Seite - 361 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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bischof Hieronymus Colloredo anlässlich der Reise
nachParis 1777 keinenUrlaub gewährenwollte. 1779
wurde er in derNachfolgeAntonCajetanAdlgassers
(→ S. 341) Hoforganist. Er hatte damit nicht nur
die Orgel am Prinzipal-Chor zu versehen, sondern
auch „bei Hof“ zu akkompagnieren und „den Hof,
und dieKirche nachMöglichkeitmit neuen von Ih-
meverfertigtenKompositionen“152 zubedienen.Auch
dieseDienstverpflichtungendetebereits 1781mitdem
berühmtenFußtritt desGrafenArco.153 SeinNach-
folger wurde JohannMichael Haydn. Bereits am 4.
September 1776 hatte er (bzw. seinVater in seinem
Namen) an Padre Martini in Bologna geschrieben:
„MeinVater istKapellmeister amDom,wasmirGe-
legenheit gibt, für die Kirche zu schreiben, so viel
ich davonwill“ („IlmioPadre éMaestro della chiesa
Metropolitana, chemi da l’occasione di scrivere per
la chiesa, quanto che ne voglio“).154 In der kurzen
Zeit zwischen 1769 und 1782, in der er zudem fast
fünf Jahre aufReisenwar, schriebWolfgangAmadé
Mozart zahlreicheWerke fürdenSalzburgerDom,die
teilweise in von seinemVater oder ihm selbst korri-
giertenAbschriften immer noch imDommusikarchiv
aufbewahrtwerden, darunterAbschriften der heute
mehr denn je beliebten und bei Gottesdiensten ge-
pflegtenSpatzenmesseKV220, derMessenKV192
und194, zweierRegina coeliKV127undKV276und
der Litaneien KV 109 undKV 125 (→ ab S. 105).
Damit hat er bedeutendeWerke zumRepertoire der
Hofmusikkapelle am Dom beigetragen und war in
den 70er-Jahren des 18. Jahrhunderts eine Zeitlang
jenerKomponist, der ammeistenKirchenmusik für
die Liturgie desDomes beitrug; die Bedeutung, die
HofkapellmeisterwieMatthias SiegmundBiechteler
(→ S. 343), Karl Heinrich Biber (→ S. 343), Luigi
Gatti (→S. 350)undvor allemJohannErnstEberlin
(→S. 347)–auchaufgrundderVielzahl ihrerWerke–
im 18. Jahrhundert für dieRepertoirebildung hatten,
erreichte er jedoch zuLebzeiten nicht.
Neymiller, Franz Xaver (1702–1726), bewarb
sich noch als Kapellknabe um die nach dem
Tod Matthäus Gugls freigewordene Priesterhaus-
152Anstellungsdekret vom17.1.1779, zit. beiHintermaier:Die
Salzburger Hofkapelle, S. 297.
153Ebd., S. 296–298.
154Schmid: „MozartsKirchenmusik“, S. 18. Organistenstelle und bekam sie, weil er nach demUr-
teil desHofkapellmeistersMatthias SiegmundBiech-
teler „ein bessererOrganist als Samer“ (gemeint ist
hier Ferdinand Jakob Sebastian Samber)wäre.Das
Jahr1724verbrachte er zurAusbildung inWien,nach
seinerRückkehrAnfang 1725wurde er zum fünften
Hoforganisten bestellt, starb jedoch bereits imMai
des darauffolgenden Jahres. Seine Stelle erhielt Jo-
hannErnstEberlin.155VonNeymiller sindmehrere
Messen, ein Requiem und einOffertorium erhalten.
Im Zusammenhang mit seinem Schaffen zeugt das
Faktum, dass Leopold Mozart neben den Werken
Eberlins undMichael Haydns auch eineKomposition
Neymillers in jenesheute inderBritishLibraryaufbe-
wahrte undKirchenmusikalien verschiedenerMeister
betitelte Heft (GB-Lbl, Add. MS 41633) aufnahm,
das er seinemSohn zu Studienzwecken anlegte, von
einigerWertschätzung.
Novotný, FranzNikolaus (1743–1773), warOr-
ganist undKomponist amHof der FürstenEsterházy
inEisenstadt.SeineKirchenmusik steht stilistischden
Werken J. Haydns nahe. Im Salzburger Dommusik-
archiv sind vierMessen erhalten, eine davon auch in
einerBearbeitungF. I. Lipps.
Öttl,Mathias (1675c–1725), war zunächstTeno-
rist in St. Stephan (Wien), ab 1711 als „Musicus“ bei
KaiserwitweEleonoreMagdalena vonPfalz-Neuburg
angestellt, zu derenKapellmeister er 1717 avancier-
te. Nach ihrem Tod 1720 wurde er als Tenorist in
die kaiserliche Hofmusikkapelle aufgenommen und
war darüber hinaus auch imWiener Schottenkloster
tätig.156
Palestrina, Giovanni Pierluigi da (1525/26–
1594), italienischerKomponist; seinWerk dürfte spä-
testenswährend derRegierungszeitWolf Dietrichs in
Salzburg bekannt geworden sein undwurde noch im
19. Jahrhundert imMusikrepertoire des neuenDoms
gepflegt.157
Paris, AntonFerdinand (1744–1809)→ S. 267
155Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 299.
156Opatrny,Alexander:ThematischerKatalogMatthiasÖttl,
Wien:ÖsterreichischeAkademie derWissenschaften 2012,
(TabulaeMusicaeAustriace, 18), S. 41–59.
157Hintermaier:Katalog (1992), S. 179.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur