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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 173 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5.4 Instrumentarium nemTeil derKomposition die Stimmenbezeichnung „Clarino“, in einemanderen dagegen die Bezeichnung „Tromba“ auf. Auch finden sich in der Sammlung vielfachMaterialien, deren Stimmenmit „Tromba“ bezeichnet sind, für die hingegenauf demUmschlagti- tel oder in denBestandskatalogen „Clarini“ gefordert sind. Neben solchennur äußerlich-terminologischenUnsi- cherheitenkommtesaber auchzuechtenNeuerungen. Trompetenstimmungen inDundBkamenbis dahin in derDommusik sehr vereinzelt vor. Auch die Stim- mung inA ist nur je einmal beiHeinrich IgnazFranz (A-Sd,A181)undKarlHeinrichBiber (A-Sd,A1529) dokumentiert; imFall des älterenKomponisten sind die Instrumente auf demoriginalenUmschlagtitel als „TrombeBasse“ bezeichnet. Aber generell nimmt die Verwendung vonTrompeten in andererGrundstim- mungalsC erstmitGattiundJohannMichaelHaydn deutlich zu. Vor allembeiGatti begegnet nun auch regelmäßig dasVerfahren, dieTrompeten in Stimmungen abwei- chend von derGrundtonart zu verwenden, wodurch – häufig inKombinationmit anders gestimmtenHör- nern – der Tonraum der Blechbläser systematisch erweitert, deren Verwendung gegenüber der bis da- hin gepflogenen Praxis quasi stärker ‚musikalisiert‘ wird. Johann Ernst Eberlin hatte vor der Jahrhun- dertmitte in einem Fall Clarini in D in einem Of- fertorium in A-Dur verwendet; bezeichnenderweise sind dieClarinstimmen verlorengegangen.Adlgasser verwendete in einer vermutlich 1776 komponierten244 Litanei (CatAd 3.52,A-Sd,A 7)B-Trompeten inF- Dur und ist damit anscheinend der Erste, der am SalzburgerDomTrompeten in dieser Tonart einsetzt. C-Trompeten inG-DurundF-dursowieB-Trompeten in F-Dur kommen ab dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts gelegentlich in der Dommusik vor. F- Trompeten scheinen nieVerwendung gefunden zu ha- ben, dagegen gibt es in der Sammlung aber zwei Beispiele fürTrompeten inG (A-Sd,A 608,A 1507), die jedoch nicht der Kathedralliturgie zuzuordnen sind. Der instrumentaltechnisch näherliegende, aber aus physiologischenGründen nur beschränkt ausbaufähi- 244de Catanzaro/Rainer: Adlgasser. Thematic Catalogue, S. 55. ge virtuoseWeg derTonraumausweitung ‚nach oben‘ wurde in der Kirchenmusik nicht in gleichemMa- ße bis an die Grenzen des Möglichen verfolgt, wie dies durch die erhaltenenKonzertsätze LeopoldMo- zarts (LMV IX:13) und vor allem JohannMichael Haydns (MH 60 und 104) belegt ist. Doch finden sich auch hier bis in die 1760er-Jahre gelegentlich überaus anspruchsvolle Clarin-Soli – etwa in Johann MichaelHaydns JosephsmesseMH16 (A-Sd,A 439) –, häufiger allerdings in der ersten Jahrhunderthälfte. Vor allem dieGattung der solennenKirchensonate, die in der Sammlung durch 17Werke vor allemvon Karl Heinrich Biber undGiuseppe Lolli, aber auch durch einzelneBeispiele vonGottfriedFinger (A-Sd, A818),Amand Ivanschiz [?] (A-Sd,A849) sowie zwei anonymüberlieferteManuskripte vertreten ist, bot Gelegenheit zu konzertierendemEinsatz vonTrompe- ten, teils unter großerPrachtentfaltungmit großem Trompeterchor, teils auch im intimenZusammenspiel einer einzelnen Solo-Trompetemit den begleitenden Streichern und bisweilen unterVoraussetzung atem- beraubender technischer Fähigkeiten. Die bei Bibers Sonaten gelegentlich anzutreffen- den Stimmenbezeichnungen von vierTrombe-Partien plus Clarino (A 784, A 797, A 798) stellt hinsicht- lich der Lagenaufteilung und Schlüsselung eigentlich eine Kombination des konventionellen, aus Clarini undTrombe gebildeten vierstimmigenTrompetencho- resmit einemweiteren konzertierendenClarino dar; letzteres gehört also nicht eigentlich zumTrompeter- chor, sondern hat –wie dies in einemderMaterialien explizit vorgeschrieben ist – seinen Platz „in Cho- ro diViolini“ (A 798).Die gleicheKombination des Trompeterchoresmit zusätzlichem solistischenClari- no findet sich etwa zur gleichen Zeit auch in einem Regina coeli von JohannErnst Eberlin (A 421).Vir- tuoseDreiklangsbrechungen undSequenzfiguren bis e3 (A 797, A 783) sowie Trillerketten bis d3 (z.B. A 790,A 798) sind inBibers Sonatenwiederholt an- zutreffendeMerkmale der SalzburgerClarinblaskunst im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts. In noch- mals übersteigerter Formbegegnen sie als von zwei Clarinen zu absolvierendeDoppeltrillerkette g2/e2– a2/c2–h2/d2–c3/e2 (A 783) oder in der zu dieser Zeit in der Salzburger Kirchenmusik unüblichen Trom- petenstimmung inD (A 789), in der daswiederholt 173
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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