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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 174 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis erreichte (geschriebene)e3 alsklingendesfis3nurnoch einekleineTerzvondereinVierlteljahrhundert später vonM. Haydn geforderten „Weltrekordhöhe“245 a3 entfernt ist. Weitere typischeWerke für denEinsatz vonTrom- peten sindRegina coeli-Kompositionen, in denen das Instruement auch konzertant eingesetztwird, so von KarlHeinrichBiber (A 142,A 1576),Matthias Sieg- mund Biechteler (A-Sd, A 98, A 99, A 100) und JohannErnst Eberlin (A-Sd,A 419,A 420,A 421). Zwar istdieVerwendungauchandererkonzertierender Instrumente ein in den SalzburgerMarianischenAn- tiphonen öfters begegnendes Stilmittel, wie in diesen überhauptEinflüsseder Instumentalmusik invielfälti- gerWeise zutage treten246, doch ist dieVerwendung vonTrompeten imRegina coeli ein offenbar von der Symbolik derTextausdeutungmitbestimmtes Spezi- fikum. In anderen Vokalwerken kommen konzertie- rende Trompeten kaum vor; kurze, hinsichtlich der Trompetenidiomatik konventionelle Soli in Messen von JohannErnstEberlin (HerEb 36,A-Sd,A 269) oder JohannMichael HaydnMH 16 (A-Sd, A 439) gehören zu den seltenenAusnahmen. Während sichunter den inderDomliturgie verwen- detenMarianischen Antiphonen neben denRegina coeli lediglicheinSalveRegina (GiuseppeLolli,A741) findet, das mit Trompeten besetzt ist, sind inMa- terialien aus anderen Stadt-SalzburgerAufführungs- kontexten Clarini auch in einem deutschen „Alma redemptorismater“MH676 (A-Sd,A 608) sowie in diversen deutschen und lateinischenSalve Regina247 vorgeschrieben. In derMehrheit gehören aber dieTrompetenparti- en amSalzburgerDom, insbesondere ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, einemkonventionellen Schreibstil an, bei dem die Funktion von Trompe- ten weitgehend auf die Akzentuierung und solenne Farbgebung im tonikalenBereich reduziertwird. 245Tarr, Edward: Die Trompete. Ihre Geschichte von der Antike bis zurGegenwart,Mainz: Schott 21984, S. 101. 246Aringer-Grau:Marianische Antiphonen, S. 92–145, zu konzertanten Instrumentalstimmenbes. S. 98. 247Neben demgemeinsammitMH676 überlieferten deutschen SalveReginaMH675sinddiesv.a. sechs früheSalveRegina- VertonungenJohannMichaelHaydnsMH29–34,die ineiner Sammelhandschrift vonFranz IgnazLippundSchreiber 317 (A 605) in bearbeiteter Fassung vorliegen. Zudem existiert ein von Lipp komponiertes Salve Reginamit Clarinen in autographerÜberlieferung (A 1426). Klappentrompete: Neben den zahlreichenQuel- len, in denen Naturtrompeten vorgeschrieben sind, habensichunterdenbisumdieMittedes19.Jahrhun- derts entstandenenHandschriften auch zweiWerke in der Sammlung erhalten, welche den um1800 im Trompetenbau einsetzendenBestrebungen zurChro- matisierung des Instruments durch dieVerwendung einerKlappentrompeteRechnung tragen. Es handelt sichumdasOffertorium„OMariavirgopia“ (A1382) einesnichtnäherbekannten„AuthoreKurz“sowieum einTantum ergo des gleichfalls unbekannten „Sigre Redl“ (A 1676). BeidenMaterialien ist gemein, dass sie vonFranzReiter, einemSchullehrer ausMattsee (→S. 268), geschriebenwurdenunddaher vermutlich in keiner direkten Verbindung zur Salzburger Auf- führungspraxis standen.Gleichwohl dokumentieren sie einen bisher noch kaum beachteten Aspekt der Aufführungspraxis imSalzburgerUmland. Besonders interessant ist dasOffertorium inEs / OMaria virgo pia / a / Canto Solo / 2 Violini / Klappen-Trompete Solo / 2 Corni / con / Organo, das entgegendemdurchdasTitelblatt gewecktenAn- schein zwei konzertant geführteKlappentrompeten in Es verlangt.Melodiöse Sechzehntel- undAchtelfigu- ren, wie sie ein Jahrhundert früher imClarinregister üblichwaren, indenweitgehendaufdieMittellagebe- schränktenNaturtrompetenstimmendes 19. Jahrhun- derts aber fehlenmussten, gebendenPartien einen in ihrerZeit außergewöhnlichenundvermutlichals „fest- lich“ empfundenenReiz, der jedoch ohne jedewirk- licheVirtuosität auskommt.Die beiden Instrumente laufen inbequemerMittellage248diemeisteZeit strikt parallel in gefälligenTerzen und gelegentlich Sechs- ten.Kurz vor Schluss ist Trompete I eine ausnotierte Kadenz zugewiesen, deren Zweiunddreißigstel-Ketten wohlmit einer gewissenFingerfertigkeit rechnen, in derPraxis aberwohl frei undvergleichsweise langsam ausgeführt wurden, wie die handschriftliche Eintra- gung „Ritardando“ amBeginn derKadenz nahelegt. AuchdasTantumergo verlangt „Clarino 1.mo [bzw. II.do]mitKlappen inEs“, dazunebenFlöte,Klarinet- ten, Streichern undOrgel weiters zweiClarini inB, Corni inEs (allesNaturinstrumente) sowie Pauken – eine überaus prächtigeBesetzung.Neben stereotypen 248Ambitus (klingend)Klappentrompete I: b–f2; Klappentrom- pete II: b–c2. 174
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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