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5.4 Instrumentarium
nemTeil derKomposition die Stimmenbezeichnung
„Clarino“, in einemanderen dagegen die Bezeichnung
„Tromba“ auf. Auch finden sich in der Sammlung
vielfachMaterialien, deren Stimmenmit „Tromba“
bezeichnet sind, für die hingegenauf demUmschlagti-
tel oder in denBestandskatalogen „Clarini“ gefordert
sind.
Neben solchennur äußerlich-terminologischenUnsi-
cherheitenkommtesaber auchzuechtenNeuerungen.
Trompetenstimmungen inDundBkamenbis dahin
in derDommusik sehr vereinzelt vor. Auch die Stim-
mung inA ist nur je einmal beiHeinrich IgnazFranz
(A-Sd,A181)undKarlHeinrichBiber (A-Sd,A1529)
dokumentiert; imFall des älterenKomponisten sind
die Instrumente auf demoriginalenUmschlagtitel als
„TrombeBasse“ bezeichnet. Aber generell nimmt die
Verwendung vonTrompeten in andererGrundstim-
mungalsC erstmitGattiundJohannMichaelHaydn
deutlich zu.
Vor allembeiGatti begegnet nun auch regelmäßig
dasVerfahren, dieTrompeten in Stimmungen abwei-
chend von derGrundtonart zu verwenden, wodurch –
häufig inKombinationmit anders gestimmtenHör-
nern – der Tonraum der Blechbläser systematisch
erweitert, deren Verwendung gegenüber der bis da-
hin gepflogenen Praxis quasi stärker ‚musikalisiert‘
wird. Johann Ernst Eberlin hatte vor der Jahrhun-
dertmitte in einem Fall Clarini in D in einem Of-
fertorium in A-Dur verwendet; bezeichnenderweise
sind dieClarinstimmen verlorengegangen.Adlgasser
verwendete in einer vermutlich 1776 komponierten244
Litanei (CatAd 3.52,A-Sd,A 7)B-Trompeten inF-
Dur und ist damit anscheinend der Erste, der am
SalzburgerDomTrompeten in dieser Tonart einsetzt.
C-Trompeten inG-DurundF-dursowieB-Trompeten
in F-Dur kommen ab dem letzten Viertel des 18.
Jahrhunderts gelegentlich in der Dommusik vor. F-
Trompeten scheinen nieVerwendung gefunden zu ha-
ben, dagegen gibt es in der Sammlung aber zwei
Beispiele fürTrompeten inG (A-Sd,A 608,A 1507),
die jedoch nicht der Kathedralliturgie zuzuordnen
sind.
Der instrumentaltechnisch näherliegende, aber aus
physiologischenGründen nur beschränkt ausbaufähi-
244de Catanzaro/Rainer: Adlgasser. Thematic Catalogue,
S. 55. ge virtuoseWeg derTonraumausweitung ‚nach oben‘
wurde in der Kirchenmusik nicht in gleichemMa-
ße bis an die Grenzen des Möglichen verfolgt, wie
dies durch die erhaltenenKonzertsätze LeopoldMo-
zarts (LMV IX:13) und vor allem JohannMichael
Haydns (MH 60 und 104) belegt ist. Doch finden
sich auch hier bis in die 1760er-Jahre gelegentlich
überaus anspruchsvolle Clarin-Soli – etwa in Johann
MichaelHaydns JosephsmesseMH16 (A-Sd,A 439)
–, häufiger allerdings in der ersten Jahrhunderthälfte.
Vor allem dieGattung der solennenKirchensonate,
die in der Sammlung durch 17Werke vor allemvon
Karl Heinrich Biber undGiuseppe Lolli, aber auch
durch einzelneBeispiele vonGottfriedFinger (A-Sd,
A818),Amand Ivanschiz [?] (A-Sd,A849) sowie zwei
anonymüberlieferteManuskripte vertreten ist, bot
Gelegenheit zu konzertierendemEinsatz vonTrompe-
ten, teils unter großerPrachtentfaltungmit großem
Trompeterchor, teils auch im intimenZusammenspiel
einer einzelnen Solo-Trompetemit den begleitenden
Streichern und bisweilen unterVoraussetzung atem-
beraubender technischer Fähigkeiten.
Die bei Bibers Sonaten gelegentlich anzutreffen-
den Stimmenbezeichnungen von vierTrombe-Partien
plus Clarino (A 784, A 797, A 798) stellt hinsicht-
lich der Lagenaufteilung und Schlüsselung eigentlich
eine Kombination des konventionellen, aus Clarini
undTrombe gebildeten vierstimmigenTrompetencho-
resmit einemweiteren konzertierendenClarino dar;
letzteres gehört also nicht eigentlich zumTrompeter-
chor, sondern hat –wie dies in einemderMaterialien
explizit vorgeschrieben ist – seinen Platz „in Cho-
ro diViolini“ (A 798).Die gleicheKombination des
Trompeterchoresmit zusätzlichem solistischenClari-
no findet sich etwa zur gleichen Zeit auch in einem
Regina coeli von JohannErnst Eberlin (A 421).Vir-
tuoseDreiklangsbrechungen undSequenzfiguren bis
e3 (A 797, A 783) sowie Trillerketten bis d3 (z.B.
A 790,A 798) sind inBibers Sonatenwiederholt an-
zutreffendeMerkmale der SalzburgerClarinblaskunst
im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts. In noch-
mals übersteigerter Formbegegnen sie als von zwei
Clarinen zu absolvierendeDoppeltrillerkette g2/e2–
a2/c2–h2/d2–c3/e2 (A 783) oder in der zu dieser Zeit
in der Salzburger Kirchenmusik unüblichen Trom-
petenstimmung inD (A 789), in der daswiederholt
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur