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5.4 Instrumentarium
bezeugt ist.217Dass darüber hinaus in der Sammlung
des Salzburg Museums ein Großbasspommer über-
liefert ist218, für denKurtBirsak als ursprünglichen
Einsatzort die SalzburgerDommusik deshalb vermu-
tet, weil Differenzen imLängenvergleichmit einem
ähnlichenExemplar imBerlinerMusikinstrumenten-
museumsich als Indizien für eine „Einstimmungnach
einemhöherenChorton“219 deuten lassen, kann zwar
angesichts der nicht lückenlos geklärtenProvenienz
des Instruments nicht als Nachweis gelten, stellt aber
zumindest hypothetisch einen plausiblen Zusammen-
hang her.
5.4.4 Metallblasinstrumente
Cornetto/Zink
Stimmen fürCornetti (dt. Zinken) fehlen im erhalte-
nenBestand fast vollständig. Sie erscheinen in ledig-
lich fünfMaterialien; darunter befindet sich das ver-
mutlich originaleTitelblatt zuHeinrich IgnazFranz
BibersMissa Alleluia (ChaB 1, A 1268), die No-
ten selbst sind heute aber verschollen. Erhalten sind
Cornettostimmen zu dreiOffertorien JohannCaspar
Kerlls220,wobeidasschonerwähnte„Justusutpalma“
(A-Sd, A 209) Cornetti ripieni in C-1-Schlüsselung
verlangt.
Kerlls Offertorium „Stetit Angelus“ (A 1448)221
verlangt in zwei Stimmen „Violino [...] o Cornetto
conc:“.DiesebeidenStimmenenthaltendieanspruchs-
vollsten Partien für Zinken, die sich imDommusik-
archiv erhalten haben; sie sind zwar in keinerWeise
virtuos,mit diversenOktavsprüngen und vor allem
einemTonumfang vonmehr als zwei Oktaven und
demmehrfach gefordertenHochton e3 (resp. c3 in der
zweitenStimme) verlangen sie aber dennochversierte
Spieler. Übrigens gehen beide Stimmennie unter d1,
könnten also aufCornettini ausgeführtworden sein,
was dieBewältigung der hohenLage erleichtert hätte.
Auch bei Karl Heinrich Biber erscheinen Zinken
noch zweimal, in dem bereits erwähntenTe Deum
217MGG2, Sachteil, Bd. 2, Sp. 1357.
218Sign.12/8,vgl.Birsak:DieHolzblasinstrumente, S. 34 sowie
S. 102–104.
219Ebd., S. 104 sowie S. 138,Anm. 106.
220A-Sd,A 209,A 210,A 1448.
221Übrigenswar dasWerk imnoch unaufgearbeitetenTeil des
Dommusikarchivs zeitweilig verstellt und gilt daher in der
MGG2, Personenteil, Bd. 3, Sp. 36 als „verschollen“; es
wurde von unswieder aufgefunden und katalogisiert. (A-Sd, A 133) sowie in einemRegina coeli (A 165).
BeideWerke schrieb Biber, wie es die Umschlagti-
tel ausweisen, als Vizekapellmeister, also zwischen
1714 und 1743. BeideWerke verlangen den Zink in
C-1-Schlüsselung imVerbundmit demPosaunenchor,
beim Te Deum in freier Anlehnung an den Vokal-
chor, beimRegina coeli in konsequenterColla parte-
Führung, in beiden Fällen übrigens völlig identisch
mit den Stimmen des Streicherchores. DasRegina
coeli ist zudem insofern interessant, als dieCornetto-
stimme zusätzlich alsDirektionsstimme ausgewiesen
ist.Die diesemUmstand unmittelbar entspringende
Frage, ob es also in der fraglichen Zeit einen Zin-
kenisten gegeben habe, der zugleich auch leitende
Funktionenübernahm, kannbei nähererBetrachtung
zugunsten einer plausibleren Interpretation fallen ge-
lassenwerden, denn augenscheinlich handelt es sich
bei derAufschrift „Per laBatutta“umeinen späteren
Zusatz222, der die thesenhafte Interpretation zulie-
ße, dass sich imvorliegendenMaterial einÜbergang
manifestiert vom (zumindest noch potenziell) eigen-
ständigen und vollständigen Bläserchor zur bloßen
Chorverstärkung des Posaunentrios, wie es für den
Rest des 18. Jahrhunderts (und darüber hinaus) ver-
bindlichbleibensollte: IndemAugenblick,als sichdas
Posaunentrio alsColla parte-Gruppe etablierte, war
dieZinkenstimme ‚überflüssig‘, unddasiediegleichen
NotenwiedieSopranstimmeundabschnittsweiseTex-
tincipits enthält,mag sie zurDirektion dieses nicht
besonders komplex strukturierten Stückes tauglich
gewesen sein.
Trompeten undPauken
DieVerwendung vonTrompeten (undPauken) indi-
ziert in derDomliturgie des 18. Jahrhunderts grund-
sätzlich den erhöhtenFestrang derFesta Pallii, die
nach demPallium, einemmeist ringförmigen, vom
Metropoliten alsAmtszeichen getragenen Stoffband,
benannt sind und also jene Ämter bezeichnen, die
vomFürsterzbischof selbst zelebriertwerden.Dabei
verbinden sich in der Person des Fürsterzbischofs die
Würde des kirchlichenAmtesmit demgleichzeitigen
222DieTintenfarbe korrespondiert sehr gut zu jener desVorsat-
zes, der Strich ist aber kräftiger, die eingeschlosseneFläche
im „a“ ist beinahe oder ganz mit dem Schreibmittel ge-
füllt und das „t“ in „Batutta“ entsprang eindeutig einem
anderenBewegungsablauf als jenes in „Corneta“.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur