Seite - 357 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Bild der Seite - 357 -
Text der Seite - 357 -
Grazie inBrescia. 1613widmete er demSalzburger
FürsterzbischofMarkus Sittikus eine Sammlung kon-
zertierenderMesskompositionen zu 4 bis 6 Stimmen
und 1621 dessenNachfolgerParis LodrondieSalmi a
tre e quattro chori concertati; demnach dürfte Lappi
Verbindungen nach Salzburg gehabt haben, er selbst
lässt sich allerdings amHof nicht nachweisen.120
Lasso, Orlando di (um 1532–1594), war
wohl der bedeutendste Komponist im süddeutsch-
österreichischenRaum in der 2.Hälfte des 16. Jahr-
hunderts; seineBeziehungenzumSalzburgerHofdürf-
ten eng gewesen sein; am Hofe selbst lässt er sich
allerdings nicht nachweisen. SeineMusik ist imDom-
musikarchiv in frühenDrucken und handschriftlichen
Chorbüchern vertreten, die er nicht demFürsterzbi-
schofWolfDietrich, sondern demDomkapitel über-
reichen ließ.121
Lechler, Benedikt (1594–1659), studierte zu-
nächst inWien und wurde dann Leiter der Abtei-
schule und Regens Chori in Admont. 1617 kam er
nachKremsmünster, wo er 1627 insKloster eintrat
und 1628 zum Leiter der Stiftsmusik bestellt wur-
de.Von einerReise nach Italien 1632/33 brachte er
zahlreicheMusikalienmit sich, die er, wie zahlreiche
andereWerke und eigene Kompositionen, in große
Sammelbände kopierte.122Die Zuweisung eines „Lau-
da Sion“ (A 425) an ihn ist nicht gesichert.
Leo, Leonardo (1694–1744), bedeutender neapoli-
tanischerKomponist, istmit einemberühmt gewor-
denenMiserere in der Sammlung Dommusikarchiv
vertreten.
Lill, Leopold (Vitus) (um1727–1780), Sohn des
SalzburgerDomchoralistenGeorgHeinrich Lill, war
ab 1747 Domchorvikar, ab 1750 als Bassist Dom-
choralist und ab ca. 1756 Instruktor imKapellhaus.
Drei Stimmenabschriften der Sammlung tragen sei-
nen Besitzvermerk, zwei davon zusätzlich den des
Loretoklosters.
120Hintermaier:Katalog (1992), S. 192.
121Ebd., S. 179.
122MGG2, Personenteil, Bd. 10, Sp. 1408f. Lipp, Franz Ignaz (1.2.1718–15.8.1798), besuch-
te ab 1732 das Kapellhaus, wo er bei G. J. Paris
dasOrgelspiel erlernte. Nach seinem1738 erfolgten
Austritt aus demKapellhauswill er nach eigenenAn-
gaben inVertretungEberlins undParis’ „14 ganzer
Jahr in den Dom die Dienst versehen“ haben und
danach „9JahrOrganist zuLauffen“gewesen sein.123
Die genannten Zeiträume sind in dieser Abfolge je-
doch nicht nachvollziehbar; gesichert ist, dass Lipps
Anstellung alsHof- undDomorganist im Jahr 1754
erfolgte.Wenige Jahre später berichtete L.Mozart
über Lipp, er „[s]pielet auch eineViolin, singet einen
schönen Tenor und componirt nicht übel“124. Eine
Ernennung zumAnte-Camera-Diener erfolgte 1762.
LippsmusikalischeTätigkeit bliebweitgehend auf die
Kirchenmusik beschränkt, eine kurze Periode nach
AdlgassersTod(1777), indererdieBegleitungbeider
höfischenKammermusik zu versehen hatte, wird als
musikalisch unbefriedigend geschildert undmündete
im Januar 1779 in dieAnstellungW.A.Mozarts als
ersterHoforganist.125 Zwischen 1772 und 1784 orga-
nisierte Lipp immerwieder dieMusik an St.Markus,
der Kirche der Ursulinen.126 Ausweislich seiner im
Dommusikarchiv erhaltenenManuskripte sowie der
Überlieferung seinerWerke in kirchlichenundklöster-
lichenArchiven Salzburgs unddarüber hinaus127war
LippnebenderAusübung seiner fürsterzbischöflichen
Dienste als Komponist geistlicherWerke und wohl
auch als ausübenderMusiker in nicht unerheblichem
Maß tätig.
Lolli, Giuseppe Francesco (1701–1778), kam
1722 ausBologna an den Salzburger Fürstenhof und
wurde als Tenorist angestellt. 1743wurde er inÜber-
gehung des eigentlich besser qualifizierten Johann
Ernst Eberlin aus Sparsamkeitsgründen zumVize-
kapellmeister befördert; Hofkapellmeister wurde er
allerdings erst nach demTod JohannErnst Eberlins
123Hintermaier:Die SalzburgerHofkapelle, S. 223–226, hier:
223; zu LippsBiographie vgl. auchWeindler:Franz Ignaz
Lipp, S. 7–13.
124[L.Mozart]: „Nachricht von demgegenwärtigen Zustande“,
S. 188.
125Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 224.
126Neumayr: „ZurMusikpflege im Salzburger Ursulinenkon-
vent“, S. 92–93.
127In Salzburg nebendemDommusikarchivA-Sfr,A-Ssp,A-Sn.
DarüberhinausA-SWp,A-KR,D-FW,D-Mb,D-Po,D-WS,
CH-E,CH-MÜ,HR-Zha.Vgl. 〈URL:http://www.rism.info/
home/〉 – Zugriff am 30.04.2013 sowieWeindler:Franz
Ignaz Lipp.
357
Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur