Seite - 178 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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5 Aspekte derAufführungspraxis
nicht268, imClarintrompetespiel waren sie geläufig.
Die bis auf diesen kurzenLauf gänzlich idiomatische
Schreibweise der Stimme lässt daher eher auf dieVer-
wendung eines ‚kurzen‘Alphorns schließen.
Posaunen
„Endlich gebrauchtman auch zumChor
3Posaunisten.Nähmlich dieAlt=Tenor=
und Baßtrombone zu blasen, welches der
Stadtthürmermeistermit zweenenseinerUn-
tergebenen, gegen einen gewissen jährlichen
Gehalt, versehenmuß.“269
In der Aufführungspraxis der Dommusik ist eine
GruppevondreiPosaunenbeständigandenVokalsatz
gebunden: „Die Posaune ist ein zusätzlicher, stärken-
der ‚Sänger‘.“270Manfred Hermann Schmid, der in
der „Mitwirkung derPosaunen keineAngelegenheit
der Komposition und damit auch nicht der Parti-
tur“271 sah, hat damit in Bezug zumMozart’schen
Posaunensatz auf dessen engeBindung andieAuffüh-
rungsverhältnisse imDomhingewiesen.Die konven-
tionelle Besetzung eines dreistimmigenPosaunensat-
zes, der die unteren Stimmen desVokalchores colla
parte verstärkt, dürfte einElement sein, dessenEnt-
stehungund lang fortdauerndePraxis ganzwesentlich
auch durch die raumakustischenGegebenheiten beim
Musizieren auf denOrgelemporen an denVierungs-
pfeilern und imPresbyteriumdes SalzburgerDoms
geprägtwurde.Dass dieseAufführungskonvention ei-
ne ihrerQuellen in den chorischenBläserbesetzungen
des 17. Jahrhunderts hat, liegt auf derHand.Doch
handelt es sich nicht umeine einfacheFortschreibung
ältererPraxis,daeinerseitsdieBläsergruppemit ihrer
Reduzierungauf einPosaunentrio ihreVollständigkeit
einbüßtundandererseits die im17. Jahrhundert eben-
so lebendigeTraditiondes chorischenViolensatzes im
18. Jahrhundert gänzlich aufgegebenwird.272
DieKonventionalität des dreistimmigenPosaunen-
chores zeigt sich insbesondere dort, wo von auswärts
268BeideTöne können durch sogenanntes ‚Fallenlassen‘ eines
Naturtons um jeweils einenHalbton (b2→ a2, c3→ h2)
erzeugtwerden.
269[L.Mozart]: „Nachricht von demgegenwärtigen Zustande“,
S. 195.
270Schmid:Mozart und die Salzburger Tradition, S. 261.
271Ebd.
272Vgl. dazu oben v.a.Abschnitt 5.4.1 auf Seite 150ff. nach Salzburg gelangte Musikalien an die Auffüh-
rungspraxis amDomangeglichenwerden.AlsBeispiel
(stellvertretend für eine ganze Reihe andererMate-
rialien)mögen die imDommusikarchiv überlieferten
Werke desEichstätterHofkomponisten JosephChri-
stophDeichel dienen:Von ihmverwahrt dasArchiv
eineMesse (A224) sowie eine vollständigeVespermit
Dixit,Magnificat und vier Binnenpsalmen (A 223).
BeideMaterialien sindprächtig ausgeführt von einem
Schreiber, der in Salzburg nur in diesenMateriali-
en dokumentiert ist und derPapier verwendete, das
ansonsten in der Sammlungnicht aufscheint – eindeu-
tige Indizien für die nicht-salzburgische Provenienz
derHandschriften.Die originaleBesetzung verlangt
je eineAlt- undTenor-Posaune.AlleWerkewurden
(bei derVesper von Johann JakobRott, bei derMes-
se von verschiedenen Salzburger Schreibern) umdie
für die Dommusik typischen Stimmen ergänzt: Du-
plierstimmen für Chor und Violinen, Ripien-Orgel,
Fagott und eine dritte Posaune. Als an den Raum
gebundeneKonvention liefert dieBesetzung einesmit
Alt, Tenor undBass colla parte geführten und in se-
paraten Stimmen ausgeschriebenenPosaunensatzes
einen Indikator für dieVerwendung des betreffenden
Materials in derKathedralliturgie.
Da im 18. Jahrhundert beiHof keinBedarf für die
Anstellung von Posaunisten bestand – einzige Aus-
nahmewar derPosaunen-VirtuoseThomasGschlatt
–,wurden fürdenKirchendienstdieStadtthurnergesel-
len herangezogen.Diese standen imDienst desThur-
nermeisters, der seinerseits vomMagistrat bestellt
undbesoldetwurdeunddemnebendemregelmäßigen
Turmblasen diemusikalischeGestaltung bürgerlicher
Feierlichkeiten oblag. Darüber hinauswar es im 18.
Jahrhundert üblich, dass derThurnermeister zugleich
bei Hof alsViolinist angestellt war.Mit seiner vom
HofbezogenenBesoldung inGeld-undNaturalwerten
wurde neben seinen Hofdiensten pauschal auch die
Mitwirkung seinerThurnergesellen in derDommusik
abgegolten.273
Nicht ganz eindeutig sind dieQuellen darüber, ob
derThurnermeister gemeinsammit zwei seinerGesel-
len die Posaunen versah oder ob die Posaunen von
den Gesellen geblasen wurden, während der Thur-
nermeister auf der gegenüberliegenden Empore in
273Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. XVIII.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur