Seite - 356 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Personenverzeichnis
zurück, ein Jahr späterwar er inKöstendorf, ab 1769
inTeisendorf und ab 1771 alsKammerdiener sowie
Schullehrer undOrganist imKlosterMichaelbeuern
angestellt.114Am1.Mai 1772 zunächst offiziell als
Angestellter der Seekirchener Stiftsorganistentochter
Maria Theresia Stainheil in Dienst genommen,
ehelichte er diese bereits am 11. Mai desselben
Jahres, wodurch ihm das Organistenamt, dessen
Expektanz seine um 19 Jahre ältere Gattin zu
Lebzeiten ihres kurz zuvor verstorbenen Vaters
Johann Ignaz Stainheil erworben hatte, zufiel. Die
unglücklich verlaufene und kinderlos gebliebeneEhe
zog bis über den 1792 erfolgtenTod seinerGemahlin
ZwistigkeitenKrachersmitderStainheilschenFamilie
nach sich, die in einem erbittertenRechtsstreit um
das Testament der Verstorbenen gipfelten und
in einer Reihe weiterer Klagen und Gegenklagen
amtsanhängigwurden.
AusdenAktengehtu.a.hervor,dasses inKrachers
Tätigkeitsbereich fiel, „als Spielmann bey Tänzen
aufzumachen“,was ihmlautärztlichemAttestab1798
„aus Brustschwäche“ allerdings nichtmehrmöglich
war.115 1803 übernahm er zusätzlich den Schuldienst
in Seekirchen, 1814 übersiedelte er nachKuchl, wo er
seine letzteAnstellung als Schullehrer undOrganist
fand.
Kracher stand spätestens ab 1779 in persönlichem
KontaktmitMichaelHaydn116, der ihm eigeneParti-
turenzumStudiumübersandteundmehrmalsbei ihm
nächtigte. Alswohlweitgehend autodidaktisch durch
„SammlungundAbschreibungvieler schönerMusikali-
en“ geschulterKomponist geistlicherGebrauchsmusik
warKracher bemerkenswert erfolgreich: „DerBrauch-
barkeit wegenwurdenKracher’s Compositionen sehr
bald ziemlich verbreitet, und so erhielt er inKürze so
viele Bestellungen, daß er außer seinerChorzeit und
den Instruktionen immervollaufmitComponirenund
Notenschreiben zu thun hatte.“117
114Hintermaier: „Seekirchen“,S.475mitVerweisaufPillwein:
Biographische Schilderungen, S. 117f.
115Hintermaier: „Seekirchen“, S. 476.
116BriefHaydns anKracher vom20. Juli 1779.Musikbibliothek
derErzabtei St.Peter in Salzburg.Faksimile inHintermai-
er, Ernst: „MatthiasKracher und sein Schulmeister Jo-
hannMichael Haydn“, in:AndreasRadauer (Redaktion):
Rupert in Seekirchen. 300 Jahre Kollegiatstift, Salzburg:
DruckhausNonntal o.J. [1979], S. 97–98.
117Pillwein:Biographische Schilderungen, S. 118. Eine Liste
vonAuftraggebern inHintermaier: „Seekirchen“, S. 984,
Anm. 75. RISM verzeichnet gegenwärtig 242 Manuskripte
mitKompositionenKrachers, der größteTeil seiner
Werke – 94Manuskripte, darunter 84Autographe –
findet sich in der Sammlung des in Salzburg tätig
gewesenen Sprachlehrers Nikola Udina-Algarotti in
Zagreb (HR-Zha). 90 Materialien (72 Autographe)
sind imMusikalienarchiv derErzabtei St. Peter (A-
Ssp)118, weitere 59 Handschriften (43 Autographe)
imStiftsarchivMattsee (A-MS) und 44Abschriften
imSalzburger Franziskanerkloster überliefert. Nicht
inRISMverzeichnet sind fünfHandschriften in der
Musikaliensammlung des SalzburgMuseums.119
Das SalzburgerDommusikarchiv beherbergt eine
Sammlungvon 20Manuskripten –darunter zwölfAu-
tographe – vonKrachersKompositionen: siebenLita-
neien, sechsOffertorien,dreiMessen, zweiGradualien,
einTantum ergo sowieKrachers Neuvertonung des
Weihnachtsliedes„Stillenach,heiligeNacht“ (A1773).
AußerLetzteremundeinerDeutschenMesse (A1736)
sind alleWerke auf lateinischeTexte komponiert.
In vereinzeltenAbschriften sindKrachersWerke in
weiterenArchiven im süddeutschenRaumzwischen
München,PragundBozenverbreitet.UnterKrachers
vierKindernaus zweiterEhe solltederZweitgeborene
MatthiasKracher jun. 1832 dasAmtdes Salzburger
Domorganisten erlangen. InSalzburgverbrachte auch
J.M.Kracher sen. seine letztenLebensjahre; erwurde
am 29. März 1835 auf dem Friedhof von St. Peter
begraben.
Kracher, Matthias jun. (1795–1858), ein Sohn
JosephMatthiasKrachers, war zunächstDomchora-
list undwurde nach demTodvon JosephHöß 1832
Domorganist. Nach derGründung desDommusikver-
ein undMozarteumswurde er zusätzlich Lehrer an
derMusikschuleMozarteum,wo er bis zu seinemTod
wirkte. ImDommusikarchiv sind 13Werke von ihm
erhalten, darunter vier Litaneien, zweiRequien, eine
Messe und einige kleinere kirchenmusikalischeWerke.
Lappi, Pietro (um1575–1630), warOrdensgeist-
licher in der Congregazione Fiesolana bei Florenz,
oberitalienischerKomponist vokaler und instrumenta-
lerWerke und großerVerehrerClaudioMonteverdis.
Um1593wurdeerKapellmeisteranSantaMariadelle
118FreundlicheAuskunft vonP.PetrusEderOSB.
119Gassner: „DieMusikaliensammlung“, S. 236.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur