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7 Der SalzburgerDomalsAusgangspunkt der
VerbreitungmusikalischerQuellen
Dass die SammlungDommusikarchiv zunächst im so-
genannten „Domkasten“, dann in derWachskammer
des Salzburger Domes1 relativ geschlossen Kriege,
Besetzungen und andere unruhige Zeiten überlebt
hat, ist ein Glücksfall für die Salzburger Musikge-
schichtsforschung,müssen doch imGegensatz dazu
die Musikalien des Salzburger Hofes bis auf kleine
Restbestände als verloren betrachtetwerden.
Gleichwohl sind in zahlreichenArchiven auch au-
ßerhalbSalzburgsQuellenzufinden,derenSalzburger
ProvenienzanhandvonSchreiber-undWasserzeichen-
Untersuchungen nachgewiesen werden kann. Das
hängt zum einenmit verschiedenenArten vonNoten-
transfers, wie z.B. Schenkungen, Sammlertätigkeit
und ähnlichem zusammen, zum anderen studierten
zahlreicheAngehörige vonKlöstern aus dem süddeut-
schenRaumander SalzburgerBenediktineruniversi-
tät (die ja von einerKlosterkonföderation getragen
wurde) undwurden somit derMusik bekannt, die
amSalzburgerDomaufgeführtwurde.Dadurch fan-
den viele Musikstücke in Salzburger Kopien ihren
Weg inKlöster im süddeutschenRaum, z.B. Seeon,
Raitenhaslach,Ottobeuren etc. oder auch in die ös-
terreichischenKlöster, z.B. nachKremsmünster oder
Lambach.AuchüberMusiker,die ihreAusbildungam
Kapellhaus oder beiMusikern in Salzburg erhalten
hatten, verbreiteten sich Salzburger Quellen, etwa
nachLaufen,Wasserburg, Burghausen etc.
Unterschiedenwerdenmuss folglich zwischenAb-
schriften von Salzburger Kopisten, mit denen, wie
schonWolfgangAmadéMozart feststellte2, schwung-
vollHandel betriebenwurde, undOriginalquellen aus
demDommusikarchiv und derenKopien, die durch
Schenkung,Abschreiben,Diebstahl,Kauf etc. in an-
dereArchive oder inPrivatbesitz gelangten.
1EinemRaumüberder linkenSakristei,wo in früherenZeiten
auch dieKerzenvorräte desDomes gelagertwurden.
2Vgl. S. 310. Ein Beispiel für solch einen Handel mit Musika-
lien im 18. Jahrhundert, der auch mit Abschriften
kirchenmusikalischer Werke betrieben wurde, sind
zahlreiche Kopien vonWerkenAnton Cajetan Adl-
gassers, JohannErnst Eberlins, vor allem aber von
Gradualien JohannMichaelHaydns, dieKopistenwie
Joseph Richard Estlinger und Felix Hofstätter für
das KlosterWeingarten kopiert haben dürften und
die zwei Jahrzehnte nach dessen Säkularisation 1824
durch Kauf ins Musikarchiv der Benediktinerabtei
MariaEinsiedeln in der Schweiz kamen.3
Viel später, noch Anfang des 20. Jahrhunderts,
wurden gelegentlichQuellen verliehen, die dann nicht
mehr zurückgegebenwurden: ImFrühling 2010 konn-
te imArchiv des Stifts Herzogenburg zumBeispiel
die einzige Quelle zu Heinrich Ignaz Franz Bibers
f-Moll-Requiemals eineAbschrift des Schreibers 111
auf SalzburgerPapier identifiziertwerden,womit fest-
steht, dass es sich um jeneQuelle aus demDommu-
sikarchiv handelt, die Anfang des 20. Jahrhunderts
mit anderenmusikalischenQuellen an dieRedaktion
derDenkmäler der Tonkunst in Österreich (DTÖ)
verliehen und als einzige nichtmehr zurückgegeben
wurde.4
Allen SalzburgerAbschriften des 18. Jahrhunderts
in den verschiedenenFundstellen nachzugehen,wäre
ein riesigesUnterfangen, das unsere Forschungen zu
denMusikalien des SalzburgerDoms umJahre ver-
zögert hätte.Wir haben uns daher auf für denDom
geschriebene Musikalien (im Unterschied zu ande-
renKopien) konzentiert undversuchten exemplarisch,
einigeArten vonKulturtransfers genauer nachzuvoll-
ziehen,wie denHandelmit zeitgenössischenAbschrif-
3ZudenSalzburgerMusikalien imMusikarchiv derBenedikti-
nerabteiMariaEinsiedeln vgl.Neumayr/Laubhold: „Die
Quellen der SalzburgerDommusik“, S. 169–175.
4Für die Identifizierung als SalzburgerQuelle sind dabei vor
allemPapiere aus denPapiermühlenLengfelden bei Salz-
burg, Raitenhaslach (Bayern) und aus derRegionToscola-
no (Italien) inVerbindungmit in Salzburg nachgewiesenen
SchreiberzügenwichtigeMerkmale.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur