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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 167 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium Stadt bestimmt gewesen sind. Sicher ist hingegen, dass ältereMusikalien der Stadtpfarrmusikanten spä- ter indie SammlungdesDommusikverein undMozar- teums integriertwurden207, derenVorhandensein in der SammlungDommusikarchivmithin nicht für die ursprünglicheVerwendung in derDomliturgie spricht. Beinahe ein Viertel der in der Sammlung vorhan- denen Materialien mit Klarinetten wurde von den StadtpfarrchorregentenFranz dePaula Joseph bzw. JohannBaptistWeindl geschrieben; ein Teil davon entstammt nachweislich demBestandDommusikver- ein undMozarteum, ist also erst nach der ursprüngli- chenVerwendung in die hier bearbeitete Sammlung gekommen.208 DieTradition desNichtgebrauchs vonKlarinetten amDomscheintdagegennochbis ins spätere19.Jahr- hundertweitergewirkt zuhaben.DieStimmenbezeich- nungenderKlarinettenstimmen,die(alsErsatz fürdie originalen Bassetthornstimmen) Teil des kurz nach 1800 entstandenen Materials zu Mozarts Requiem (A1349) sind, wurden von spätererHand auf „Oboe“ korrigiert, inwelcherWeisedasMaterialoffenbarnoch bis spät ins 19. Jahrhundert benutztwurde.Die erste Stimme trägtweiters denBleistifteintrag „Jelinek“, der sich auf den imDommusikverein undMozarteum u.a. alsOboist undOboenlehrer tätigenFranzXaver Jelinekbezieht. Zudemträgt die StimmedieEinträge „Jos Eringer Oboist / Salzburg den 4 Mai 1883. / für ErzherzoginAntonet.209“ sowie „Josef Ehringer / 15Nov. 1890 / fürHerrnFiala“, womit die Praxis, Klarinettenstimmen durchOboen zu substituieren, bis ins späte 19. Jahrhundert zu beobachten ist. Ähnliches ist anhand zweier „Ave Maria“- VertonungenMaxKellers (A-Sd, A 1790) zu beob- achten:DieWerke verlangen imOriginal zweiKlari- netten, noch nach 1830wurde jedoch zusätzlich eine Orgelstimme eigens für den Fall ausgesetzt, „wenn keine Clarinetten gespielt werden“. Allerdings gibt es in der Sammlung auch den umgekehrten Fall in einemMaterial zurKleinenOrgelsolomesse Joseph HaydnsHob.XXII:7 (A-Sd,A1158): Eine undatierte 207So enthält das Inventar desDommusikverein undMozar- teums 66NummernmitMusikalien anderer Kirchen, die „von derWittw:Weindl angekauftworden sind“.Vgl.Re- pertorium, S. 56–65, Zitat: S. 56. 208A601,A 1650,A 1654,A 1767. 209ErzherzoginMariaAntonia (1858–1883), Tochter vonGroß- herzog Ferdinand IV. vonToskana undAnnaMaria von Sachsen;ÄbtissindesTheresianischenDamenstiftes inPrag. Stimme aus dem19. Jahrhundert enthält eineÜber- tragung desOrgelsolos fürKlarinette. EinenHinweis auf Veränderungen bei den jeweils verwendeten In- strumenten findet man in den Klarinettenstimmen einer anonymenLitanei (A1650), die offenbarbei den Stadtpfarrmusikanten imGebrauchwar: Siewurden aufVorder- undRückseite jeweils für unterschiedliche Instrumente notiert, die frühereNiederschrift, datiert mit „1830 / 31Xbr[is]“, verlangtKlarinetten „in a, cornett[on]“,die spätere,datiertmit„Die24oJan[uar] | 833.“, schreibtKlarinetten „inC francois“ vor. So sind denn allemAnschein nachKlarinettenstim- men in der Sammlung als (oft redundanter)Hinweis anzusehen, dass die betreffendenMusikalien bismin- destens ins ersteDrittel des 19. Jahrhunderts in der Domliturgie keineVerwendung fanden. Fagott Das Fagott gehört in der Aufführungspraxis der al- tenDommusik zu den regelmäßig in derBassgruppe besetzten undmit einer eigenen Stimme ausgestatte- ten Instrumenten.Offenbar verfügte dieDommusik auchwährend des gesamtenUntersuchungszeitraums über entsprechende Instrumente in der amDomüb- lichen Stimmung, da die regulären Fagottstimmen in der Sammlung stets untransponiert vorliegen.Un- transponiert sind die Stimmen auch dann, wenn zwei obligate Fagotte verlangt210 sind oder zu dem auf dem Solistenchor platzierten Fagott ein Fagott für denRipien-Chor hinzutritt211, sodass –wie es durch das Instrumenteninventar von 1822 belegt ist – auch für das 18. Jahrhundert davon auszugehen ist, dass mindestens zwei Fagotte in Chortonstimmung ver- fügbarwaren, die imRegelfall wohl zurAusführung einer Stimme verwendetwurden. DassdasSpiel zweierMusiker aus einerStimmeüb- lichwar,belegtKarlHeinrichBibersSonataPaschalis à 7 (A784) aus demJahr 1729.Auf demoriginalen Umschlagtitelwerden „3.Fagotti necessarij“ verlangt, im vollständig212 überlieferten Stimmensatz befinden sich aber nur zwei (untransponierte) Fagottstimmen. DieVorschrift, diesemit drei Fagotten zu besetzen, 210Erstmalig in einer Sonate vonKarlHeinrichBiber (A 799) um1740. 211Regelmäßig ebenfalls beiKarlHeinrichBiber, gelegentlich auch bei Biechteler, Lolli undGatti. 212AllederaufdemTitelgenannten„Partes16“sindvorhanden, darunter zwei identischeFagottstimmen. 167
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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