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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 165 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium Gleichwohl wurden auch nachBiarelles Tod gele- gentlich noch Flöten gefordert, diese wurden aber offenbar von anderenMusikern, die die Flöte nicht als Hauptinstrument spielten, geblasen. Daher wer- den nun auchFlötenpaare besetzt, etwa vonEberlin in einer erst nach 1756 entstandenenMesse (A-Sd, A 265) oder von Adlgasser in einer weiteren Lita- nei (A-Sd,A 7). In beidenWerken sindFlöten und Oboen abschnittsweisewechselnd in denselben Stim- men gefordert, Flötenwurden also nachweislich von denOboisten geblasen,wie dies auch vonweltlichen Werken dieser Zeit in Salzburg bekannt ist.Gleiches gilt auch für eineMesse vonFischietti (A-Sd,A1131) undMozartsRegina coeli KV 127 (A-Sd, A 1512). Der seltene, in je einerMessevonJohannBaptistLas- ser (A-Sd,A 1207) undGeorg JosephVogler (A-Sd, A 1297) auftretendeFall, dass separate Stimmen für Flöten undOboen vorhanden sind, scheint dagegen für eineDatierung derMaterialien in dieRegierungs- zeit Ferdinands zu sprechen.Dass dieMusiker für die seltenenEinsätze der Flöten in derDommusik ihre kammertönigen Instrumente benutzten,war so selbst- verständlich, dass in einigenFällendie zurAnpassung andieChortonstimmungnotwendigeTransposition der Stimmen in der Stimmenbezeichnung nicht expli- zit ausgewiesenwurde. Alle übrigen heute in der Sammlung befindlichen Flötenstimmen fanden außerhalb derKathedrallitur- gieVerwendungund/oderwurdenerst im19.Jahrhun- dert in denBestand desDommusikarchivs integriert. EinKuriosum ist eine von Luigi Gatti fürMozarts Requiem (A-Sd,A 1349) angefertigte Stimme, in der das nach demErstdruck demFagott zugewiesenePo- saunensolo des „Tubamirum“ für Flöte transkribiert ist.194 Oboen Die älteste imDommusikarchiv überlieferteKomposi- tion, die den „Hautbois“ verlangt, ist Heinrich Ignaz Franz Bibers Requiem in A (A 181), das um 1700 entstanden ist. Das originaleTitelblatt nennt „2Pif- fari ad libitum“, die entsprechenden Stimmen sind mit„Hautbois“überschriebenund imSopranschlüssel untransponiert imUmfangvon cis’–a”notiert.Weite- 194Neumayr/Laubhold: „Quellen zur Rezeption des Requi- ems“, S. 204. re früheBeispiele sind eine anonymeSonate (A 793) sowie eine Litanei vonBiechteler (A 54, „2Hautbois exA#“195), die vermutlichnoch imerstenViertel des 18. Jahrhunderts entstanden. Bis zurMitte des Jahrhunderts bleibt dieVerwen- dung vonOboen aber eine seltene Ausnahme: Von insgesamt 150 imDommusikarchiv überliefertenWer- kenmitOboen entstanden lediglich acht nachweislich vor 1750. Unter denWerkenEberlins befinden sich lediglich sechs, in denenOboen besetzt sind, wobei in einemFall (A 361) dieOboenstimmen in späterer Ergänzung vorliegen. Bis 1780 sind in der Sammlung etwa 30 bis 40MaterialienmitOboenstimmen hin- zugekommen. Ein sprunghafterAnstieg ist aber erst unter dem letzten Hofkapellmeister Luigi Gatti zu verzeichnen; von ihm stammen allein 49Werke in der Sammlung, die das Instrument verlangen, weitere 33 komponierte JohannMichael Haydn. Die deutliche Zunahme, die die Verwendung des Instruments im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts erfuhr, dürfte mitFürsterzbischofHieronymusColloredosReformen in Zusammenhang stehen, imZuge dererOboen und Hörner offenbar alsmusikalischeRepräsentanten des „solennen“ Festrangs neben den bis dahin in dieser Funktion exklusiv gestelltenTrompeten undPauken eine erhöhteBedeutung gewannen.196 Oboenstimmen sind für dieDommusik üblicherwei- se umeinenTonhöher als klingend notiert undmit „Oboe trasp[osto]“ bezeichnet, was seinenUrsprung inderChortonstimmungderDomorgelnhabendürfte und jedenfalls eines der Indizien darstellt, anhand derer sichMusikalien derDomliturgie zuordnen las- sen. Eine solcheAnnahme impliziert, dass dieObois- ten kammertönige Instrumente verwendeten, die um einenTon tiefer als die chortönigenDomorgeln klan- gen und daher transponierende Stimmenbenötigten. 195DiehierverlangteStimmung„exA#“ ist imBestanddasein- zigeBeispiel einerOboenstimmung, die nicht imEinklang mitdenbekanntenStimmungskonventionenfürOboensteht. Denkbarwäre dieVerwendung einerDeutschenSchalmei in gmit demtiefstenTona, wie sie in der Instrumentensamm- lung des SalzburgMuseums in drei Exemplaren aus dem frühen 18. Jahrhundert überliefert ist. Vgl.Birsak,Kurt: Die Holzblasinstrumente im Salzburger Museum Caroli- noAugusteum.Verzeichnis und entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen. Jahresschrift [des SalzburgerMuseumCa- rolinoAugusteum]18(1972),Salzburg:CarolinoAugusteum 1973, S. 33f. sowie dieAusführungen S. 94–102. 196Vgl. dazu die Bemerkungen zurVerwendung vonHörnern (→S. 175ff.) sowieTrompeten (→S. 172) in derDomlitur- giemit entsprechendenNachweisen. 165
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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