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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 169 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium bezeugt ist.217Dass darüber hinaus in der Sammlung des Salzburg Museums ein Großbasspommer über- liefert ist218, für denKurtBirsak als ursprünglichen Einsatzort die SalzburgerDommusik deshalb vermu- tet, weil Differenzen imLängenvergleichmit einem ähnlichenExemplar imBerlinerMusikinstrumenten- museumsich als Indizien für eine „Einstimmungnach einemhöherenChorton“219 deuten lassen, kann zwar angesichts der nicht lückenlos geklärtenProvenienz des Instruments nicht als Nachweis gelten, stellt aber zumindest hypothetisch einen plausiblen Zusammen- hang her. 5.4.4 Metallblasinstrumente Cornetto/Zink Stimmen fürCornetti (dt. Zinken) fehlen im erhalte- nenBestand fast vollständig. Sie erscheinen in ledig- lich fünfMaterialien; darunter befindet sich das ver- mutlich originaleTitelblatt zuHeinrich IgnazFranz BibersMissa Alleluia (ChaB 1, A 1268), die No- ten selbst sind heute aber verschollen. Erhalten sind Cornettostimmen zu dreiOffertorien JohannCaspar Kerlls220,wobeidasschonerwähnte„Justusutpalma“ (A-Sd, A 209) Cornetti ripieni in C-1-Schlüsselung verlangt. Kerlls Offertorium „Stetit Angelus“ (A 1448)221 verlangt in zwei Stimmen „Violino [...] o Cornetto conc:“.DiesebeidenStimmenenthaltendieanspruchs- vollsten Partien für Zinken, die sich imDommusik- archiv erhalten haben; sie sind zwar in keinerWeise virtuos,mit diversenOktavsprüngen und vor allem einemTonumfang vonmehr als zwei Oktaven und demmehrfach gefordertenHochton e3 (resp. c3 in der zweitenStimme) verlangen sie aber dennochversierte Spieler. Übrigens gehen beide Stimmennie unter d1, könnten also aufCornettini ausgeführtworden sein, was dieBewältigung der hohenLage erleichtert hätte. Auch bei Karl Heinrich Biber erscheinen Zinken noch zweimal, in dem bereits erwähntenTe Deum 217MGG2, Sachteil, Bd. 2, Sp. 1357. 218Sign.12/8,vgl.Birsak:DieHolzblasinstrumente, S. 34 sowie S. 102–104. 219Ebd., S. 104 sowie S. 138,Anm. 106. 220A-Sd,A 209,A 210,A 1448. 221Übrigenswar dasWerk imnoch unaufgearbeitetenTeil des Dommusikarchivs zeitweilig verstellt und gilt daher in der MGG2, Personenteil, Bd. 3, Sp. 36 als „verschollen“; es wurde von unswieder aufgefunden und katalogisiert. (A-Sd, A 133) sowie in einemRegina coeli (A 165). BeideWerke schrieb Biber, wie es die Umschlagti- tel ausweisen, als Vizekapellmeister, also zwischen 1714 und 1743. BeideWerke verlangen den Zink in C-1-Schlüsselung imVerbundmit demPosaunenchor, beim Te Deum in freier Anlehnung an den Vokal- chor, beimRegina coeli in konsequenterColla parte- Führung, in beiden Fällen übrigens völlig identisch mit den Stimmen des Streicherchores. DasRegina coeli ist zudem insofern interessant, als dieCornetto- stimme zusätzlich alsDirektionsstimme ausgewiesen ist.Die diesemUmstand unmittelbar entspringende Frage, ob es also in der fraglichen Zeit einen Zin- kenisten gegeben habe, der zugleich auch leitende Funktionenübernahm, kannbei nähererBetrachtung zugunsten einer plausibleren Interpretation fallen ge- lassenwerden, denn augenscheinlich handelt es sich bei derAufschrift „Per laBatutta“umeinen späteren Zusatz222, der die thesenhafte Interpretation zulie- ße, dass sich imvorliegendenMaterial einÜbergang manifestiert vom (zumindest noch potenziell) eigen- ständigen und vollständigen Bläserchor zur bloßen Chorverstärkung des Posaunentrios, wie es für den Rest des 18. Jahrhunderts (und darüber hinaus) ver- bindlichbleibensollte: IndemAugenblick,als sichdas Posaunentrio alsColla parte-Gruppe etablierte, war dieZinkenstimme ‚überflüssig‘, unddasiediegleichen NotenwiedieSopranstimmeundabschnittsweiseTex- tincipits enthält,mag sie zurDirektion dieses nicht besonders komplex strukturierten Stückes tauglich gewesen sein. Trompeten undPauken DieVerwendung vonTrompeten (undPauken) indi- ziert in derDomliturgie des 18. Jahrhunderts grund- sätzlich den erhöhtenFestrang derFesta Pallii, die nach demPallium, einemmeist ringförmigen, vom Metropoliten alsAmtszeichen getragenen Stoffband, benannt sind und also jene Ämter bezeichnen, die vomFürsterzbischof selbst zelebriertwerden.Dabei verbinden sich in der Person des Fürsterzbischofs die Würde des kirchlichenAmtesmit demgleichzeitigen 222DieTintenfarbe korrespondiert sehr gut zu jener desVorsat- zes, der Strich ist aber kräftiger, die eingeschlosseneFläche im „a“ ist beinahe oder ganz mit dem Schreibmittel ge- füllt und das „t“ in „Batutta“ entsprang eindeutig einem anderenBewegungsablauf als jenes in „Corneta“. 169
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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