Seite - 166 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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5 Aspekte derAufführungspraxis
NachderzeitigemKenntnisstand ist dieserUmstand
am plausibelsten daduch zu erklären, dass für die
Oboisten, die erst spät im 18. Jahrhundert mit ei-
niger Regelmäßigkeit in der Dommusikmitwirkten,
keine eigens für denKirchendienst vorgesehenen In-
strumente vorhandenwaren, sodassman sichmit der
Transposition der Stimmenbehalf.
Sonderformen derOboe sind imBestand nahezu
nicht anzutreffen. In zwei Materialien aus der ers-
ten Jahrhunderthälfte sind „obue basse“ (A 785)
bzw. „Oboe dolce“ (A 403) verlangt. In beidenFäl-
len sind die Stimmen eineQuart höher als klingend
notiert, vorgesehen sind hier also inBezug zumOr-
gelton Instrumente inG, was bei der amDom für
OboenüblichenTranspositionspraxisderkammertöni-
genStimmung inF undmithin jener derTenoroboen
entspricht, die in der Konstruktionmit Schallbirne
und gebogenemoder abgewinkeltemRohrverlauf als
„Oboe da caccia“ und später unter derBezeichnung
„Englischhorn“ im 18. Jahrhundert charakteristische
Sonderformen ausbildeten. Deren durch Rohrlänge
undSchallbirnemitbestimmterKlangcharaktermacht
die gewählten Stimmenbezeichnungen plausibel.197
Als reguläres Instrument derDommusik hat sich
dasEnglischhornoffenbarauchspäternichtetablieren
können.Lediglichzweiursprünglichnicht fürSalzburg
komponierteWerke JosephHaydns, seineGroßeOr-
gelsolomesse (Hob.XXII:4,A1159) sowie sein„Stabat
matermater“ (Hob.XXbis, A 1176), verlangenEng-
lischhörner. In ersteremWerkwurden die Englisch-
hornstimmennachträglichvonFuetschdurch transpo-
nierendeOboenstimmen ersetzt, das zweite liegt nur
in nicht-salzburgischen (Wiener?) Stimmen vor und
fand imUntersuchungszeitraumoffenbar nie Eingang
ins SalzburgerDommusikrepertoire.
Klarinetten
Klarinetten wurden in der Kathedralliturgie im
18. Jahrhundert nicht verwendet. Siewaren auch bei
der Hofmusik nicht regulär in Gebrauch. Erst un-
ter Kurfürst Ferdinand III. wurden zwischen 1805
und 1807 zweiKlarinettisten beiHof angestellt, die
197Sowohl Tenoroboen in gerader Bauweise aus dem frühen
18. Jahrhundert als auch gekrümmte Englischhörnermit
Herstellungsdaten von derMitte des 18. bis zurMitte des
19. Jahrhunderts haben sich in der Instrumentensammlung
des SalzburgMuseums erhalten.Vgl.Birsak:DieHolzblas-
instrumente, S. 35–37. aber offenbar für dieMusik imDomnie herangezo-
genwurden.Dass in einem Instrumenteninventar des
Hofs, das zum Jahreswechsel 1804/1805 anlässlich
derVerwaltungsübergabe an das kurfürstliche „Gar-
derobamt“ angelegtwurde, zweiKlarinetten und fünf
Bassethörner aufscheinen198, zeigt, dassKlarinetten-
instrumente bis dahin amHof zumindest gelegentlich
gebrauchtwordenwaren. In einemkaiserlichenSchrei-
ben vom 21. Juni 1807 sind unter den für Festtage
heranzuziehendenMusikern zwar auch „2Klarinetis-
ten“genannt199, imNovember 1807 lehnte aberGatti
dieAnstellung vonKlarinettisten bei derDommusik
als unpraktikabel ab.200
Unter insgesamt 46Materialien der Sammlung, die
Klarinetten verlangen, sind lediglich sechs, die sich
der Dommusik zweifelsfrei zuweisen lassen, weil sie
denBesitzvermerk derDomkustodie tragen.Drei der
Materialienwurden vonLeopoldDeisböck geschrie-
ben201 und entstanden daher kaumvor den 1830er-
Jahren, die drei übrigen stammen von Schreiber 144,
sinddatiert undentstanden1838202 bzw. 1840203.Ob
manche der anderenManuskripte gelegentlich in der
DommusikVerwendung gefunden haben, ist kaumzu
entscheiden. Bei drei opulent besetztenWerken des
Domorganisten JosephHöß aus den 1820er-Jahren204
ist man geneigt, solches anzunehmen, doch gibt ei-
nes der dreimit demTitelzusatz „Anno 1824. / den
1ten August: / producirt. / in der Universitaets /
Kirche“205 einen konkretenHinweis auf eineAuffüh-
rung außerhalb desDoms.Gerade diesesWerk fällt
durch dieVerwendung hoherKlarinetten (inD und
F) auf, wie sie bei denThurnern spätestens ab den
1770er-Jahren in Gebrauch waren.206 Es ist daher
nicht auszuschließen, dass auch die anderen beiden
Werke für besondereAnlässe in anderenKirchen der
198Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 549.
199AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd
262:Künftiger Personal- undBesoldungsstand derMusi-
ker, undDiener für die Salzburger Domkirche, Abschrift
Laxenburg, 21. Juni 1807.
200Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 539.
201A1180,A 1790,A 1798.
202A1186,A 1680.
203A-Sd,A 1691.
204A-Sd,A 1161,A 1162,A 1187.
205A1161.
206DieRechnungsbücher des SalzburgerHofs verzeichnen am3.
Februar 1773dieAnschaffungvon„2.dus [gemeint:dis also
es] Klarinet“ für den Stadtthurnermeister SebastianVogt.
Zit. nachMorgenstern: „LeopoldMozartundHieronymus
Colloredo“, S. 253.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur