt, die den dreistimmigenPosaunenchor zur vierstimmigen Colla parte-Begleitung komplettieren. Die Violetta springt hier gleichsam für die nichtmehr gebräuchli- chenCornetti desBlechbläserchores, wie er noch bei Heinrich IgnazFranzBiber gebräuchlichwar, ein. So ungewöhnlich diese Besetzungskombination ist, be- tont sie die Funktion derVioletta als instrumentales Pendant zumCantus. Der ‚unvollständige‘Colla par- te-Satz desTrios ausAlt-, Tenor- undBassposaune war zu dieser Zeit am Salzburger Dom bereits eta- bliert. *** ImHinblick auf dieVerwendung einesViolensatzes ohneViolettaeunddessenAbgrenzunggegenüberden Violinstimmen sindmehrere SalzburgerAbschriften vonWerken Johann Caspar Kerlls aufschlussreich. Bei drei111 von fünfmit Streicherchor besetztenWer- kenwird einViolinenpaar unabhängig vomVokalsatz geführt, während ein meist 3-stimmiger Violensatz in den Chorabschnitten colla partemit dem Chor geht. Bei zwei anderenWerken112 ist das Violinen- paar in dieColla parte-Funktion mit eingebunden, bei einem dieser beiden, dem Offertorium „Justus ut palma“ (A-Sd, A 209), gehen die Streicher ganz konsequentmit denVokalstimmen, dementsprechend weist die Stimmenbezeichnung „Violini ripieni“ aus und die Stimmen unterscheiden sich von typischen ViolinstimmenderSammlungdadurch,dass sie imSo- pranschlüssel notiert sind. Es handelt sich strukturell umeinen geschlossenenViolen-Chor, nur ebenhier in 111A-Sd,A 210,A 211,A 1410. 112A-Sd,A 209,A 212. 152
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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