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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 273 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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6.4 Kopisten sogenanntenMissaSalisburgensis, jenemursprünglich OrazioBenevoli zugeschriebenen 53-stimmigenMess- ordinarium, dem die ebenso vielstimmige Motette „Plaudite tympana“angeschlossen ist.243 Schriftprobe →S. 302. Da dasPapier der großformatigenPartitur (sowie mehrererweiterer Stimmenhandschriften imDommu- sikarchiv)dasWasserzeichen ‚FW‘mitderGegenmar- ke ‚WilderMann‘ aufweisen, das vonFranzWörz in der nahe Salzburg gelegenenPapiermühle Lengfelden von 1675 bis 1696 produziert wurde, konnte Salzburg als Provenienz der Partitur etabliert und dieDatie- rung auf etwa das letzteViertel des 17. Jahrhunderts eingegrenztwerden. Vomgleichen Schreiber stammt auchdas Stimmen- material zumehreren imDommusikarchiv überliefer- tenWerkenH. I. F. Bibers244, darüber hinaus neben in den seltensten Fällen Erfolg haben. ImFall derMissa Salisburgensis, deren fiktiverTitel vonLaurence Feininger für seine Faksimile-Ausgabe der Partitur gewählt wurde, gab es zweiMusiker, die alsAutor inFrage hätten kommen können: Hofkapellmeister Andreas Hofer undVizekapell- meister Heinrich Ignaz Franz Biber. Stilistische Gründe gaben letztlich den Ausschlag, dass beide 53-stimmigen Kompositionen (Messe undMotette „Plaudite tympana“) Biber zugeschrieben wurden. Laurence Feininger lenkte imZusammenhangmit derVeröffentlichung der Faksimile- Ausgabe denBlick auf eine später entstandene 23-stimmige Messe, die er nach demAufbewahrungsort der Partitur als „MissaBruxellensis“ betitelte. Auch sie istHeinrich Ignaz Franz Biber zuzuschreiben. Der quellenkritische Befund dieser Partitur, die heute in der Bibliothèque Royal de Belgique inBrüssel (B-Br,Ms. II 3864) aufbewahrtwird, lässt aufgrundderWasserzeichenmarke ‚IW‘ (JosephWörz) und des Schreibers 111 eineEntstehungszeit zwischen 1696 und 1702 annehmen.Auch dieseKomposition ist anonym überliefert; die nicht beschriebeneTitelseitewurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts oder sogar erst zuBeginn des 19. Jahrhunderts von einer bisher unbekanntenHandOra- zio Benevoli zugeschrieben. Die Messkomposition dürfte vermutlich im Jahre 1701 für die liturgische Feier anläss- lich derErrichtungdesmilitärischenRuperti-Ritter-Ordens durchFürsterzbischof JohannErnstGraf Thun entstanden sein, dennwelchen anderenAnlass hätteBibers Sohn,Karl HeinrichBiber, gehabt,beideEreignisse,dasJubiläum1682 unddieErrichtung desRuperti-Ritter-Ordens 1701 in sei- ner sehr knapp gehaltenen Biographie des Vaters, die in JohannMatthesonsGrundlage einer Ehrenpforte (1740) erschienen ist, zu erwähnen. (Mattheson, Johann;Schnei- der,Max (Hrsg.):Grundlage einerEhrenpforte,worander tüchtigsten Capellmeister, Componisten,Musikgelehrten, Tonkünstler &c. Leben,Wercke, Verdienste &c. erscheinen sollen [Vollständiger, originalgetreuerNeudruck derAusg. Hamburg 1740mit gelegentl. bibliogr. Hinweisen u.Matt- hesonsNachträgen], Berlin: Liepmannssohn 1910, S. 24f.) Man darf daraus schließen, dass derVize- und 1684 zum Hofkapellmeister ernannteHeinrich IgnazFranzBiber da- für einen nachwirkenden , vermtlich auch kompositorischen, Beitrag geleistet habenmuss, der noch Jahrzehnte später imBewusstsein seines Sohnes erhalten blieb. 243Hintermaier: „Missa Salisburgensis“. 244A-Sd,A 173,A 180,A 181,A 435. derMissa Salisburgensis245 aber auch die Partitur einerReduktionderselben246 sowie jeneder sogenann- tenMissa Bruxellensis247. Letztere trägt dasWasser- zeichen ‚IW‘ (JosephWörz) und ist daher auf eine Entstehungszeit um1700, jedenfalls aber nach 1696 zu datieren. StilistischeGründe gaben letztlich denAusschlag, sowohl die beiden 53-stimmigenKompositionen (die Missa Salisburgensis und dieMotette) als auch die jüngere sogenannteMissa BruxellensisBiber zuzu- schreiben.DerSchriftzugvonSchreiber111wurdevon verschiedenenAutoren für jenenH. I. F.Bibers gehal- ten.NochEricThomasChafe klassifizierteKonvolute von seiner Hand als AutographeH. I. F. Bibers248, was sich jedoch nicht sicher bestätigt hat.249 Schreiber 112a: → J.C.Weissenbach (S. 270). Schreiber 112b: legte u.a. 1709 eine Sammlung vonHoraeminores250 an. ThomasHochradner kennt von ihm einemit 1716 datierte Deutsche geistliche Arie inGHocBA/12/1vonMatthiasSiegmundBiech- teler.251 Schreiber 113: erstellte ca. 40 der ältestenHand- schriften des Bestandes. Seine Tätigkeit dürfte auf die Zeit um1700 anzusetzen sein; nach einigenWas- serzeichenbefunden könnte der Schwerpunkt seiner Tätigkeit noch vor der Jahrhundertwende gelegen haben.Mit einiger Sicherheit arbeitete er nicht vor 1660 und nicht nach 1720. Von ihm stammen u.a. drei Stimmbücher (A 1148) als handschriftliche Er- gänzung zuAndreas Hofers StimmbuchdruckVER SACRUMSEVFLORESMUSICI (Salzburg 1677), für die die Zeit zwischen derDrucklegung undHofers Ableben (1684) einen plausiblen, wenn auch nicht nachweisbarenRahmendarstellt. Schreiber 113a: um1700, ähnlich Schreiber 113, aberwohl nichtmit diesem identisch, nurA 184. 245SalzburgMuseum,A-Sca,Hs. 751. 246BibliothèqueRoyale deBelgique, Brüssel,Ms. II 3864. 247BibliothèqueRoyale deBelgique, Brüssel,Ms. II 3862. 248So Bibers Requiem à 15 (A-Sd, A 181), vgl.Chafe:The ChurchMusic of Heinrich Biber, S. 534. 249Hintermaier: „Hoftheater“, S. 156f. 250A-Sd,A 1717. 251Hochradner:Matthias SiegmundBiechteler, Teil I, S. 259. 273
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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