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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 162 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis gerRochusEgedachers ernanntwurde, bekannt, dass imDom auch ein Regal Verwendung fand. Schmid war beauftragt, „alle Orgeln, Positiv undRegal, so Viel sich deren in unserer Domkirche befinden, ie- derzeit wohlgestimmet zu erhalten“164.ManfredHer- mannSchmid schloss aus diesemDienstvertrag und einerNotiz P.BedaHübners, dass dasRegal in der Fastenzeit anstatt desPositivs zumEinsatz kam.165 „Überdies“, soHübner, „istdieKirchengewohnheit imAdventund in der Fasten (siletOrganum) ... zu verste- hen, daman anstatt der freüdenvollen, und lieblichen Figuralmusik den bloßen choral gesangmit einemRegal Instrument,undBa- ßen veranstaltet.Dieses kann in einer präch- tigenKathedral-,Dom-,Metropolitan-, oder Stift-Kirche, aber nicht auf demLande ge- schehen.“166 Schmids Deutung dieser Passage suggeriert eine Musikpraxis, die für die Fastenzeit nicht nur eine Reduktion des musikalischen Aufwandes („bloße[r] choral gesang“anstatt der sonst üblichen „Figuralmu- sik“) vorsähe, sondern denAnlass zusätzlich in der Klanglichkeit desBegleitinstrumentes spiegelte – so wieMonteverdi in seinemOrfeo dieUnterwelt durch dieVerwendung vonBlechbläsern undRegal charak- terisierte.Freilich setzt dieseDarstellungvoraus, dass Hübner tatsächlich in konziserDiktion um eineDiffe- renzierung zwischenPositiv undRegal bemüht gewe- senwäre, was nicht als selbstverständlich angenom- menwerdenkann.Fuetschs Instrumenteninventar aus demJahr1822verzeichnet„1.Regal, beweglich,und bey der Fron=leichnachmsProcession zumTragen bestimt“ (→ S. 182) und gibt damit den entschei- dendenHinweis auf denGrund für dieVerwendung des Instruments, der schlicht in seinerBeweglichkeit undmithin in seiner Eignung für dieBegleitung von Prozessionen lag.Dass 1824 zweiKalkanten „für das Tragen des Positives [!] bey den 4. Frohnleichnams Prozessionen“167 bezahltwurden, veranschaulicht die 164Walterskirchen:Orgeln undOrgelbau in Salzburg, S. 109. 165Schmid/Eder: „L.Mozart – W.A.Mozart – M.Haydn“, S. 261. 166PfarrarchivAbtenau, BedaHübner: Protocollumparochiale Abbatisaugiense, Vol. I, 12. Februar 1788, zit. nach ebd., S. 329,Anm. 10. 167AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd 263 (28/2), RechnungsAusweis. Ueber die sammentlichen im nichtspezialisierten Sprachgebrauchwenig gefes- tigteTerminologie.Wenn daher in der Fastenzeit im DomeinRegal zumEinsatzkam,dannamehestenals transportablerOrgelersatz für dieMusik amHeiligen Grab, kaumaber aus klangästhetischenGründen bei derBegleitung der täglichenChoralgottesdienste. Konnte die Liturgie imAltarraum imBedarfsfall mit bis zu fünfOrgeln bestrittenwerden, so befand sich ab dem frühen 18. Jahrhundert auf der Wes- tempore über demHauptportal desDombaus, „allwo bisher keineOrgel gestanden“168, eineweitereOrgel, derenmächtige Größe einigermaßen erstaunlich ist in Relation zu ihrer scheinbar marginalen Verwen- dung: „Ihre Funktion bestand lediglich darin, bei den Gottesdiensten, die der Erzbischof undLandesfürst selbst zelebrierte, zu seinemEinzug undAuszug zu spielen.“169 Bei der Fertigstellung imJahr 1703 zunächst nur mit 24 Registern ausgestattet170, wurde dasWerk bereits nach zwei Jahren einer bedeutendenErweite- rung um18Register unterzogen, bei der sich der den Umbau ausführende JohannChristophEgedacher – SohndesHoforgelmachers – an derCasparini-Orgel der Konzilskirche S. Maria Maggiore in Trient ori- entierte. Diese besaß eine Reihe „räre Register von verschiedenen ZungenWerkhen“, wie sie bis dahin imSalzburgerDomnicht verwendetwurden und zu deren StudiumEgedacher eigens nachTrient reiste, wofür ihmvomHof eine„Beyhülff“gewährtwurde.171 Der 1705 fertiggestellte Zubau enthielt an neuenRe- gistern: „Schalmeÿ oder Hobona [sic!], flauten, Fla- schalett, Sordunen,Rankhett,HarpfenRegister von MössingRohrwerckh, Scarpen vonMössing Zungen werckh, eine Pusaune, und Cornet, Biffara, dieses Register gar annemblich zu hörren, zu disen einFa- gott, wie auch das Rauschwerckh, so zum völligen anschlag [Plenospiel] achtfach auf ain Zugg khan ge- richtet werden, id est achtfache stimb ain Clavier Ausgaben auf dieKirchenMusik bey demDomkirchenfond in Salzburg vomJahre 1824. 168Vertrag mit Hoforgelmacher Christoph Egedacher vom 2. August 1702 über denBau einer großenOrgel, SLA,Hof- kammerHofbauamt, 1702/03Lit. E., zit. nachWalters- kirchen: „ZurGeschichte der großenOrgel“, S. 10. 169Metzger:DieOrgeln imDom zu Salzburg, S. 9. 170Disposition inWalterskirchen: „ZurGeschichteder großen Orgel“, S. 11. 171Walterskirchen:Orgeln undOrgelbau in Salzburg, S. 85f. 162
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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