Seite - 365 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Schiedermayr, Johann Baptist (1779–1840),
trat, nach verschiedenen Stationen alsMusiker, 1804
indieDienstedesLinzerThurnermeistersFranzXaver
Glöggl. 1810wurde erDom- undStadtpfarrorganist
in Linz und nach Glöggls Tod 1839 auch Domka-
pellmeister. Er leitete dieGesangsschule in derMu-
sikschule derGesellschaft derMusikfreunde inLinz
(heuteAntonBrucknerPrivatuniversität) und schrieb
zahlreicheLandmessen und andere kirchenmusikali-
scheWerke, die sich durch einfache Schreibweise und
leichteBesetzbarkeit auszeichneten.182Auch imDom-
musikarchiv haben sich einigeWerke erhalten, die
teilweise aus demNotenbestand derDommusik, teil-
weise aber ausdemFundusder Stadtpfarrmusikanten
stammen.
Schiesser, Anton (gest. 1.1.1875), war zunächst
Musiker in St. Peter, wurde aber am 2.März 1838
als Stadtpfarrsänger angestellt.183 Einmal bezeich-
net er sich auf einemUmschlagtitel als „Stadtpfarr-
Chorregent“ (A 1736), dürfte also nach JohannBap-
tist Weindls Tod für kurze Zeit die Führungsrolle
übernommenhaben. 1841wurde er als „Tenorist und
Lehrer amMozarteum“ in denDommusikverein und
Mozarteum übernommenund 1870 pensioniert.
Schlecht, Franz Xaver (1730–1782), wurde in
Wendlingen amNeckar (Landkreis Esslingen) gebo-
ren undwar der ältereBruder desAbtes desKlosters
Salem,Robert Schlecht. Er studierte zunächst Jura
in Salzburg, gabdieses Studiumaber zugunsten eines
Musikstudiums auf und war als Domkapellmeister
(Hofkapellmeister) inEichstätt tätig. Vielleicht stand
er in Salzburgmit JohannMichaelHaydn inVerbin-
dung,denneinLaudaSionvonHaydn(A499)enthält
einDomineDeus „ExMissa ex d.Del Sig. Schlecht“.
Von seinen zahlreichen kirchenmusikalischenWerken
sind imDommusikarchiv ansonsten keine überliefert.
Schmelz, Philipp (1758–1804), Organist und
Komponist, hatte Musikunterricht in München er-
halten, bevor er 1791 an derUniversität Salzburg im-
matrikulierte.ErwarSchüler JohannMichaelHaydns
undwirkte 1797–1802 alsOrganist imStift St. Peter,
182MGG2, Personenteil, Bd. 14, Sp. 1328f.
183AES,Altbestand,AT-AES 1.2.5/25/14. danach in Kitzbühel in Tirol, wo er infolge über-
mäßigen Alkoholkonsums in einer Kapelle erfroren
sein soll.184 Laut des Titelblattes zu seiner Litanei
inA (A 1724)war erwährend seiner Salzburger Jah-
re „Cant[or] inmonast. /Muhln“. Er ist vermutlich
identischmit einemansonsten nicht dokumentierten
„Sigre Schmoelz“ (A 1664). Seine im Jahr 1800 in
Salzburg herausgegebenenMelodien zuHerrnGregor
Kraemers hundert neuen Schulgesängen gelten als die
ersten Schullieder imdeutschsprachigenRaum.185
Schmid, Franz Xaver (1797–1865)186, Kompo-
nist, Organist und Musiklehrer aus Ingolstadt, er-
scheint inder Sammlung lediglich in einemUmschlag-
titel zu einer Litanei LeopoldMozarts (A 452), der
im19. oder 20. Jahrhundert offenbar zeitweise für ein
RequiemSchmids verwendet undmit einem entspre-
chendenTitel versehenwordenwar.
Schobacher, PaulCaspar (26.5.1782–10.6.1852),
wirkte ab 1804 als Landgerichtsarzt in Schönberg
(Niederbayern), wurde 1809 in leitender Funktion an
dasMilitärspital St. Nikola in Passau berufen und
nahmnoch im gleichen Jahr seine Lebensstellung als
Landgerichtsarzt inDeggendorf an,wo er 1850 pen-
sioniertwurde.Als dilettierenderMusikerwidmete er
sich insbesondere derKirchenmusik und veröffentlich-
te eineReihe seinerKompositionen in verschiedenen
süddeutschenVerlagen.187Eine SalzburgerAbschrift
einerMesse inG (A1186) aus demJahr 1838 ist im
Bestand derDommusik überliefert.
Schubaur, Johann Lukas ([23.]12.1749–
15.11.1815), als Hofarzt Kurfürst Karl Theodors in
München, „Criminal-Physicat“ und Medizinalrat
sowie unter König Max I. Joseph in höchsten
Positionen mit dem staatlichen Gesundheitswesen
Bayerns betraut, betätigte sich aus Liebhaberei
als Komponist, als welcher er, insbesondere mit
Singspielen,beachtlicheErfolgeverzeichnete.Mehrere
Messen, Litaneien undVesperkompositionen haben
184Hintermaier, Ernst: „Michael Haydns Salzburger Schü-
lerkreis“, in:Österreichische Musikzeitschrift, 27 (1972),
Nr. 1, S. 14–24, hier: S. 19.
185Flotzinger:OEMLonline.
186Focht:BMLO, Datensatz s0604.
187Fellerer,KarlGustav: „PaulKaspar Schobacher (1782–
1852)“, in:Musica sacra, 56 (1926), Nr. 8/9, S. 246–253.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Titel
- Musik am Dom zu Salzburg
- Untertitel
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Autoren
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Verlag
- Hollitzer Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Abmessungen
- 21.0 x 30.2 cm
- Seiten
- 432
- Kategorie
- Kunst und Kultur