Seite - 264 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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6 Die SammlungDommusikarchiv
Hofstätter, Felix (ca. 1744–21.12.1814), erhielt
1768eineAkzessistenstelle alsHoftenorist, alswelcher
er 1772 definitiv gestellt wurde, spätestens ab 1775
wurde er auch alsViolinist undViolaspieler geführt.
Nach1807blieberalsTenorist inderDommusik tätig.
Ab 1772184war er – zunächst gemeinsammitMaxi-
milianRaab (d 1780) und JosephRichardEstlinger
(d 1791) – alsNotenkopist tätig, als welcher er aber,
auch nachdem er die Notenkopiaturen für den Hof
allein zu besorgen und um entsprechendeTitulierung
angesucht hatte, nie offiziell bestellt wurde, sondern
seineNotenabschriften „wie üblich gegen einen Lohn“
anfertigte.
DasAnstellungsgesuch vom21.04.1803, dem eine
Schriftprobe beigelegtwar, bildete dieGrundlage zur
Identifizierung seinerSchrift.185DavorwarHofstätter
alsKopistC,D,GundH (Senn)186 sowie Schreiber
31 (Schmid)187 verzeichnetworden.188Hofstätterwar
anderHerstellungderMaterialien zumehrals 200 im
Dommusikarchiv aufbewahrtenWerken beteiligt.Mit
großerHäufigkeit begegnet seineHandschrift auch in
derMusiksammlungKurfürst Ferdinands in Florenz
(→S. 306ff.) und imMusikarchiv St. Peter in Salz-
burg. EineReihe vonAbschriftenHofstätters in der
Benediktinerabtei Einsiedeln, die nicht erst durch die
Sammlertätigkeit vonP. SigismundKeller (→S. 265)
um 1870 dorthin gelangten, belegt, dass Hofstätter
auch fürnicht-salzburgischeAuftraggeber ingrößerem
Umfang tätig war.189 Insbesondere für die Überlie-
ferung derWerkeMichaelHaydns undLuigiGattis
istHofstätter von eminenterBedeutung. Schriftprobe
→ S. 289.
Hupfauf, Johannes (22.3.1856–14.10.1889), ab
1875 imDienst desDommusikverein undMozarteums
184LautHintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 182, hat
Hofstätter seit ca. 1773„mitNotenschreibenbeiHofeausge-
holfen“. Jedoch enthält ein „Veni creator spiritus“Giuseppe
Lollis (A-Sd, A 739), das für die Wahl des Nachfolgers
Fürsterzbischof Schrattenbachs (dDez. 1771) bestimmt ge-
wesen ist, vier Stimmen,derenBezeichnungenundVorsätze
vonMaximilianRaab stammen, die imübrigen aber von
Hofstätter ausgeführtwurden, der hier also unter engster
Anleitung desHofschreibers arbeitete.
185Ebd., S. 182–185.
186Schriftprobe von Schreiber C in Senn: „Die Mozart-
Überlieferung“,Abb. 25, S. 357.
187Schmid:DieMusikaliensammlung der Erzabtei St. Peter.
188Hintermaier: „Mozarts Regina Coeli-Kompositionen
KV127 und 276“, S. 118.
189Neumayr/Laubhold: „DieQuellen der SalzburgerDommu-
sik“, bes. S. 172. stehend, war spätestens ab 1877mit Leitungsfunk-
tionen derKnaben-Gesangsschule befasst und versah
nachOttoBachsFortgang aus Salzburg 1880 interi-
mistisch dasDomkapellmeisteramt, das er nach der
AbtrennungdesMozarteumsbis zu seinemTodeauch
offiziell ausübte.190AlsAutor nannte er sich Johan-
nesPeregrinus undpublizierte in dieser Eigenschaft
vor allem über das Salzburger Kapellhaus.191 Als
Schreiber ist er in der SammlungDommusikarchiv
sporadischmit neu angefertigten oder ergänztenUm-
schlagtiteln und einzelnen Stimmenabschriften vertre-
ten, zweiWerke von J.M.Kracher (A 1400,A 1347)
enthalten auf demUmschlag dieNotiz: „Untauglich /
Hupfauf“.
Jähndl, Anton (10.05.1783–1861), Honorarmusi-
ker amDomundChorregent amKlosterNonnberg,
ist als früher Sammler von Werken Mozarts und
M.Haydns sowie für seineMitarbeit anG.N.Nissens
Mozart-Biographie bekannt.192 ImDommusikarchiv
findet sich in einer Sammlung von fünf kleinerenKir-
chenwerken von seinerHand eineNotiz, dieGiovanni
BattistaMartinis Bearbeitung vonKV86 zurGänze
W. A.Mozart zuweist: „Ein Fragment vonMozart
in Bologna den 10/10 1770 geschrieben; Dieses ist,
wieman sieht, als einExperiment, eineAufgabe, ein
Anspruch / |: undwelch ein herrlicher!. :| nach der
Weise der ältestenMei=/ ster italienischer unddeut-
scherKirchenhymnenzuschrei=/ben, inseinemAmt
gleich freudig aufgesetzt. / |: p. 299. / a 1820. :| 3/5
1824GAJmpia“. In der gleichen Sammlung ist Eber-
lins Hymnus „Vexilla regis“ in Jähndls Hand über-
liefert. Vor seiner Identifizierungwar JähndlsHand-
schrift als Schreiber 36 verzeichnet.
Jelinek, Franz Xaver (3.12.1818–7.2.1880), am
PragerKonservatorium imHauptfachOboe ausgebil-
det, wirkte ab 1837 im landschaftlichenTheater in
Linz, bevor er am10.9.1841193 als 1.Oboist desDom-
musikverein undMozarteums angestellt wurde. Als
190Wagner:DasMozarteum, S. 282.
191Peregrinus, Johannes: „Geschichte der salzburgischen
Dom-Sängerknaben oder schlechthin des Kapellhauses“.
[Teil I–II], in:Mittheilungen derGesellschaft für Salzburger
Landeskunde, 28 (1888), S. [357]–416;Peregrinus: „Ka-
pellhaus“, [Teil III–V (1889)].
192Ammerer/Angermüller/Blöchl-Köstner: Salzburger
Mozart Lexikon, S. 202.
193Angermüller: „Denkbuch“, S. 553.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur