Seite - 269 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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6.4 Kopisten
genen Identifizierung vonRotts Handschrift222, die
später durch den Fund einer datierten und signier-
ten Spezifikation über Notenkopiaturen von Rotts
Hand archivalisch bestätigt werden konnte223, lässt
sich aber zeigen, dass Rott schon früher als Kopist
tätig gewesen ist.Wie durchHochradner dargelegt,
stellen die ehemals so bezeichneten Schreiberzüge
100, 100a, 101 und 101a spezifische Ausprägungen
vonRotts Schreiberhand dar, die anhand datierter
Manuskripte bestimmten zeitlichenPhasen zuzuord-
nen sind.Anhand der frühesten dieserAusprägungen
(Schr. 100) in denWerkenBiechtelers konnteHoch-
radner den Beginn von Rotts Tätigkeit als Noten-
kopist mit spätestens 1729 ansetzen224; diese muss
heute jedoch aufgrund einer noch älterenHandschrift
(A-Sd, A 157) auf mindestens 1725 vordatiert wer-
den.EinzelneHandschriftendeutenaufgrundweiterer
Schriftdetails auf einen noch früherenTätigkeitsbe-
ginn, können jedoch keine konkretenAnhaltspunkte
zurDatierung liefern, sodass in diesenwenigenFäl-
len der hypothetischeEntstehungszeitraumaufRotts
Anstellungsdatum1709 ausgedehntwurde.
Darauf, dass auch Schmids Schreiber 87 als Schrift-
ausprägung des gleichenKopisten anzusehen sei, hat
Hochradnerbereitshingewiesen225, gleichestrifftnach
unseremDafürhalten auch auf die Schreibernummern
94 sowie 260 zu (letzterer ist inMaterialien desMu-
sikalienarchivs in Stift St. Peter zu finden).226 All
diese Schreiberzügewurden von unsRott zugeordnet;
die vonThomasHochradner vorgeschlagenenDatie-
rungen der unterschiedlichen Schriftausprägungen227
wurden im Katalog direkt in die Datierungen der
Materialschichten übernommenbzw. nach unseren ei-
genenErkenntnissenmodifiziert. Insgesamt verwahrt
das Dommusikarchiv beinahe 900Manuskripte, an
222Hochradner:Matthias SiegmundBiechteler, Teil I, S. 129–
139.
223Hintermaier, Ernst: „Eine Spezifikation des Salzburger
Hofkopisten Johann JakobRott aus demJahre 1757“, in:
JosefMančal/WolfgangPlath (Hrsg.):Beiträge des In-
ternationalen Leopold-Mozart-KolloquiumsAugsburg 1994,
Augsburg: Wißner 1997, (Beiträge zur Leopold-Mozart-
Forschung, 2), S. 17–27.
224Hochradner:Matthias SiegmundBiechteler, Teil I, S. 128.
225Ebd., Teil I, S. 31.
226VermutlichmussauchSchreiber171alsweitereSchriftausprä-
gung Rotts angesehen werden. Eine für Rott ansonsten
nicht dokumentierte Schlüsselkombination (u.a.mit einem
C-Schlüssel, wie ihnKarlHeinrichBiber verwendete) hat
uns bisher davon abgehalten, diesen Schriftzug endgültig
unterRott zu subsumieren.
227Hochradner:Matthias SiegmundBiechteler, Teil I, S. 142. derenEntstehungRottAnteil hatte. Insbesondere für
die Überlieferung derWerke Karl Heinrich Bibers,
Matthias SiegmundBiechtelers, JohannErnstEber-
lins undGiuseppeLollis sindRottsAbschriften von
herausragenderBedeutung. Schriftprobe→ S. 294.
Samber, Ferdinand Jakob Sebastian (1685–
1742), ist imDommusikarchiv als Kopist von Stim-
mensätzen (und einer geringenZahl vonEinzelstim-
men) zu ca. 60Werken nachgewiesen. Unter seinen
Abschriften, die beinahe zurHälfte anonymeWerke
derDommusiküberliefern,findensich17WerkeMatt-
hias SiegmundBiechtelers, fünfWerkeKarlHeinrich
Bibers, vierWerkeAntonioCaldaras sowie einzelne
Werke vonHeinrich IgnazFranzBiber,GottfriedFin-
ger, Johann JosephFux undFranzXaverNeymiller.
Zu seinerBiographie→S. 364.Schriftprobe→S. 295.
Schitra,Matthias (ca. 1750–17.06.1824), war ab
Dezember 1786mit einer kurzenUnterbrechung im
Winterhalbjahr 1787/88 bis zurAuflösung desHofs
als Hofbassist, danach bis zu seinemTod als Dom-
bassist angestellt. Nach demTodLuigiGattis wurde
ihm „die Leitung und Aufsicht des Musikdienstes
[...], welche der Sänger Schidera schonwährend der
Krankheit des seel: Kapellmeisters versehen hat“228,
bis aufWeiteres provisorisch übertragen. Offenbar
hat er ab da diese Funktion bis zu seinemTod ausge-
übt, in derKorrespondenz derDomkustodie scheint
er in den frühen 1820er-Jahren unter wechselnden
Bezeichnungen als „Dombassist undMusikdirector“,
„Hofmusicus undDommusikDirigent“ etc. auf. Nach
seinem Tod ging die „Direction der Figuralmusik“
wiederum interimistisch an J. J. Fuetsch über.229
Schitras Schriftzug ist inmanchenAspekten sehr
ähnlich wie jener von Schreiber 67 und wurde auf-
grunddieserÄhnlichkeiten zunächst als Schreiber 67a
dokumentiert.230Die Identifizierung der Schrift ge-
228AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES-1.2.AXd
522,Dommusikakten 1817–1836, Schreibenvom18.03.1817,
Ad etNr 6681.
229AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES-1.2.AXd
522,Dommusikakten 1817–1836, Schreiben derDomkusto-
dieAn denHof- u. Dom-Musikus Herrn JoachimFuetsch
vom15.06.1824.
230Dass es sich bei den Schreibern 67 und Schitra um eben-
dieselbePerson handeln könnte,musswohl insofern ausge-
schlossenwerden, als inGattisOffertorium„InveniDavid“
(A650) beide Schreiber auf demgleichenPapier erscheinen,
auf demauchGatti selbst den größtenTeil des Stimmen-
satzes ausgeschrieben hat.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur