Seite - 195 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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6.1 ZurGeschichte der Sammlung
ImZusammenhangmit derHerausgabe derMess-
kompositionenWolfgangAmadéMozarts in derNeu-
enMozart Ausgabe begannWalter Senn vermutlich
Ende der 50er-Jahre, das Dommusikarchiv neu zu
ordnen.Wohl um eineKatalogisierungmittels Zettel-
katalog vorzubereiten, ordnete er sämtlicheBestände
(heute Reihe A, B,Dommusikverein und Mozarte-
um, Nachlässe etc.) alphabethisch und fasste sie in
gebündeltenFaszikeln zusammen. In der Sammlung
entdeckte Senn auch die authentischenAbschriften
vonWerkenWolfgangAmadéMozartsmitEintragun-
gen desKomponisten und vonLeopoldMozart, die
zu denwertvollstenMusikalien desDommusikarchivs
gehören.61
Sennwar es auch, der 1966 einen umfangreichen
Diebstahl vonNoten undMusikbüchern aus denBe-
ständen des SalzburgerDomchors aufdeckte. EinAn-
gestellter62, der Zutritt zu den damals in derWachs-
kammerdesDomsgelagertenMusikalienhatte, veräu-
ßerte zahlreicheChorbücher undMusikalien aus dem
Mozart-Nachlass und demBestandDommusikverein
undMozarteum, alles in allemca. 600Musikalienund
Bücher, an einenHehler63, nachdemerBesitzstempel
und Signaturen entweder durchRasuren oder durch
Herausreißen von ganzen Titelblättern oder Teilen
davon entfernt hatte. Den größten Teil erwarb das
Antiquariat Schneider in Tutzing nach schriftlicher
Versicherung desHehlers, es handle sich zurGänze
umMusikalien aus Familienbesitz.Während dieser
Teil bis auf einigeunauffindbareStücke zurückgestellt
werden konnte, sind andere damals gestohleneMusi-
kalien immer noch abgängig.64
AngesichtsdiesesDiebstahls und seinerFolgenwur-
deAnfang der 70er-Jahre beschlossen, denBestand
in Zusammenarbeitmit dem Institut fürMusikwis-
senschaft derUniversitätSalzburg (Leiter:Univ.Prof.
Dr.GerhardCroll) zu katalogisieren. In derFolge fer-
tigte ErnstHintermaier ausführliche Zettelkataloge
sowohl von großenTeilen derReiheA, desBestands
Dommusikverein undMozarteum als auch eines klei-
61Senn: „BeiträgezurMozartforschung“;Senn: „DerCatalogus
Musicalis“.
62SeinName, Emil Lerperger, sei ob desAusmaßes anZerstö-
rung, das er in denmusikalischenQuellen verursacht hat,
nicht verschwiegen.
63SeinNamewarBrunoFritz.
64Spatzenegger, Hans: „Entwendete Musikalien aus dem
BesitzdesDomchors inSalzburg“, in:FontesArtisMusicae,
25 (1978), Nr. 2, S. 152–156. nenOpernbestandes an und legte einen gedruckten
Katalog der Chorbücher65 vor. Als er 1986 Leiter
desArchivs derErzdiözesewurde und zusätzlich an
zahlreichenmusikwissenschaftlichenPublikationenar-
beitete,konntendieKatalogisierungsarbeitenvon ihm
nichtmehr imgleichenAusmaßweiter fortgeführtwer-
den.Überdies befand sich dasArchiv derErzdiözese
bis 2006 im Gebäude Kapitelplatz 2, während die
musikalischenBestände zeitweise in einem zurErzab-
tei St. Peter gehörendenGebäude, dem sogenannten
„Blumenstöckl“, ausgelagertwaren. In beidenOrten
waren die räumlichenGegebenheiten beengt und an
ausgedehntere Sortierungsarbeiten nicht zu denken.
Als dasArchiv der Erzdiözese neu gebaut wurde
und an seinen neuen Standort (Kapitelplatz 3) über-
siedelte, wurden dieMusikalien neu untergebracht:
Bei dieserGelegenheit begannEvaNeumayrmit der
Neuordnung der noch unkatalogisierten, noch immer
inder alphabetischenSortierungvonSennaufbewahr-
tenTeile desBestands.Diesewurden zunächstwieder
nachProvenienzen getrennt, also inReiheA (Stim-
menabschriften vonKirchenmusikalien vomEnde des
17. bis zurMitte des 19. Jahrhunderts), B (eine klei-
ne SammlungweltlicherWerke) und in denBestand
Dommusikverein undMozarteum, dazuwurden ver-
schiedeneNachlässe zusammensortiert, etc. Bereits
währenddieserArbeiten konnten zahlreicheFragmen-
te zugeordnet und somit die betreffendenmusikali-
schenQuellen vervollständigtwerden.
NachAbschluss derVorsortierung konntemitUn-
terstützung des Österreichischen Fonds für wissen-
schaftliche Forschung (FWF) die wissenschaftliche
Aufarbeitung undKatalogisierung inAngriff genom-
men werden. Ab 2007 wurden die Musikalien des
Dommusikarchivs Reihe A von Eva Neumayr und
Lars Laubholdmithilfe desProgrammsKALLISTO
in dieRISM-Datenbank eingegeben. Zusätzlich zum
vorliegenden gedrucktenKatalog stehen dieBeschrei-
bungen dermusikalischenQuellen seit Juli 2011 der
interessiertenÖffentlichkeit imRISM-Opac66 zurVer-
fügung.Das istwohl die Erfüllung dessen,wasCon-
stantin Schneider bereits 1927 – vor nunmehr fast
90 Jahren und nicht nur für die SalzburgerQuellen –
65Hintermaier:Katalog (1992).
66〈URL:http://www.opac.rism.info/〉–Zugriff am16.01.2014.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur