Seite - 204 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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6 Die SammlungDommusikarchiv
traten.Neu hinzu kamen 1822 dagegen 13Komponis-
ten102, überwiegend solche, die um oder nach 1800
komponierten. Jedoch beläuft sich die Zahl der aus
dieserGruppe imDommusikarchiv tatsächlich über-
lieferten, erst nach1800 entstandenenMaterialien auf
lediglich 16Werke von sechsKomponisten.
Von diesenAutorenwar einer, nämlichGiovanni
Battista Borghi (1738–1796), bereits vor 1800 ver-
storben. 1822 noch am Leben waren Franz Bühler
(1760–1823), BenediktHacker (1769–1829), einMatt-
hias Pernsteiner103 sowie JosephMatthias Kracher
(1752–1835).Weiters ist einRequiemeinesHerrn„Bo-
de“ verzeichnet, bei dem es sichwahrscheinlich um
LudwigBode,einenSchülerCasparEtts,handelt.Das
entsprechendeMaterial (A-Sd,A 1210) stammt von
dem1807 geborenenLeopoldDeisböck, ist also kaum
vor den späten 1820er-Jahren entstanden.DasWerk
wurde vonFuetsch in seinemKatalog augenscheinlich
auch erst nach 1822 nachgetragen. Die Werke der
im älterenKatalog vonFuetsch neu aufgenommenen
Komponisten belaufen sich auf siebenMessen und
dreiLitaneien.104Nicht indieseKategorie gehört eine
im frühen 19. Jahrhundert entstandeneAbschrift von
vierKontrapunktmessen IgnazioDonatis, bei der es
sich um älteres Repertoire aus Salzburger Chorbü-
chern handelt, das jedoch in denKatalogen bis dahin
keineBerücksichtigung gefunden hatte. Selbstwenn
manzudenNeuzugängennochdie imälterenKatalog
vorgenommenenErgänzungen durchLuigiGatti her-
anzieht, beliefen sichdie fürdie erstenJahrzehntedes
19. Jahrhunderts zu rekonstruierendenNeuanschaf-
102JohannCasparAiblinger (1779–1867, 7Werke verzeichnet,
heute Bestand Dommusikverein undMozarteum), Bode
(1Requiem),Giovanni BattistaBorghi (1738–1796, 1 Lita-
nei), FranzBühler (1760–1823, 6Werke), LeopoldDeisböck
(1807–1870, 2Tantum ergo, heuteBestandDommusikver-
ein undMozarteum),AntonDiabelli (1781–1858, 1Messe,
heuteBestandDommusikverein undMozarteum),Rochus
Dedler (1779–1822, 5Missae brev., wohl der Augsburger
Druck seines op. 1, imDommusikarchiv heute verschollen),
KarlLudwigDrobisch (1803–1896,6Messen,heuteBestand
Dommusikverein undMozarteum), BenediktHacker (1769–
1829, 1 „HYMNUS,Sub solemne introituprocessionalenovi
Archiepiscopi“ zum feierlichenEinzugErzbischofAugustin
Grubers1824), „Hemerl“ (wohlJosephAntonHaemmerlein,
1721–1787,1Litanei), JosephMatthiasKracher (1752–1835,
7Werke),MatthiasPernsteiner (d.J.?, 1795–1851,1Messe),
JohannGeorg Schinn (1768–1833, 1Offertorium),Václav
JanTomaschek (1774–1850, 1 „MISSA conGrad: etOffert:
inEs Solemn: con tutta l’orgestra [sic]“).
103ZweiPersonen diesesNamenswirkten in der erstenHälfte
des 19. Jahrhunderts alsKomponisten undOrganisten im
süddeutsch-österreichischenRaum.Vgl. dazu S. 362.
104Vgl. obenAnm. 99. fungen, die sich imCatalogus niedergeschlagenhaben,
auf kaummehr als 30Werke von 16Komponisten.
Ungleichgrößer istdagegender imDommusikarchiv
überlieferteBestandanMusikalien,diedenerstenvier
Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis zurGründung
desDommusikverein undMozarteums entstammen.
Tabelle 6.4 (S. 208ff.) enthält in überblicksartiger
Darstellung jeneKomponisten, von denenWerke in
dererstenHälftedes19.Jahrhundertsneuangeschafft
wurden oder derenWerke zumindest teilweise in den
Ergänzungen bzw. derNeuschrift desCatalogusMu-
sicalis aufscheinen. Selbst wennman die nach 1800
noch tätigenHofkomponistenGatti undHaydn bei
derBetrachtung vorerst außerAcht lässt, finden sich
ausder fraglichenZeitMaterialien zuknapp250Wer-
ken von ca. 100 namentlich bekanntenKomponisten
sowie etwa70weitere anonymeWerke.Aufgrundgele-
gentlicherBesitzvermerkesowiedurchAnalogiebildun-
gen hinsichtlich diverserMaterialmerkmale (Papiere,
Schreiber, Besetzungs- undNotierungskonventionen,
allgemeines Erscheinungsbild) lassen sich dieMusi-
kalien zu etwa gleichenTeilen der eigentlichenDom-
musik einerseits und der Stadtpfarrmusik bzw. einem
anderen städtischenAufführungskontext andererseits
zuordnen; etwa20WerkedürfteneherdemSalzburger
Umland zuzuordnen sein.
UnterdenKomponistenderNeuanschaffungennach
1800befinden sich lediglich13, diemit fünf odermehr
Werken in der Sammlung aufscheinen.Diese sindAn-
dreasBrunnmayr (7Werke), JohannMelchiorDreyer
(11), JoachimJosephFuetsch (10), BenediktHacker
(5),MaxKeller (14), JosephMatthiasKracher (21)
unddessenSöhneJohannesAndreas (5)undMatthias
Kracher jun. (11), weitersThomasAloisReischl (13),
JohannBaptist Schiedermayr (19), JohannBaptist
Weindl (6), JohannEvangelistWidmann (6) undPe-
tervonWinter (5).PetervonWinter isthierwohlnur
deshalb vertreten, weil ein Sammeldruck von sechs
Tantum ergo, von denen eines von Michael Haydn
stammt, gleich vierKompositionenWinters enthält.
Der durch eineReihe vonDrucken popularisierte Jo-
hannMelchiorDreyer ausEllwangen findet sich nur
inMaterialien aus städtischemoder ländlichemKon-
text. Bei JohannEvangelistWidmann ist nicht rest-
los geklärt, ob die sechsWerke tatsächlich alle von
der gleichenPerson stammen.Der nur auf einer der
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur