Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Seite - 164 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 164 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Bild der Seite - 164 -

Bild der Seite - 164 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Text der Seite - 164 -

5 Aspekte derAufführungspraxis Deplatziertheit der großenEgedacher-Orgel imSalz- burgerDomeinscharfesSchlaglichtaufdie eigentliche Zweckbestimmung dieses außergewöhnlichenWerkes: Offenbar spielten für denBau und denBetrieb der Orgel in erheblichemMaßeVorstellungen eineRolle, die heutemit demKonzept des „festlichenLärms“185 schlüssig zu beschreiben sind. DamitkommtdergroßenOrgel, die „beyeinergros- senMusik nur zumPräludiren gebraucht“wird,wohl eine ähnlicheBedeutung zu, wie sie „auf den beyden andern Seitenorgeln [...] die 2. Chöre Trompeten und Paukken“ hatten.186 Sie war wie die Emporen für jenemit großembaulichenAufwand in das archi- tektonische Innenraumensemble integriert, blieb aber von der musikalischen Gestaltung des eigentlichen liturgischenVorgangs – „bey derMusik selbst“187 – ausgeschlossen.Vielmehr vollzog der Fürsterzbischof unter ihrem„markdurchschneidenden“ Spielmit dem ÜbertrittausdemprofanenAußender irdischenStadt in den geweihtenRaumderKathedrale einen transi- torischenAkt, bei demder Landesfürst „vonGottes Gnaden“alskirchlicherWürdenträger seine„amtscha- rismatische“188Aura aktualisierte.DiesenAugenblick –welcher derGemeindenichtweniger als eineVorstel- lung vomersehntenEinzug ins himmlische Jerusalem gewährte – unnachahmlich sinnlich in Szene zu set- zen,war offenbar der Zweck, der denAufwand einer fast nie gespielten „Festorgel“189 rechtfertigte. Un- ter dieser Sichtweisemag einNebenregisterwie das im erstenUmbauvon JohannChristophEgedacher eingefügte „Voglgesang“, kaumaber die zugleich da- mit installierten „Höerpauckhen“ als bloße „barocke Spielerei“190 erscheinen. In ihrer Gesamtheit waren die Barockorgeln im SalzburgerDomeinEnsemble, dessenAufwandkaum durch eigentlichmusikalischeKriterien (in einemmo- dernen Kunstverständnis) gerechtfertigt war. Viel- mehr nahmendie beidenmusikalischenHauptinstru- KompositionenBachs undHändels zwar das falscheMaß, traf in der Sache aber denKern. 185Zak, Sabine:Musik als ‚Ehr und Zier‘ immittelalterlichen Reich. Studien zurMusik im höfischen Leben, Recht und Zeremoniell, Neuss: Päffgen 1979, bes. S. 7–21. 186[L.Mozart]: „Nachricht von demgegenwärtigen Zustande“, S. 195. 187Ebd. 188ZumKonzeptdesAmtscharismavgl.Freitag: „Symbolische Kommunikation undAmtscharisma“. 189Metzger:DieOrgeln imDom zu Salzburg, S. 9. 190Walterskirchen: „ZurGeschichte der großenOrgel“, S. 12. mente–dieHoforgelunddasPositiv imPresbyterium – imGesamtbestand derDomorgeln im 18. Jahrhun- dert einen nur bescheidenenRaumein: Sie enthielten nachderZahlderverfügbarenRegisterhochgerechnet kaum1/5 der imDomverbautenPfeifen.Der große Rest (auchwennder angedeuteteVersuch einer bra- chialarithmetischenQuantifizierung nicht allzu ernst zu nehmen ist) muss als quasi ‚außermusikalischer‘ Überhang demBereich repräsentativer Inszenierung zugerechnetwerden. 5.4.3 Holzblasinstrumente Flöten Die Flöte ist eines der am seltensten eingesetzten Instrumente imBestandDommusikarchiv, wo sie nur ingut40Materialienaufscheint.EineanonymeSonate (A 856) für zwei Flöten, Fagott undBasso continuo könnte das ältesteManuskript der Sammlung sein, in demdas Instrument verlangtwird. Es dürfte dem Schreiberbefund nach zu schließen zwischen ca. 1700 und 1725 entstanden sein. Ab den 1730er-Jahren (konkret ab 1731) gibt es mehrereBeispiele, wobei auffällt, dass es sich in der Mehrheit der Fälle umLitaneien handelt und bis et- wa zur Jahrhundertmitte stets nur eine Flöte besetzt ist.191 Das (wenn auch seltene) Erscheinen des In- struments in derKirchenmusik dieser Zeit dürftemit derAnstellung des aus Lüttich stammenden Johann FranzBiarelle alsAnteCamera-Kammerdiener und „Zwerchflautenist“ amSalzburgerHof zusammenhän- gen. SeinAnstellungsdekret ist nicht bekannt, doch bezeichneteer sichbei seinerHochzeitam16.Oktober 1731 bereits als „SalzburgischerKammerdiener und Hofmusiker“.Von 1732 bis 1743 (inwelchemJahr er am29.Oktober verstarb) ist er in denHofkalendern als Flötist geführt.192 Er sollte für das gesamte 18. Jahrhundert der einzigeMusiker in dieser Position bleiben; erst unterKurfürst Ferdinandwurdenwie- der zwei Flötisten für kurze Zeit amSalzburgerHof beschäftigt.193 191K.H. Biber: A 158, A 160 (beides Litaneien) sowie das Schuldrama Constantia Clodoaldi coronata A 1266; M.S. Biechteler: Litanei A-Sd, A 42; J.E. Eberlin: A-Sd, A 404, A 405 (beides Litaneien) sowie das Offertorium „RegesTharsis“A 295. 192Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 17f. 193Vgl. dieBesetzungsübersicht. Ebd., S. 540–545. 164
zurück zum  Buch Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult"
Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musik am Dom zu Salzburg