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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 197 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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6.2 DerCatalogusMusicalisdes SalzburgerDoms ErnstHintermaieralsJosephRichardEstlinger identi- fiziertwerden.Estlinger74 (1720–1791), 1760zunächst alsViolon-Akzessist und nachFreiwerden einer Stelle 1764 regulär alsViolonist (mit gelegentlichemDienst amFagott) angestellt, bekleidetewohl vonAnbeginn seinerHofanstellung zusätzlich auchKopistendienst. Wohl nach demTod des Hofschreibers Maximilian Raab (1780) dürfte er dessen Nachfolge als erster Notenkopist angetreten haben.Dass sein Schriftzug in etwa 450Materialien der Dommusik aufscheint, hängt ursächlich mit der Abfassung desCatalogus zusammen: ImZugederKatalogisierungwurdenviele ältereWerke vonEstlingermit neuenUmschlagtiteln versehen. DenAuftrag zur Inventarisierung desMusikalien- bestandes gab kein Geringerer als Fürsterzbischof HieronymusGrafColloredo selbst, allerdings erteilte er diesen nichtEstlinger, sondern dem seinerzeitigen Hofkapellmeister LuigiGatti. Genauer gesagtwar es eine der im seinemAnstellungsdekret anGatti über- tragenenAufgaben, dass „sofort auch die Inventarien richtig gefasset und verwahretwerden, damit von der Musiquenichtes entzochenwerde“75.Gatti dürfte die- senAuftrag alsbald an seinen erstenKopisten J. R. Estlinger weitergegeben haben, der sich fortan der Aufgabemit äußersterAkribiewidmete. DerKatalog istalphabetischnachAutorengeordnet beginnendbei„ADLGASSER“(S.1)76undbeiEstlin- gers letztemEintrag zu „SONLEUTHNER“ (S. 167) endend.DieWerke einesAutors sindwiederumnach Gattungen geordnet, derenReihenfolge aber keinem einheitlichen Schemaunterliegt. Von denWerken Jo- hannErnstEberlins etwawurden zuerst dieVesper- kompositionen (S. 23–26) verzeichnet, diesen folgen die „Lytaniae“ (S. 27–30), „Missae“ (S. 31–34), „Re- quiem“(S.37), „Offertoria“(S.39–46),„ReginaCoeli“ (S. 47) undMiserere (S. 49). Innerhalb einerGattung wird jedemWerk eine Signatur in Form einer römi- schen oder arabischen Zahl zugewiesen. Mit dieser Zahl versahEstlinger gewöhnlich auchdenUmschlag- titel des entsprechendenNotenmaterials imArchiv. teum, 3/4; zugl.Publikationen des Instituts fürMusikwis- senschaft der Universität Salzburg, 1), S. 27. 74Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 91–93, sowie unten S. 261. 75Anstellungsdekret vom14.02.1783,HZA1783/1/H, zit. nach ebd., S. 135. 76Seitenangaben nachCatalogus „Gatti“. Neben (bzw. nach)Estlingerwarenmehrere andere Schreiber an der Fortführung der beidenKatalogbän- de beteiligt. Gemessen an der Zahl der Einträge ist Estlinger nicht einmal der am häufigsten vertrete- ne Schreiber.Mit 419 von insgesamt 1104Einträgen imKatalogexemplar „Gatti“77 nimmt er den zweiten Platz hinter demHofcellisten und späterenDomchor- regentenJoachimJosephFuetsch78mit617Einträgen ein, der zu unbekannter Zeit wohl nach demTode Estlingers (möglicherweise auch erst nach demTod LuigiGattis imFrühjahr 1817) dieKatalogisierung in großemUmfang fortführte und 1822 die bereits erwähnteNeuschrift desCatalogus anfertigte.79 In mehreren Zeitschichten nahm Fuetsch Ergän- zungen vor (wobei er Estlingers Signaturensystem fortsetzte) und revidierte den bereits inventarisier- tenBestand, ergänzte und korrigierte (Text-)Incipits, machte Bemerkungen zu fehlenden Stimmen oder strich ganzeEinträge. Letzteres zwang ihn auch zur Umsignierung zahlreicher Werke. Manche der aus demKatalog gestrichenenWerke konnten im Zuge derRISM-Katalogisierung desDommusikarchivs auf- gefunden undwieder zugeordnetwerden.Heute sind mit etwasmehr als 50Materialien etwa 5%der im Catalogus „Gatti“ verzeichnetenWerkenichtmehr im Dommusikarchiv vorhanden (vgl. dazu Tabelle 6.3, S. 206f.).Manche konnten in denBeständen anderer Institutionennachgewiesenwerden (dazuAbschnitt 7 ab S. 305). AndereWerke blieben bisher verschollen. Ähnlich umfangreichwie die Einträge Fuetschswa- ren auch die Ergänzungen, die ein bis vor kurzem namentlich unbekannter Schreiber imExemplar „Ar- chivium“ vornahm. Sein Schriftzug, der imSalzbur- ger Schreiberkatalog unter derNummer 67a geführt wurde und nun als jener des Hof- und Dombassis- tenMatthias Schitra identifiziertwerden konnte, ist imDommusikarchiv in lediglich neunEinzelstimmen dokumentiert. Dagegen hat er in beträchtlicher Zahl Abschriften fürdieheute imFondoPitti anderBiblio- 77Alle imFolgenden vorgebrachten statistischenAngaben be- ziehen sich auf denCatalogus „Gatti“. 78Vgl.Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 128–130, sowie unten S. 261 und 348. 79DieTatsache, dass, nachdemdie beiden älterenKatalogbän- de 1822 eigentlich obsolet gewordenwaren, insbesondere im Exemplar „Archivium“von verschiedenenHändennoch im- merNachträge verzeichnetwurden – so noch von Innocenz Achleitner, der erst ab den 1860er-Jahren imDommusik- verein undMozarteum tätigwar –, harrt derzeit noch einer plausiblenErklärung. 197
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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