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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 329 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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7.3 DieMusikbibliothek derBenediktinerabtei Einsiedeln (Schweiz) Nach einerZeit anderSchule vonBellinzona74 und in verschiedenenPfarren kamKeller lautProfessbuch am 26. November 1868 „als Chorregent nach dem Stifte St. Peter in Salzburg, vonwo er imMärz 1869 wieder zurückkehrte“. Insbesondere amDatumderRückkehr sindZwei- fel angebracht, vor allem wegen der Quantität der Forschungen P. Sigismund Kellers und der Anzahl seinerPartituren, die er immermitOrt undDatum kennzeichnete. Die Datierung einer Sparte von Jo- hann Ernst EberlinsTenebrae factae sunt (D-Mbs, Mus.ms.4281#Beibd.3)mit demProvenienzvermerk „Maria Plain 15.12.1869“, derzufolge er sich imDe- zember1869noch inSalzburgbefundenhat,widerlegt das imProfessbuch vermerkteDatumderRückkunft. Auch dasTitelblatt derAntiphone pro Festis Domini et Sanctorumper circulumanniComposuit praefectus Salisburgi [...] (CH-E, 237,4) trägt die Aufschrift: „ImNovember 1870v.P. Sig.Keller ausSalzb[urg] ge- bracht“.Dass SigismundKeller sich länger als bisher angenommen in Salzburg aufhielt, scheint ebenfalls einText über das „GoldeneRegina coeli imSalzbur- gerDom“, der sich bei einer Sparte eines „Victimae paschali laudes“Matthias Siegmund Biechtelers in derMusiksammlungderBayerischenStaatsbibliothek (D-Mbs,Mus.ms. 4356) befindet, zu bestätigen: „Vor- liegendesVictimaepaschali fand ich ineinzelnenStim- men in Salzburg& setzte es 1871 demMusikchor in Partitur, der es amOstersonntag 1872 mit einmal Regina coeli nach altemGebrauch aufführte.“ Auch bezüglich seinerTätigkeit als Chorregent des Stiftes St. Peter in Salzburg sindZweifel angebracht, wurdeKeller doch in den angenommenen fünfMona- ten seinesAufenthaltes in Salzburg als „Aushilfspries- ter inMariaPlain“75 eingesetzt, vonwo aus er über- meister seit 1800.Materialien zurGeschichte der jüngeren EinsiedlerKirchenmusik“, in:ThereseBrugisser-Lanker/ BernhardHangartner (Hrsg.):Congaudent angelorum chori. P. RomanBannwart OSB zum 80.Geburtstag, Lu- zern:Raeber-Verlag 1999, S. 131–155. 74InBellinzona(KantonTessin) führtendieBenediktinerpatres aus demKlosterMariaEinsiedeln von 1675 bis 1852 eine kleine Schule. Vgl. ebd., S. 131. 75BeliebteWallfahrtskirche imNorden Salzburgs. dies die Pfarre Söllheimversah.76ThomasHochrad- ner vermutetUnstimmigkeitenmit anderenPatres in St. Peter, was angesichts derTatsache, dass nur zwei SpartenP. Sigismunds imMusikarchiv derErzabtei St. Peter vorhanden sind, plausibel erscheint.77 In seineForschungen78 bezogKeller zwardieArchi- ve imBenediktinerinnenstift Nonnberg, die damalige Studienbibliothek und auch Archive in Seekirchen, Lambach,Mondsee undKremsmünstermit ein, über- blicktman aber die heute in Einsiedeln erhaltenen Quellen, so muss sich P. Sigismund bevorzugt mit denQuellen desDommusikarchivs beschäftigt haben. Noch in Salzburg begann erWerke SalzburgerHofka- pellmeister zu spartieren und nahmdannTeile von Konvoluten nachEinsiedelnmit, umdortweiterzuar- beiten.DieAnnahmeThomasHochradners, dass die Rückgabe nur „in seltenenFällen unterblieb“79, kann angesichtsderFüllenochheute inEinsiedelnnachweis- barerMaterialien nicht bestätigtwerden (→ S. 331). P. SigismundKellers Sammlertätigkeit folgte einem charakteristischenMuster. InderRegelnahmereinen Vokalstimmensatz und eineBasso-continuo-Stimme mit nachEinsiedeln. Sofern in SalzburgDuplierstim- men vorhandenwaren, verblieben diese anOrt und Stelle, weshalb sich viele der Einsiedler Stimmenmit Konvoluten, die sich heute imSalzburgerDommusik- archivbefinden, zuvollständigenAufführungsmateria- lien ergänzen.Keller sammelte also nicht komplette Aufführungsmaterialien, sondern nahm in derRegel gerade so viele Stimmenmit sich, dass er denmusi- kalischen Satz vollständig vorliegen hatte. Besonders deutlichwird das an derBasso-Continuo-Gruppe, die in denQuellen desDommusikarchivs typischerweise mit Stimmen fürViolone,Organo concertato,Organo ripieno undBattuta, oft auch fürFagott vertreten ist. Innerhalb einesWerkes enthalten all diese Stimmen den gleichenNotentext (allenfalls bei denOrgelstim- men um eine Bezifferung ergänzt). Bei zahlreichen Kompositionen ist jeweils nur eine dieser Stimmen 76Vgl. Hochradner, Thomas: „P. Sigismund Keller OSB (1803–1882) aus demKloster Einsiedeln. Pionier der kir- chenmusikalischenForschung in Salzburg?“ in:Kirchenmu- sikalisches Jahrbuch, 91 (2007), S. 101–116, hier: S. 106. BeideOrte sind zuweit vonderErzabtei St. Peter entfernt, umeinen regelmäßigenDienstP.SigismundsalsChorregent von St. Peter annehmen zu können. 77Ebd., S. 106,Anm. 13. 78Keller: „Geschichtliches über die nächstenVorfahrenMo- zarts“. 79Hochradner: „P. SigismundKeller“, S. 106. 329
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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